
Gewalt gegen Kinder gibt es in allen Ländern – auch bei uns. Für Millionen Mädchen und Jungen gehört sie zum Alltag. Sie beeinträchtigt ihre gesamte Entwicklung. Trotzdem ist sie sehr oft hinter einer Mauer des Schweigens verborgen.
Der UNICEF Report 2011 will die Augen öffnen für alltägliche Gewalt. Gemeinsam mit der UN-Sonderbeauftragten zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais, dokumentieren internationale Experten die unterschiedlichen Dimensionen von Gewalt. Sie zeigen auch wirksame Strategien für einen besseren Kinderschutz auf. Kinder vor Gewalt zu schützen, sichert ihre Menschenrechte und ihre Würde. Kinder sind dann am besten geschützt, wenn ihr Umfeld ihre Rechte respektiert und fördert. Hier finden Sie Zusammenfassungen einiger Beiträge aus dem UNICEF-Report 2011 im Überblick. Der gesamte Bericht mit weitere Beiträgen und umfassenden Statistiken ist als Buch im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.
Videos von Jugendlichen zum Thema Gewalt | Armut und Gewalt - Kinder in den ärmsten Ländern
Der Einsatz von Kindern als Soldaten ist weltweit geächtet. Ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention verbietet den Kriegseinsatz von Jugendlichen unter 18 Jahren. In diesem Jahr wird es zehn Jahre alt. Dennoch dienen nach wie vor schätzungsweise 250.000 Kinder in bewaffneten Gruppen und Armeen. Mehr
30.6.2011 - Alltägliche Gewalt gegen Kinder wird nach Einschätzung von UNICEF bis heute weltweit unterschätzt und verdrängt. Nur in 29 von rund 200 Staaten ist sie vollständig verboten. Auch in Ländern wie Deutschland bleibt sie eine traurige Realität für viele Kinder – obwohl das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung gesetzlich festgeschrieben ist. Mehr
von Orlando Bloom, Internationaler UNICEF-Botschafter
Wie wird aus einem Kind eine offene und vertrauensvolle Persönlichkeit? Wie entwickelt ein Kind Selbstbewusstsein? Wie lernt es, sich für andere verantwortlich zu fühlen? Es ist klar, dass vor allem die Menschen, die dem Kind am nächsten stehen, die Entwicklung seines Charakters prägen. Die Qualität der Beziehungen zu unseren Eltern und Geschwistern, zu Lehrern, Nachbarn und Freunden legt den Grundstein dafür, wie wir später in unserem Leben mit Problemen und Herausforderungen umgehen. Mehr
Marta Santos Pais, UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder
Das tatsächliche Ausmaß der Gewalt gegen Kinder ist kaum bekannt. Meist geschieht sie im Verborgenen. Systematische Datenerhebungen fehlen bis heute. Die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais, skizziert die globalen Dimensionen des Problems. Mehr
Sebastian Sedlmayr, Leiter Kinderrechte und Bildung, UNICEF Deutschland
Der Schutz von Kindern vor physischer und psychischer Gewalt kann am besten gewährleistet werden, wenn sowohl das Umfeld die Rechte des Kindes umfassend respektiert als auch das Kind selbst seine Rechte kennt und zu verteidigen weiß. Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes dazu verpflichtet, die Kinderrechte in allen Bereichen der Gesellschaft zu stärken. Doch ein angemessener Gesamtrahmen zur Umsetzung fehlt bis heute. Mehr
Maud de Boer-Buquicchio, Stellvertretende Generalsekretärin des Europarates
Sexuelle Gewalt ist die am wenigsten sichtbare und am wenigsten beachtete Form der Gewalt gegen Kinder. Nur ein sehr geringer Anteil solcher Taten wird zur Sprache gebracht. Lediglich in jedem zehnten Fall wird das Jugendamt informiert. Auswertungen verfügbarer Daten durch den Europarat legen nahe, dass etwa eines von fünf Kindern in Europa in irgendeiner Weise Opfer sexueller Gewalt wird. Sie werden zum Objekt sexueller Handlungen oder müssen diese an anderen vornehmen. Sie werden zur Prostitution gezwungen oder für pornografische Aufnahmen missbraucht. Mehr
Markus Löning, Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe
Wer sich für den Schutz der Rechte von straffälligen Kindern und Jugendlichen einsetzt, sieht sich rasch dem Vorwurf ausgesetzt, den Schutz der Gesellschaft zu vernachlässigen. Dabei sind faire Verfahren und menschenrechtskonforme Behandlung kein Selbstzweck: Sie sind Teil der Heranführung an die Normen der Gesellschaft. Es geht also beim Umgang mit minderjährigen Straftätern, die oft selbst am Rand der Gesellschaft leben, immer auch um Erziehung und Zukunftsperspektiven. Mehr
Claudia Lampert, Wissenschaftliche Referentin, Hans-Bredow-Institut für Medienforschung
Kinder und Jugendliche in den Industrieländern nutzen intensiv neue Medien. Über soziale Netzwerke wie Facebook, Wikis oder Weblogs tauschen sie sich aus und werden selbst zum „Sender“. Gleichzeitig bietet das Internet einen fast undurchschaubaren Fundus an Gewaltdarstellungen. Die zunehmende Vernetzung und Verweisstrukturen („ähnliche Videos“) vervielfältigt die Möglichkeiten, hiermit in Kontakt zu kommen. Mehr
Jörg. M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Ulm
Als Reaktion auf die 2010 bekannt gewordenen zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch in Schulen und Einrichtungen hat die Bundesregierung einen Runden Tisch zu diesem Thema eingerichtet. Gleichzeitig nahm eine telefonische Anlaufstelle ihre Arbeit auf. Hier konnten Betroffene ihre Anliegen „frei“ vorbringen – für viele das erste Mal in ihrem Leben. Mehr
Gewalt hat viele Gesichter: Das obdachlose Kind, das verprügelt und weggejagt wird. Das Kind, das im Krieg aufwächst. Das Mädchen, das sich prostituieren muss. Viel zu oft bleibt Gewalt aber auch unsichtbar: Weltweit erleiden Millionen Kinder in ihren Familien, in Schulen oder im Heim körperliche und seelische Verletzungen. Es ist leicht, wegzusehen – auch, weil das Unvorstellbare, Grausame unsere Schmerzgrenzen überschreitet.
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