
Adimas Heimatdorf im Norden Ghanas ist einer der wenigen Orte, an denen Menschen noch vom Guineawurm geplagt werden. UNICEF will den Krankmacher auch dort stoppen und verteilt Hunderttausende Wasserfilter – denn die Gefahr lauert in dreckigen Tümpeln.
Adima hat sie schon oft gehört: die gruseligen Geschichten der Dorfbewohner, bei denen die „feurige Schlange“ unter der Haut saß. Von brennenden Schmerzen haben die Kranken berichtet. Und davon, dass sie vor lauter Qual nicht auf ihren Feldern arbeiten konnten, obwohl das reife Getreide geerntet werden musste. Ihre Kornkammern blieben leer. Auf die Schmerzen folgte so auch noch der Hunger.
Die zehnjährige Adima ist deshalb immer auf der Hut, wenn sie von ihrem Dorf Wantugu aus zum Tümpel läuft und Trinkwasser für ihre Familie schöpft. In der braunen Brühe könnten sie nämlich lauern: die Larven des Guineawurms, wie der krankmachende Fiesling heißt.
Seine Larven sind mikroskopisch klein und kennen nur ein Ziel: Sie wollen in den Körper eines Menschen gelangen. Trinkt jemand Tümpelwasser und verschluckt dabei einen Wasserfloh, in dem die Wurmlarven sitzen, ist es bereits geschehen. Die Larven wachsen im Körper des Menschen innerhalb eines Jahres zu spaghettidünnen weißen Würmern heran.
Aber es kommt noch schlimmer! Die Würmer paaren sich, wandern dann Richtung Hände oder Füße und legen dort unter der Haut Eier ab. Spätestens jetzt spürt der Mensch den brennenden Schmerz, dem der Guineawurm seinen Ruf als „feurige Schlange“ verdankt. Die Beine des Kranken schwellen an. Blasen bilden sich. Aus ihnen schießen dann neue Larven – meist in dem Moment, wenn der Kranke gerade seine entzündeten Beine in einem Tümpel kühlt. Denn nur im Wasser kann der Wurmnachwuchs einen neuen Wasserfloh finden, in dessen Körper die Larven dann auf ihr nächstes Opfer warten.
Eine Medizin gegen den Parasiten haben Forscher noch nicht gefunden. Doch es gibt einen einfachen Weg, sich zu schützen: Wasserfilter, von denen UNICEF und andere Hilfsorganisationen im vergangenen Jahr 144000 allein im Norden Ghanas verteilt haben.
Einen, die „Filterpfeife“, trägt Adima ständig um den Hals. Das kleine Trinkrohr aus Plastik ist für den „Durst zwischendurch“ gedacht: Es enthält ein feinmaschiges Drahtnetz, das Wasserflöhen den Weg versperrt. Größere Mengen Tümpelwasser schüttet Adima zu Hause durch ein engmaschiges Nylontuch. So kann sie sicher sein, dass auch ihre Geschwister gefiltertes Wasser trinken.
Weil Adima und viele andere heute ständig diese Filter benutzen, hat der Guineawurm schon fast verloren. Vor 20 Jahren quälte er weltweit noch rund 3,5 Millionen Menschen, im vergangenen Jahr waren es nur noch 10600. Ein Riesenerfolg! Jetzt wollen die Hilfsorganisationen den Parasiten endgültig stoppen. Ingenieure bohren neue Brunnenlöcher, damit niemand mehr Tümpelwasser trinken muss. Ärzte und Freiwillige erklären den Menschen, wie sie sich schützen können. Adima hört den Experten stets aufmerksam zu. Wenn nämlich jeder mitmacht, ist die Zeit des Ekel-Wurmes in Ghana bald abgelaufen.
Mit freundlicher Genehmigung von GEOlino: Text: Sina Löschke; Fotos: Anna Lena Mutter
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