11.08.2011
Mangelernährung ist in Somalia und einigen anderen Ländern Afrikas tägliche Realität. Nun kommt die Dürre hinzu, und es ist sehr schwierig für die Menschen, an Nahrung und Trinkwasser zu kommen und für die Familien, sich um ihre Kinder zu kümmern, damit sie nicht krank werden.
UNICEF-Mitarbeiterin Alexandra Rosetti hat mit Peter Hailey, Leiter der Ernährungsprogramme von UNICEF Somalia, gesprochen.
Wie kommt es zu akuter Mangelernährung?
Peter Hailey: Akute Mangelernährung kann verschiedene Ursachen haben. Das Kind bekommt nicht genügend zu essen oder nicht ausreichend nahrhaftes Essen, oder aber das Kind hat Durchfall oder hohes Fieber. Und dann beginnt eine fatale Abwärtsspirale und die Mangelernährung wird immer akuter.
Was wird benötigt, damit diese Kinder überleben können?
Seit einigen Jahren behandeln wir akut mangelernährte Kinder mit einer nährstoffhaltigen Erdnusspaste, die direkt verzehrt werden kann. Kinder können damit sehr schnell wieder auf die Beine kommen.
Werden sie wieder ganz gesund oder bleiben Schäden?
Sie können zwar die Mangelernährung an sich überwinden, jedoch werden die Kinder unter manchen Folgen ihr ganzes Leben leiden. Vor allem die Kinder der Mädchen, die jetzt mangelernährt sind, werden die Langzeitfolgen der jetzigen Hungerkrise und Mangelernährung zu spüren bekommen.
Vermutlich kommt es auch auf das Alter der Kinder an?
Richtig, die zwei ersten Lebensjahre eines Kindes sind entscheidend. Das heißt, dass akute Mangelernährung bei einem Kind unter zwei Jahren über seine Zukunft bestimmt. In Somalia ist ausschließliches Stillen – die beste Ernährung für die ersten Lebensmonate − sehr wenig verbreitet. Mütter stillen ihre Kinder zwar lange, aber sie ergänzen mit Kuhmilch, Tee oder Wasser.
Glücklicherweise hören wir immer wieder von Kindern, die sich unverhofft schnell erholt haben. Können Sie Beispiele nennen?
Es gibt nichts Schöneres, als solche Wunder zu erleben: man sieht das Kind in ein Ernährungszentrum kommen, es ist apathisch und ausgezehrt. Wir alle haben diese traurigen Kindergesichter schon gesehen. Aber innerhalb von zwei oder drei Tagen, sieht man – dank der bewährten Behandlung, die sie von UNICEF erhalten – wie Leben in den ausgezehrten Körper zurückkehrt. Innerhalb von zwei bis drei Wochen aber kann man sehen, wie das Kind wieder wie vorher aussieht. Deswegen mache ich diesen Job schon seit 20 Jahren!
Wie sehen die UNICEF-Programme im Süden von Somalia aus?
UNICEF unterstützt in Somalia mittlerweile rund 500 Ernährungszentren zur Behandlung von akuter Mangelernährung. Doch im Rahmen der Nothilfe bauen wir immer mehr mobile Teams auf und bilden lokale Gesundheitshelfer aus, um möglichst viele Kinder zu erreichen. Außerdem fördern wir stark das Stillen und stellen Zusatznahrung für Kleinkinder bereit.
Wir brauchen jedoch sehr viel mehr Hilfsgüter und wir sind gerade dabei, alles massiv aufzustocken.
Was sind die größten Hürden, um alle Kinder im Land zu erreichen?
Al-Shabaab ist eine Herausforderung, denn sie sind misstrauisch gegenüber jeglicher Hilfe, die von außen kommt. Aber dank unserer langjährigen Arbeit und Präsenz im Land wird unsere Hilfe von den Menschen angenommen. Auch wir stoßen manchmal auf Widerstände, aber in den meisten Fällen können wir die Menschen erreichen. Man muss auch wissen, dass die Menschen in Somalia aufgrund der Dürre zum Teil in ländlichen Gebieten sehr verstreut leben. Hinzu kommt, dass Landminen und die anhaltenden Kämpfe zusätzlich unsere Arbeit erschweren.
Wie sieht die mittel- und langfristige Hilfe von UNICEF in Somalia aus?
Somalia befindet sich seit 20 Jahren in einer Krisensituation und die instabile politische Situation macht es schwer, ein Land widerstandsfähiger zu machen. Alle zwei bis drei Jahre kommt eine schwere Dürre und es ist schwierig, fachliche Expertise im Land zu etablieren. Aber unsere Nothilfe ist darauf ausgerichtet: Zum Beispiel gehen wir im Bereich der Wasserversorgung strategisch vor und versuchen zu antizipieren, wohin die Menschen kommen werden, wenn Dürre herrscht und eine Hungerkrise ausbricht. Zur Zeit jedoch sind es so unfassbar viele Menschen, die Hunger leiden und dringend Nothilfe benötigen, dass wir vor ganz besonders großen Herausforderungen stehen.
Bringt der Fastenmonat Ramadan zur Zeit besondere Herausforderungen mit sich?
Zum einen gibt es leider mehr Konflikte während des Fastenmonats und die Nahrungsmittelpreise steigen noch weiter an. Auf der anderen Seite hat der Ramadan aber auch einen positiven Effekt, denn die Solidarität unter den Menschen ist dann eindeutig größer.
Bitte unterstützen Sie UNICEF mit einer Spende für die Nothilfe in Ostafrika – vielen Dank!
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