
Ihr Lächeln verliert Pout Nan auch dann nicht, als sie von den schlimmsten Wochen ihres Lebens erzählt. Nur die Augen der 13-Jährigen blicken noch etwas ernster. „Ich bin sehr froh, wieder zu Hause zu sein“, sagt das junge Mädchen. Ihre Mutter Reun Ny erzählt, wie alles anfing: „Im vergangenen Jahr war mein Mann sehr krank. Da kam eine Frau und sagte, sie könne uns ein Angebot machen, damit wir die Behandlung bezahlen können.“ Die Frau wollte Pout Nan. Sie sollte Bonbons verkaufen und 3.000 Bath im Monat bekommen - 75 Euro. Das ist viel mehr, als ihr Vater Pout Khay mit der Herstellung von Holzkohle verdiente. Die Eltern hatten plötzlich den Traum, dass ihr Leben und das der Kinder ein wenig leichter werden könnte.
Sechs Monate im Gefängnis
Pout Nan landete in dem auch von vielen Deutschen besuchten Ort Pattaya. Jeden Abend musste sie durch die Bars und Touristentreffs ziehen, um Bonbons zu verkaufen - manchmal bis drei Uhr nachts. Nie verdiente sie genug - nicht für die Menschenhändler und nicht für die Familie, die auf etwas Geld hoffte. Schließlich landete das Mädchen als illegale Einwanderin im Gefängnis. Eingesperrt mit Kindern und Erwachsenen - für ein halbes Jahr, ohne Kontakt zu den Eltern. Irgendwann lieferte die Polizei sie an der Grenze ab. Pout Nan verbrachte die erste Nacht in einem von UNICEF unterstützten Auffangzentrum und dann einige Wochen in einem Heim für Rückkehrerinnen.
Pout Nans Traum: Eine eigene Nähmaschine
Ihr Vater macht sich Vorwürfe: „Ich bin so froh, dass sie wieder da ist. Und sehr traurig, dass wir ihr das zugemutet haben. Aber wir wussten doch nicht, dass Pout Nan so leiden musste.“ „Wir hatten keine andere Wahl!“, sagt die Mutter. Denn immer wieder stand die Familie vor dem Nichts: Zuerst der Krieg und die Flucht in ein thailändisches Lager. Die Slums von Poipet waren die nächste Station, die Familie musste völlig neu anfangen. Pout Nan besucht jetzt eine der ersten von UNICEF eingerichteten Schulen in den Armensiedlungen. „Sie ist clever und kommt gut voran“, sagt ihr Lehrer. Irgendwann möchte Pout Nan ihren großen Wunsch verwirklichen: „Ich möchte Schneiderin werden. Eine eigene Nähmaschine - das wäre mein Traum!“