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Hunger in Ostafrika

"Solidarität und Spendenbereitschaft der Deutschen sind sehr groß"

Interview mit Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, zur internationalen Hilfe in Ostafrika

Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland | Foto: UNICEF/Vielz
Dr. Jürgen Heraeus


Hilfe für die Hungernden am Horn von Afrika – ist ein Ende der Katastrophe und des Sterbens absehbar?

Heraeus: Die internationale Hilfe läuft und wird weiter ausgebaut. Hunderttausende Kinder sind bereits seit Monaten chronisch mangel- und unterernährt. Sie sind sehr geschwächt und von Krankheiten und Seuchen bedroht. Zehntausende Kinder sind bereits gestorben. Um die Situation zu stabilisieren, werden Millionen Menschen am Horn von Afrika mindestens bis zum Ende des Jahres auf Nahrungsmittelhilfe von außen angewiesen sein. Es geht akut darum, Leben zu retten. Wichtig ist aber auch, dass die Bauern nach Ende der extremen Dürreperiode im Herbst in die Lage versetzt werden, schnell wieder Nahrungsmittel anzubauen. Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden sich selbst zu versorgen, damit sich eine solche Krise nicht wiederholt.

 

Steht für die Hilfe inzwischen genügend Geld aus dem Ausland zur Verfügung?
Die internationale Gemeinschaft hat erhebliche Mittel mobilisiert. Das ist sehr beeindruckend. Allein um Somalia zu helfen, werden etwa eine Milliarde US-Dollar benötigt. Dafür gibt es internationale Zusagen mit einem Volumen von bisher 510 Millionen Euro. Was die anderen betroffenen Länder angeht, sieht es ähnlich aus. Etwa die Hälfte der notwendigen Gelder für die nächsten Monate steht zur Verfügung. Angesichts der politischen Unsicherheit in Somalia und der fehlenden Infrastruktur auch in anderen betroffenen Ländern ist jetzt die große Herausforderung, das Geld in kurzer Zeit in konkrete Hilfe umzuwandeln. UNICEF hat zum Beispiel allein im Süden von Somalia 500 einfache Ernährungszentren eingerichtet.

 

Wie groß ist die Spendenbereitschaft der Deutschen?
Wir sind positiv überrascht. Solidarität und Spendenbereitschaft der Deutschen sind sehr groß. Allein für die UNICEF-Hilfe am Horn von Afrika wurden bisher über 11 Millionen Euro gespendet. Das ist ein echter Beitrag, wenn man sich überlegt, dass mit 50 Euro ein schwer mangelernährtes Kind einen Monat lang versorgt werden kann. Die Bundesregierung hat leider relativ spät reagiert. Jetzt aber gibt es erhebliche Hilfszusagen. Das begrüßen wir. Lange war die Region am Horn von Afrika nicht ausreichend im Fokus der deutschen und der internationalen Politik. Dass ein riesiges Flüchtlingslager wie Dadaab bereits seit 20 Jahren existiert und heute die Dimension einer riesigen Stadt hat, zeigt doch, dass man lange weggeschaut hat.

 

Wie viel Verantwortung trägt die Politik für die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika?
Die Krise hat viele Ursachen. Am Horn von Afrika häufen sich in Folge des Klimawandels extreme Wetterereignisse – Dürrephasen mit extremen Regenfällen und Überflutungen. Diese haben das Wirtschaften für die Bauern viel schwerer gemacht. Hinzu kommen die weltweit stark gestiegenen Lebensmittelpreise – oft durch Spekulationen befördert. Und das Bevölkerungswachstum lässt Ressourcen und Nahrungsmittel noch knapper werden.

Quelle: Ruhr Nachrichten vom 20.08.2011

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