
Wir fahren mit dem Boot über den riesigen Kivusee. Alles ist größer im Kongo: die Wolken, der Himmel, der See, die Hügel und die Probleme. Bukavu, eine Stadt auf rotem Sand. Eine Million Einwohner. Ganz anders als der schwarze Vulkanstein von Goma. Wir gehen zum „Bureau pour le Volontariat au Service de l’Enfance et de la Santé“, einer Organisation, die ehemalige Kindersoldaten wieder integriert. Auch sie empfangen uns mit Gesang. Sie bedanken sich, dass wir gekommen sind, dass sie einen Platz zum Schlafen haben, dass man ihnen zu essen gibt und etwas anzuziehen. Ich spreche mit zwei Jungen, 15 und 16 Jahre alt. Beide waren fünf Jahre im Krieg, sehen sehr klein aus. „Das kommt von der Mangelernährung und davon, dass sie jahrelang Kalaschnikows getragen haben“, erklärt Matteo Frontini, UNICEF-Chef in Südkivu. Eine Kalaschnikow kostet im Kongo 25 Dollar. Frederic (Name geändert), einer der beiden, erzählt, dass er nicht weiß, wie viele Menschen er umgebracht und verletzt hat. Er hat eine Narbe am Schienbein von einer Kugel. Er ging freiwillig in den Krieg, weil ein Rebellengeneral seinen Onkel getötet hatte. Jetzt will er möglichst bald zurück zu seiner Familie und Geld verdienen. Wir gehen raus, vorbei an drei kleinen Hütten mit roh gezimmerten Bänken – drei Schulzimmern. An einer Tafel steht „Dessin d’expression“, Ausdruckszeichnen. Ich schaue einem Jungen über die Schulter. Er hat fünf Kalaschnikows in sein Heft gemalt und durchgestrichen. Und eine Blume. Am Abend rauche ich eine Zigarette, ich wollte eigentlich nicht rauchen.
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