
16.09.2011
Der kleine Junge lacht und quietscht, während er immer wieder im Kreis um seinen Vater rennt. Mit großen Augen schaut er neugierig in die Kamera – und grinst. Es ist kaum zu glauben: Der quirlige Knirps ist Aden; das Flüchtlingskind aus Somalia, dessen Geschichte vor wenigen Wochen so viele Menschen berührt hat.
Rückblick: Im Juli wird Aden ins UNICEF-Ernährungszentrum in Dadaab eingeliefert. Der dreijährige Junge ist schwerst mangelernährt. Zusammen mit seinem Vater, seiner Großmutter und seinen drei Geschwistern war er aus dem südsomalischen Heimatdorf nach Kenia geflohen – seine Mutter hatte den wochenlangen beschwerlichen Marsch durch Wüste und Hitze nicht überlebt. Auch Aden steht kurz vor dem Tod. Er ist zu schwach, um seinen Kopf zu heben, sein Blick geht ins Leere.
Die Ärzte füttern Aden über eine Sonde mit angereicherter Spezialmilch. Als er nach einigen Tagen wieder schlucken kann, bekommt er nahrhafte Erdnusspaste. Aden nimmt zu. Nach knapp zwei Wochen kann den Kopf heben, er beginnt, sich wieder für seine Umgebung zu interessieren. Einige Sekunden kann er sogar auf seinen Beinchen stehen. Doch das Essen fällt ihm noch schwer. Die Behandlung geht weiter.
Während dieser Zeit weicht sein Vater nicht von seiner Seite. Abdile ist der einzige Vater in der Entbindungsstation und überhaupt nur einer von wenigen Männern in Dadaab. Über 80 Prozent der Flüchtlinge aus Somalia sind Frauen und Kinder.
Vier Wochen lang kümmert sich Abdile Tag und Nacht um seinen Sohn, hält sein dünnes Händchen, nimmt ihm auf den Arm und spricht mit ihm. Seine restlichen drei Kinder werden von der Großmutter versorgt.
Wenn Abdile heute an diese Wochen zurückdenkt, zieht ein Schatten über sein Gesicht. „Es war eine sehr schwere Zeit“, sagt er. „Ich wusste nur eins: mein Sohn durfte nicht sterben. Ich durfte ihn nicht auch noch verlieren – dann hätte ich gar keine Hoffnung mehr gehabt.“ Nach etwas über vier Wochen hatte sich Adens Zustand stabilisiert. Bald darauf konnte er das Ernährungszentrum verlassen.
Aden wohnt jetzt wieder mit seiner Familie im Zelt, isst ordentlich und lacht viel. Sein Vater Abdile ist glücklich. Die gemeinsame Zeit im Zentrum hat beide geprägt. Aden hält sich ständig in der Nähe seines Vaters auf. Abdile nimmt ihn in den Arm, lächelt und sagt: „Es geht uns gut. Das Leben hier ist nicht einfach, aber wir werden es schaffen.“
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