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Das Schweigen brechen – Erfahrungen mit der telefonischen Anlaufstelle zu sexuellem Missbrauch


Jörg. M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universitätsklinikum Ulm

Als Reaktion auf die 2010 bekannt gewordenen zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch in Schulen und Einrichtungen hat die Bundesregierung einen Runden Tisch zu diesem Thema eingerichtet. Gleichzeitig nahm eine telefonische Anlaufstelle ihre Arbeit auf. Hier konnten Betroffene ihre Anliegen „frei“ vorbringen – für viele das erste Mal in ihrem Leben.

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie /Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm  begleitet die Arbeit der Anlaufstelle und wertete allein bis November 2010 Tausende Anrufe systematisch aus.

Danach fand Missbrauch in 34 Prozent der Fälle ausschließlich in Institutionen statt. Weitere 8 Prozent der Anrufer berichteten von Missbrauch in einer Institution und zusätzlich in einem anderen Zusammenhang. Damit standen 42 Prozent der berichteten Fälle in Bezug zu einer Institution.

31,4 Prozent dieser institutionellen Fälle fanden im Kontext katholischer Einrichtungen statt, 11,8 Prozent im Kontext evangelischer Einrichtungen. 24 Prozent der berichteten Fälle fanden in Schulen statt, 21,7 Prozent in Heimen und 7,4 Prozent in medizinischen Einrichtungen.

Das dringlichste Anliegen der Anrufer war der Wunsch nach Therapie- und Beratungsangeboten. Sehr wichtig war auch die Frage nach der Aufhebung der Verjährungsfristen und Entschädigungen. Die Anrufer wünschen sich auch bessere Aufklärung und Information. Es geht ihnen darum, Tabus zu durchbrechen und dafür zu sorgen, dass das ihnen widerfahrene Leid endlich anerkannt wird.

 

Korrigendum

Auf Seite 93 des UNICEF-Reports 2011 „Kinder vor Gewalt schützen“ heißt es fälschlicherweise:
„Jörg M. Fegert ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm. Er übernahm die wissenschaftliche Betreuung der telefonischen Anlaufstelle der Katholischen Kirche für Opfer des sexuellen Missbrauchs.“

Richtig müsste es heißen:
„Jörg M. Fegert ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm. Er übernahm die wissenschaftliche Begleitung der Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten gegen sexuellen Kindesmissbrauch der Bundesregierung Deutschland.“

Wir bitten um Entschuldigung für diesen Fehler.

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