

Auf den Philippinen werden zwischen 60.000 und 100.000 Kinder als Prostituierte ausgebeutet. In den letzten Jahren ist das Land zudem zu einer Drehscheibe für Kinderpornographie im Internet geworden. Besonders junge Mädchen vom Land sind in Gefahr. Gut organisierte Schlepper versprechen ihnen einen Job in der Stadt. Doch tatsächlich landen viele von ihnen im Rotlichtmilieu.
Mit deutschen Spenden möchte UNICEF in fünf Städten die Hilfsangebote für Mädchen ausbauen. Aufklärungs-kampagnen informieren Kinder und Eltern über die Gefahren, die im Internet lauern. UNICEF hilft zudem, gesetzlichen Schutz und Strafverfolgung zu verbessern - ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Ausbeutung und Missbrauch.
Fast 40 Prozent der Einwohner auf den Philippinen müssen mit weniger als umgerechnet einem US-Dollar pro Tag auskommen. Auf dem Land fehlt es an Einkommensmöglichkeiten. Besonders auf Inselgruppen wie Mindanao im Süden ist ein großer Teil der Familien von Armut betroffen. So haben Kinderhändler und ihre Mittelsleute in den Dörfern leichtes Spiel: Sie versprechen den Mädchen eine Arbeit als Kellnerin oder Hausangestellte in der nächsten Stadt und locken oft mit einem Vorschuss. Doch viele Mädchen landen im Sexgeschäft. Sie arbeiten nachts in Bars und Bordellen - oft halten die Besitzer sie jahrelang gefangen. Andere bieten ihren Körper in Hotelanlagen oder vor Einkaufszentren an. Viele Mädchen schämen sich und wagen es nicht, gegen die Täter vorzugehen. Hilfen gibt es kaum: Viele Polizisten sind schlecht ausgebildet, die Gesetze schwach.
Auch mit Hilfe von UNICEF ist es auf den Philippinen gelungen, das Thema Kinderprostitution aus der Tabuzone zu holen und konkrete Verbesserungen durchzusetzen. Tausende Kinder erhielten bereits die Chance auf einen Neubeginn. Doch die Herausforderung bleibt groß - so ist Kinderpornographie im Internet im Land zu einem enormen Geschäft geworden. Die Täter sind international gut vernetzt. Und kinderpornographische Fotos und Videos lassen sich extrem schnell und billig herstellen und verbreiten. Oft werden Kinder und Jugendliche in Internet-Cafés angesprochen und mit schnellem Geld als „Modell“ gelockt. Oder Erwachsene versuchen, direkt über Webseiten mit Kindern in Kontakt zu kommen. Erst langsam wächst das Bewusstsein für die Gefahren.
UNICEF möchte in den städtischen Zentren von Manila, Pasay, Quezon, Cebu sowie Davao 1.000 Kinder und Jugendliche mit Hilfsangeboten erreichen. So unterstützt UNICEF mit deutschen Spenden rund 15 Zentren, in denen Opfer sexuellen Missbrauchs medizinische und psychologische Hilfe finden. Gemeinsam mit Partnerorganisationen wie ECPAT schult UNICEF die Betreuer und sorgt für Bettwäsche und Medikamente. Die Mädchen können zur Schule gehen oder eine Ausbildung beginnen - zum Beispiel zur Köchin oder Sekretärin. UNICEF stellt dafür Schulmaterial bereit und bezahlt die für die Ausbildung notwendigen Geräte. Rechtsanwälte stehen den Opfern vor und während eines Prozesses bei.
UNICEF bereitet 400 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und lokalen Behörden darauf vor, an Schulen und in Gemeindezentren über die Gefahren sexueller Ausbeutung aufzuklären. Kinder lernen hier, Internet-Bekanntschaften nie ihre Adresse mitzuteilen. Die Eltern erfahren, dass sie Lockangeboten misstrauen sollten. UNICEF arbeitet zudem mit Internet- und Mobilfunkanbietern, Betreibern von Internet-Cafés und der Tourismus-Industrie zusammen. Sie sollen Kindesmissbrauch öffentlich anprangern und die Ermittlungen gegen Verdächtige unterstützen.
In den Projektregionen gibt es rund 300 Polizistinnen und Polizisten, die speziell für Frauen und Kinder zuständig sind. UNICEF schult sie darin, missbrauchte Kinder und Jugendliche sensibel zu befragen und wichtige Beweise zu sichern. UNICEF setzt sich zudem dafür ein, die Gesetze gegen Kindesmissbrauch und Internet-Pornographie deutlich zu verschärfen.