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Abdile hält die Hand seines schlafenden Kindes | Foto: ©UNICEF/Kenya/2011/Tidey

 

Adens Kraft gibt mir Hoffnung“

Bericht von Chris Tidey, UNICEF-Mitarbeiter im kenianischen Dadaab.

3. August 2011

Ich bin seit mehreren Wochen in Dadaab und habe schon viele Familien getroffen. Immer wieder bin ich beeindruckt von der Willensstärke und Kraft der Flüchtlinge hier. Aber kein Schicksal hat mich so bewegt wie die Begegnung mit Abdile und seinem Sohn Aden.

Vor Wochen schon hatte Abdile zusammen mit seiner Familie sein Heimatdorf in Somalia verlassen. Das letzte Vieh war gestorben, die Brunnen längst ausgetrocknet. Abdile und seine Frau machten sich gemeinsam mit ihren vier Kindern und der Großmutter auf den langen, beschwerlichen Weg nach Kenia, um dort Wasser und Nahrung zu finden. Abdiles Frau überlebte den Marsch durch die heiße Wüste nicht: Sie starb an Erschöpfung.  Von Trauer überwältigt, zwang sich Abdil, seine tote Frau zurückzulassen und weiter Richtung Kenia zu laufen.  Wenigstens seine Kinder sollten überleben, das hätte auch seine Frau so gewollt. Doch auch die Kinder wurden zusehends schwächer.  Abdile trug zeitweise drei von ihnen gleichzeitig auf seinem Rücken, um überhaupt vorwärts zu kommen.

Nach 25 Tagen schließlich erreichten sie das Auffanglager Dadaab an der Grenze zu Kenia.  Zu diesem Zeitpunkt war Aden, sein jüngster Sohn, extrem ausgezehrt. Der Dreijährige war so schwach, dass er seinen Kopf nicht mehr alleine hochhalten konnte.  Er wurde sofort ins Ernährungszentrum gebracht – hier lernte ich die Familie kennen. Die Ärzte dachten nicht, dass Aden überleben würde.

Aden geht es langsam besser

Das war vor zwei Wochen. Aden lebt. Und es geht ihm sogar schon ein wenig besser. Da er bei seiner Ankunft nicht mehr schlucken konnte, wurde er rund um die Uhr mit einer angereicherten Spezialmilch gefüttert. Inzwischen kann Aden schon eine nahrhafte Erdnusspaste zu sich nehmen. Jedes Mal, wenn ich ihn besuchen komme, ist sein Vater an seinem Bett. Ärzte erzählten mir, dass Abdile rund um die Uhr bei seinem Sohn ist.  Voller Liebe und Fürsorge kümmert er sich um ihn, hält ihm die Hand,  trägt ihn, spricht mit ihm. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich die beiden zusammen sehe.

Jetzt wiegt Aden schon über sechs Kilo – ein ganzes Kilo mehr als bei seiner Ankunft. Er ist natürlich noch sehr schwach. Aber immerhin kann er jetzt schon ein paar Sekunden lang stehen. Und bei meinem letzten Besuch schaffte er es sogar, mich anzulächeln.

Es sind Momente wie diese, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.   Begegnungen wie mit Abdile und Aden zeigen mir, wie wichtig unsere Hilfe ist. Sie geben mir Hoffnung und Mut, dass wir trotz der großen Herausforderungen, mit denen wir täglich kämpfen, Leben retten. 

Jeden Tag kommen über 1.000 somalische Flüchtlinge in Dadaab an; der Großteil von ihnen sind Frauen und Kinder.  Alleine im Juni wurden in Dadaab 6.000 mangelernährte Kinder, die neu angekommen waren, registriert. UNICEF ist der Hauptlieferant von therapeutischer Zusatznahrung für Kinder in Ostafrika und versorgt auch das Lager in Dadaab mit angereicherter Milch und nahrhafter Erdnusspaste. UNICEF hat zudem bereits große Mengen Zusatznahrung in die betroffenen Regionen in Südsomalia gebracht. 66.000 mangelernährte Kinder werden hier bereits behandelt. In den kommenden Wochen will UNICEF insgesamt 360.000 mangelernährte Jungen und Mädchen versorgen.

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