Marta Santos Pais, UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder
Das tatsächliche Ausmaß der Gewalt gegen Kinder ist kaum bekannt. Meist geschieht sie im Verborgenen. Systematische Datenerhebungen fehlen bis heute. Die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais, skizziert die globalen Dimensionen des Problems:
Gewalt geschieht oft im Verborgenen
Gewalt findet in allen Zusammenhängen statt – auch dort, wo Kinder ein sicheres Umfeld und besonderen Schutz erwarten: in Betreuungseinrichtungen, Schulen oder in Familien. Viele Kinder werden traumatisiert, weil sie Zeuge häuslicher Gewalt werden. Sie sind oft so eingeschüchtert, dass sie es nicht wagen, darüber zu sprechen. Insbesondere jüngere Kinder sind gefährdet, da sie noch nicht in der Lage sind, sich deutlich auszudrücken und Hilfe zu suchen.
In Schulen begegnet Kindern häufig Gewalt – und sie erlernen sie auch dort. Kämpfe auf dem Schulhof, Beschimpfungen und Demütigungen sind weit verbreitet. Mobbing und körperliche Angriffe richten sich oft gegen Schwächere oder Kinder, die als “anders” wahrgenommen werden. In einigen Ländern ist sexueller Missbrauch durch Lehrkräfte und andere Schulangestellte so weit verbreitet, dass dafür der Ausdruck “Sex für Noten” entstanden ist.
Mädchen sind besonderen Gefahren ausgesetzt. Ehrenmorde, Genitalverstümmelungen sowie Zwangs- und Kinderheiraten sind in vielen Entwicklungsländern weiter verbreitet. Jedes Jahr sterben allein 70.000 Teenager an den Folgen einer zu frühen Schwangerschaft.
Wie sehr sich Heranwachsende vor Gewalt fürchten, zeigen Umfragen. Bei einer Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission nannten die 15- bis 18-Jährigen Gewalt gegen Kinder sowie sexuelle Ausbeutung als die schwerwiegendsten Probleme. Kindernotrufe bestätigen dies: Der jüngste Bericht von “Child Helpline International” ergab, dass Mobbing, körperliche Gewalt und sexueller Missbrauch die häufigsten Gründe für die Kontaktaufnahme waren.
Gewalt hat lebenslange Folgen
Gewalt verletzt in dem Moment, in dem sie geschieht, hinterlässt aber auch tiefe Narben und hat lebenslange Folgen. Sie beeinträchtigt die gesamte Entwicklung des Kindes, seine Lernfähigkeit und die schulischen Leistungen. Gewalt behindert positive Beziehungen, führt zu einem geringen Selbstwertgefühl und psychischem Leid wie Depression. Oft entwickeln die Opfer Verhaltensprobleme wie starkes Risikoverhalten oder Aggressivität.
Gewalt bedeutet auch hohe Kosten für die gesamte Gesellschaft. Nach Angaben der Europäischen Union entstehen innerhalb der Mitgliedsstaaten durch häusliche Gewalt jedes Jahr Ausgaben in Höhe von 16 Milliarden Euro.
Strategie gegen Gewalt
Die UN-Sonderbeauftrage zu Gewalt gegen Kinder setzt sich besonders für drei Ziele ein:
Helfen Sie mit, dass Kinder gesund und sicher aufwachsen und zur Schule gehen können. Danke!
Online SpendenUNICEF Deutschland
Konto 300 000
BLZ 370 205 00
Bank für Sozialwirtschaft Köln