
Es war eine schwere Entscheidung. Doch zum Schluss blieb Hawa Issak nichts anderes übrig, als ihre Heimat zu verlassen. Die anhaltende Dürre im südlichen Somalia hatte ihre Ernte zerstört; ihr Mann hatte sich bereits vor Monaten auf den Weg gemacht. Gemeinsam mit sechs Nachbarsfamilien brach die hochschwangere Hawa auf ins benachbarte Kenia – zu Fuß.
Die 21jährige lief unglaubliche 420 Kilometer bis zur Grenze. 28 Tage lang kämpfte sie sich durch Staub und Hitze bis nach Dadaab auf der kenianischen Seite. Dadaab, ursprünglich ein kleines Dorf, ist seit den neunziger Jahren zum größten Flüchtlingslager der Welt angewachsen. Fast 400.000 Menschen drängen jetzt sich in dem Lager, das ursprünglich für gerade einmal 90.000 geplant war.
Die Situation in Dadaab ist schlimm. Im Lager weht ein starker, staubiger Wind, der einem den Atem nimmt. Tierkadaver liegen verstreut in vertrockneten Büschen. Die Gesichter der Kinder sind von einer Staubschicht bedeckt. Fast alle Flüchtlinge leben in selbstgebauten Zelten. Sie kämpfen ums tägliche Überleben. Jede Woche kommen rund 10.000 neue Menschen in das von der Weltflüchtlingsorganisation geleitete Lager. Durch den massiven Zustrom haben sich die Lebensbedingungen hier noch weiter verschlechtert, wenn dies überhaupt möglich war. Es fehlt an allem – Nahrung, Wasser, Latrinen.
Insgesamt sind von der schweren Dürre am Horn von Afrika über 10 Millionen Menschen betroffen. Am meisten leiden die Kinder: Über zwei Millionen sind mangelernährt, davon 500.000 so schwer, dass sie unmittelbar vom Tod bedroht sind, wenn sie nicht sofort Hilfe bekommen.
UNICEF stellt therapeutische Zusatznahrung für die Kinder bereit. Schwer unterernährte Kinder werden in den ersten Tagen mit therapeutischer Milch wieder zu Kräften gebracht. Danach wird die Milch durch Plumpy Nut, eine proteinreiche Erdnusspaste ersetzt. Doch für einige Kinder kommt jede Hilfe zu spät: allein letzte Woche starben sechs Babys.
Doch es gibt auch gute Nachrichten. Kurz nach ihrer Ankunft in Dadaab hat Hawa einen gesunden Sohn entbunden. Sie hat ihn Ibrahim genannt. „Ich werde dafür sorgen, dass er überlebt“, sagt Hawa.
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