
Extremer Wassermangel prägt den Alltag der meisten Menschen in der sudanesischen Provinz Kordofan. Über die Hälfte der ländlichen Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. In den vergangenen Jahren ist durchschnittlich nur die Hälfte des ohnehin geringen Niederschlags in der Region gefallen. Viele Wasserstellen, von denen die Menschen in Kordofan abhängen, sind ausgetrocknet. Die wiederkehrenden Dürrekatastrophen sowie der seit Jahrzehnten anhaltende Bürgerkrieg lassen immer wieder die Wasserversorgung zusammenbrechen. Es mangelt an Geld, Ersatzteilen und Fachkräften, um Wassersysteme regelmäßig zu warten. Verunreinigtes Wasser und fehlende sanitäre Anlagen begünstigen die Ausbreitung lebensgefährlicher Krankheiten. Durchfall ist eine der Haupttodesursachen von Kindern im Sudan. UNICEF weitet deshalb sein erfolgreiches Wasserprogramm aus.
Auf dem Land sind die Bewohner überwiegend auf offene Wasserstellen angewiesen, wie Tümpel, Flüsse, handgegrabene Brunnen. Typische Wasserreservoire sind zudem die „Hafire“, große künstlich angelegte Bassins, die sich nur in der Regenzeit füllen. Diese Wasserstellen sind oft nur ungenügend geschützt. Leicht gelangen Rückstände aus der Landwirtschaft oder Fäkalien von Mensch und Tier ins Wasser.
Verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene verursachen bei Kindern zahlreiche Krankheiten, wie Durchfall, Malaria, Wurmerkrankungen, Haut- und Augenentzündungen. 40 Prozent der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren sind im Sudan auf Durchfallerkrankungen zurückzuführen. Besonders gefährlich ist der Guinea-Wurm: Dieser im Wasser lauernde Parasit ruft lang andauerndes Fieber, große Gelenkschmerzen und Lähmungen hervor. Vier von fünf aller weltweit auftretenden Fälle der Guinea-Wurm-Erkrankung werden aus dem Süden des Landes gemeldet.
Traditionell müssen die Frauen und Kinder das Wasser für die gesamte Familie heranschaffen - häufig über sehr weite Entfernungen. Während der langen Trockenzeit benötigen sie dafür täglich vier bis acht Stunden. Diese körperliche Anstrengung kostet viel Kraft. Und gerade Mädchen fehlt darüber hinaus oft die Zeit, eine Schule zu besuchen.
In den vergangenen Jahren ist es mit Unterstützung von UNICEF gelungen, jährlich zusätzlich 350.000 bis 450.000 Menschen im Sudan mit sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen zu versorgen. Allein in Kordofan sollen nun weitere 60.000 Einwohner von dem UNICEF-Projekt profitieren.
Um die Wasserversorgung der oft sehr abgelegenen Siedlungen auch in Trockenzeiten sicherzustellen, legt UNICEF über 100 neue Bohrlöcher an und rüstet sie mit Handpumpen aus. Weitere 100 Pumpen werden repariert und gewartet. UNICEF bevorzugt einfache Handpumpen, die leicht instand zu halten sind, denn jedes Dorf muss die Wartung der Wasseranlagen selbst übernehmen. Für das Wartungsteam bildet UNICEF Freiwillige zu Mechanikern aus, insbesondere Frauen werden hierfür angesprochen. Weil sie im Alltag für die Wasserbeschaffung verantwortlich sind, sind sie am stärksten am reibungslosen Betrieb der Pumpe interessiert.
Mit dem Bau von Latrinen für Privathaushalte und Schulen trägt UNICEF dazu bei, die hygienischen Verhältnisse der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. Darüber hinaus fördert UNICEF die Gründung von Gesundheitskomitees. Dafür schult UNICEF Frauen und Männer, die die Dorfbewohner über wichtige Hygienemaßnahmen und über die Vorbeugung vor der gefährlichen Guinea-Wurm-Erkrankung aufklären. Sie informieren über Impfungen und die Behandlung von Durchfall mit Oralem Rehydratationssalz (ORS), einer einfachen Zucker-Salz-Lösung, die die Austrocknung des Körpers verhindert. Diese Aufklärung, verbunden mit der Verbesserung der Wasserqualität, hat dazu geführt, dass in Nordkordofan zuletzt bereits keine Fälle der Guinea-Wurm-Erkrankung mehr aufgetreten sind.
Im UNICEF-Spendenshop spenden Sie ganz konkrete Hilfsgüter - zum Beispiel eine Wasserpumpe.
