


Ihre Aufnahme eines Mädchens im weißen Kleid mitten in den Pfützen des Viertels Cité Soleil in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince wurde 2008 als „UNICEF-Foto des Jahres“ ausgezeichnet. Zweimal ist die junge belgische Fotografin Alice Smeets seitdem zurückgekehrt, um zu fotografieren – aber auch, um das Mädchen Landa zu suchen und der Familie zu helfen. Die beste Nachricht: Landa und ihre Familie haben das schwere Erdbeben vom Januar überlebt. Ein Gespräch mit Alice Smeets.
Sie haben Landa damals in dem riesigen Slum Cité Soleil fotografiert. Die Aufnahme war ein Schnappschuss. Sie kannten den Namen nicht. Wie haben Sie das Mädchen wieder gefunden?
Ich habe meinem Übersetzer das Foto geschickt und ihm gesagt, wo ungefähr ich es aufgenommen habe. Er ist dann etwa zwei Tage lang an dem Ort herumgelaufen und hat alle Leute gefragt, ob sie das Mädchen nicht zufällig kennen. Irgendwann traf er auf ihren Vater. Als ich im letzten März nach Haiti reiste, besuchte ich Landa und ihre Familie sofort und fragte, wie ich am besten helfen könne.
Landas Vater sagte, am liebsten würde er von Cité Soleil wegziehen, da der giftige Geruch der Abfälle krank mache. Also haben wir einen Umzug organisiert. Landa, ihre fünf Geschwister und ihre Eltern wohnen nun in einem kleinen Appartement mit drei Zimmern und einem kleinen Bad. Dort hat jedes Kind seine eigene Matratze und die Eltern ihr eigenes Schlafzimmer. Das Haus steht noch.
Haiti ist eines der ärmsten Länder der Erde – warum zieht es Sie immer wieder dorthin?
Die Stärke der Haitianer ist faszinierend. Und trotz der Armut erlebt man jeden Tag einzigartige Momente und Geschichten. Ich habe eine Hass-Liebesbeziehung zu Haiti. Ich liebe es auf der einen Seite für seine Farben, seine Stärke, seine Musik, die Mentalität der Menschen auf dem Land... und doch gibt es viele Momente, in denen ich am liebsten sofort abreisen würde.
Was möchten Sie mit Ihren Fotografien bewirken?
Ich möchte das „wirkliche“ Haiti zeigen. Die Armut, die Ungerechtigkeit, aber auch das Schöne, die Stärke der Haitianer und wie sie ihre Situation mit Würde tragen. Gleichzeitig glaube ich daran, dass Fotos dazu beitragen können, Situationen zu verändern. Fotos alleine nicht – aber Fotos zusammen mit einigen engagierten Menschen können viel ändern.
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