
Der Konflikt in den palästinensischen Autonomiegebieten trifft Kinder und Jugendliche besonders hart: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, zahlreiche Schulen sind bis heute zerstört. Straßensperren und die ständige Angst vor neuen Militäraktionen gehören zum Alltag. Gerade für Jugendliche fehlt es an Bildungs- und Beteiligungsangeboten. UNICEF gibt Mädchen und Jungen die Chance, sich zu engagieren und berufliche Fähigkeiten zu erwerben: In 20 Jugendzentren in der West Bank und im Gazastreifen unterstützt UNICEF Bildungskurse sowie Musik- und Theaterangebote. In Fotokursen können die Jugendlichen ihre oft schwierige Situation und ihre Bedürfnisse an die Öffentlichkeit bringen.
Rund 70 Prozent der Bevölkerung in den Besetzten palästinensischen Gebieten lebt mittlerweile in Armut. Die Wirtschaft liegt am Boden, viele Menschen haben keine Arbeit mehr. Die Trümmer der israelischen Militäraktion von Anfang 2009 sind noch immer deutlich sichtbar: Rund 280 Schulen und viele Wohnhäuser sind zerstört oder schwer beschädigt. Viele konnten bis heute nicht repariert werden, weil es an Baumaterial fehlt. Auch Bücher, Schreibmaterial, selbst Kreide sind Mangelware. 20.000 Menschen leben bis heute in überfüllten Flüchtlingslagern. Straßenkontrollen und Ausgangssperren schränken die Bewegungsmöglichkeiten stark ein. Besonders der Gaza-Streifen ist quasi abgeriegelt. Für Kinder und Jugendliche ist es oft schon schwierig, zur Schule oder Ausbildungsstelle zu kommen. Viele haben kaum Möglichkeiten, ihre Freizeit sinnvoll zu verbringen.
Jeder zweite Bewohner der palästinensischen Autonomiegebiete ist unter 18 Jahre alt. Doch die Zukunftsaussichten der Kinder und Jugendliche sind düster: Viele müssen schon früh mitarbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Immer öfter brechen sie deshalb die Schule ab. Chronischer Stress behindert die Lernfortschritte zusätzlich – selbst die Schulen sind kein sicherer Ort. Eine Umfrage ergab: Jeder zweite Schüler hat bereits mit ansehen müssen, wie Militärtruppen seine Schule besetzen. Jeder zehnte wurde Zeuge, als Lehrer in der Schule getötet wurden. In fast jeder dritten Familie leiden Kinder unter Angst oder Depressionen. Eine weitere Folge ständiger Anspannung sind aggressives Verhalten und schlechte Schulleistungen: Im Gaza-Streifen bestand 2008 nur noch einer von fünf Sechstklässlern den Standardtest für Mathematik, Naturwissenschaften, Englisch und Arabisch. Viele junge Leute haben kaum Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen und berufliche Perspektiven zu entwickeln. Besonders heranwachsende Mädchen dürfen häufig das Haus kaum verlassen, weil es an sicheren, betreuten Treffpunkten fehlt.
UNICEF möchte mit Hilfe von Spenden aus Deutschland in 20 Jugendzentren in ausgewählten Gemeinden der Westbank und des Gazastreifens Kurse für Jugendliche anbieten. Rund 9.000 Mädchen und Jungen sollen Aufholkurse im Lesen, Schreiben und Rechnen besuchen können. Darüber hinaus bieten die Zentren Sport, Musik und Theater an. Dazu kommen Aufklärungs- und Diskussionsveranstaltungen zu Themen wie
Gesundheit und Partnerschaft. UNICEF stattet die Zentren mit Material aus und schult die Betreuer. 2009 wies eine Evaluation die positive Wirkung der Jugendzentren nach. Die Teilnehmer berichteten, dass sie und auch ihre Eltern ihr Verhalten bereits konkret verändert haben. Nachgewiesen wurden auch bessere Schulleistungen, mehr Selbstvertrauen und eine Abnahme von Gewalt.
Für 360 Jugendliche in Gaza, Jerusalem und der Westbank wird UNICEF auch spezielle Fotokurse anbieten. Die Teilnehmer erhalten Unterstützung, um ihre Fotos in ihren Gemeinden auszustellen und Gesprächsrunden zu organisieren. So können sie ihre oft schwierige Situation, aber auch ihre Träume und Hoffnungen an die Öffentlichkeit bringen. Gleichzeitig erwerben sie berufliche Fertigkeiten in Grafikdesign und neuen Medien.
Zitate der Teilnehmer eines Fotokurses von 2009:
„Alles was man über Gaza liest, hat mit dem
Krieg zu tun. Ich wollte die schönen Seiten von
Gaza zeigen – die historischen Ort und die berühmten
alten Märkte.“ Abdallah Rabah (18)
„Jeder kleine Junge und jedes Mädchen träumt
davon, später etwas Großes zu werden. Niemand
träumt davon, an einem schmutzigen Ort
Müll sammeln zu müssen, um ihn zu verkaufen.“
Natalie Esmail (17)
„Die Kinder in Palästina wollen nicht zerbrechen.
Sie wollen vergessen und die Schwierigkeiten
bewältigen.“ Ali Al-Sisi (12)
Helfen Sie mit, dass Kinder gesund und sicher aufwachsen und zur Schule gehen können. Danke!
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