
In der Ukraine breitet sich HIV sprunghaft aus: Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Infektionen mit dem tödlichen Virus verzwanzigfacht. 360.000 Menschen leben mit HIV, etwa jeder zehnte Infizierte ist ein Kind. Viele HIV-positive Kinder werden in Heime abgeschoben – obwohl ihre Krankheit sich im Alltag oft lange Zeit kaum bemerkbar macht. Besonders hoch ist die AIDS-Gefahr für Kinder, die aus Not von zu Hause weglaufen: Armut, Gewalt und Drogenmissbruch haben viele Familien zerbrechen lassen, immer mehr Kinder fliehen auf die Straße. UNICEF hilft, die Betreuung HIV-positiver Kinder in der Ukraine zum Beispiel durch Tagesstätten zu verbessern. Außerdem unterstützt UNICEF Aufklärungs- und Hilfsangebote für Straßenkinder.
Der soziale Umbruch in der Ukraine seit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion hat viele Familien in Not gestürzt. Jeder Dritte lebt unterhalb der Armutsgrenze. Gewalt in den Familien sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch nehmen zu. Besonders drogenabhängige Frauen sind in Gefahr, sich mit HIV zu infizieren und das Virus an ihr Baby weiterzugeben: Viele prostituieren sich, um zu überleben, und stecken sich bei einem Freier an. Drogenkonsum birgt auch für die wachsende Zahl der Straßenkinder enorme Gefahren. Rund 300.000 Kinder leben in der Ukraine ständig oder zeitweise auf der Straße, weil ihre Eltern kaum mehr für sie sorgen. Viele von ihnen nehmen Drogen, um Hunger und Kälte zu vergessen. In kleinen Gruppen spritzen sie sich einen Sud aus giftigen Pilzen, Schlaftabletten oder Mohnsamen, häufig mit nur einem gemeinsamen Spritzbesteck. Nach zwei Jahren auf der Straße sind zwei von drei Kindern und Jugendlichen HIV-positiv, so die Erfahrung von Sozialarbeitern.
Auch immer mehr junge Frauen außerhalb des Drogenmilieus sind HIV-positiv. Viele Schwangere ahnen nicht, dass sie sich zum Beispiel über ihren Partner infiziert haben. Oder sie lassen sich aus Angst nicht testen. Rund jede zehnte HIV-positive Schwangere gibt das Virus während der Geburt oder der Stillzeit an ihr Kind weiter. Dabei ist es UNICEF und der Regierung bereits gelungen, diese Rate deutlich zu senken – durch landesweite intensive Beratung und die Gabe spezieller virenhemmender Medikamente. Doch noch immer erhalten vor allem werdende Mütter aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu wenig Hilfe. Jede fünfte HIV-positive Schwangere gibt ihr Kind nach der Geburt ins Heim, weil sie sich mit der Betreuung überfordert fühlt. Die medizinische Versorgung HIV-positiver Kinder ist unzureichend. Und auf einen Platz in normalen Kindergärten oder Schulen haben diese Mädchen und Jungen bis heute keine Chance – die Vorurteile sind zu groß.
UNICEF richtet in Odessa im Süden und Dnjepopetrowsk im Osten der Ukraine zwei Tagesstätten für HIV-positive Kinder ein. Sozialarbeiterinnen unterstützen hier die Mütter in ihrem Alltag – bei gesundheitlichen Problemen, Behördengängen oder Fällen von Diskriminierung. Die Kinder nehmen an Spiel- und Lernangeboten teil. Tagesstätten sind eine große Erleichterung für die Familien HIV-positiver Kinder: Hier können sie endlich offen über ihre Situation sprechen und Kontakte zu anderen Betroffenen aufbauen. Rund 400 Kinder sollen über die neuen Einrichtungen erreicht werden. UNICEF schult zudem 120 Heimmitarbeiter, Sozialarbeiter, Ärzte und auch Eltern, wie sie HIV-positive Kinder angemessen betreuen und Vorurteilen entgegenwirken.
UNICEF arbeitet in der Ukraine mit lokalen Partnerorganisationen zusammen, die Straßenkindern eine Anlaufstelle bieten. Besonders setzt UNICEF sich dafür ein, die Kinder vor der AIDS-Gefahr zu warnen. Beispielsweise im Straßenkinderzentrum „Way Home“ in Odessa wird deshalb ein eigener Unterrichtsraum eingerichtet. Die Kinder erhalten hier Informationen, wie sie sich vor AIDS und anderen Krankheiten schützen. Aber auch Grundkenntnisse im Schreiben und Rechnen werden vermittelt. UNICEF entwickelt für Straßenkinder spezielles Informationsmaterial und schult jugendliche Freiwillige, die die Aufklärungsarbeit unterstützen. Rund 500 Mädchen und Jungen sollen in den Zentren und direkt auf der Straße erreicht werden. UNICEF unterstützt die Straßenkinderzentren zudem mit Erste-Hilfe-Ausrüstung und warmer Kleidung.
Datenschutz | Seite weiterempfehlen | Druckversion
© Copyright 2010 UNICEF Deutschland