Claudia Lampert, Wissenschaftliche Referentin, Hans-Bredow-Institut für Medienforschung
Kinder und Jugendliche in den Industrieländern nutzen intensiv neue Medien. Über soziale Netzwerke wie Facebook, Wikis oder Weblogs tauschen sie sich aus und werden selbst zum „Sender“. Gleichzeitig bietet das Internet einen fast undurchschaubaren Fundus an Gewaltdarstellungen. Die zunehmende Vernetzung und Verweisstrukturen („ähnliche Videos“) vervielfältigt die Möglichkeiten, hiermit in Kontakt zu kommen.
Bei Umfragen gaben ein Viertel der Kinder und Jugendlichen an, schon einmal im Internet mit gewalthaltigen Inhalten konfrontiert gewesen zu sein. Jungen kommen dabei eher in diese Situation als Mädchen. Die Kontakte nehmen mit steigendem Alter und der Ausweitung der Online-Nutzung zu.
Knapp ein Fünftel aller europäischen Kinder haben in den letzten zwölf Monaten Erfahrungen mit Mobbing gemacht – zumeist auf dem Schulhof, aber zunehmend auch als Cyberbullying im Netz. 5 Prozent berichten, dass sie solche Erlebnisse auf einer sozialen Netzwerkseite gemacht haben, 3 Prozent über das Versenden verletzender Botschaften und Bilder über das Handy. 12 Prozent haben ihrerseits jemanden in den letzten zwölf Monaten schikaniert. 3 Prozent nutzten hierzu das Internet, 2 Prozent das Handy.
Meist werden die Opfer zunächst „offline“ attackiert. Doch der Anteil der Opfer von Online-Mobbing, die bisher keine Erfahrungen mit Mobbing hatten, nimmt zu. Das bedeutet: Cyberbullying zieht weitere Kreise.
Insgesamt ist eine deutliche Zunahme von aggressiven Online-Verhaltensweisen zu beobachten. Vor diesem Hintergrund sind vor allem präventive und pädagogische Ansätze notwendig, um Kinder und Jugendliche im Umgang mit problematischen Situationen zu stärken.
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