Allein auf den Straßen von Addis
„Meine erste Nacht auf der Straße war schrecklich“, erzählt die 13-jährige Betty. „Ich hatte noch nie so viel Angst.“ Das Mädchen aus Addis Abeba wuchs bei ihrer Mutter auf, einer alkoholkranken Bettlerin. Der Vater war schon seit drei Jahren tot. Zum Geldverdienen verkaufte Betty auf der Straße Papiertaschentücher. Eines Tages nahmen Freundinnen sie mit zum Bole-Flughafen, einem beliebten Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Es wurde dunkel. Plötzlich fand Betty die anderen Mädchen nicht mehr. Allein und hilflos, wurde die 13-Jährige zuerst bestohlen und dann fast vergewaltigt.
Ihr Retter war ein Sozialarbeiter von „Sport the bridge“, einer von UNICEF unterstützten Hilfseinrichtung. Er fand die völlig verzweifelte Betty und brachte sie zurück nach Hause. Seit ein paar Monaten kommt sie nun regelmäßig in die Anlaufstelle. Inzwischen geht es ihr besser, sie nimmt begeistert am Sporttraining der Einrichtung teil und hat neue Freundinnen gefunden. Gemeinsam mit Bettys Mutter suchen die Sozialarbeiter nach Wegen, wie die Familie besser überleben kann – und wieder zusammenleben.