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„Wir können die Kinder retten“

Interview mit Roland Kupka, Ernährungsspezialist im UNICEF-Regionalbüro für West- und Zentralafrika

Roland Kupka, Ernährungsspezialist im UNICEF-Regionalbüro für West- und Zentralafrika

Wie erleben Sie persönlich die Lage der Kinder in den Sahelländern?
Es ist sehr traurig anzusehen, wie viele stark unterernährte Kinder in den Ernährungszentren eintreffen. Diese Kinder ringen um ihr Überleben. Aber es gibt Hoffnung. Mit spezieller therapeutischer Nahrung und einfachen Medikamenten kann UNICEF die Kinder retten. Und es ist wunderbar zu sehen, wie ein Kind innerhalb weniger Tage wieder zu Kräften kommt.  

Warum ist die Lage in diesem Jahr so besonders schwierig?
Die alljährliche Hungerperiode trifft die Menschen in der Sahelzone dieses Jahr früher und härter als sonst. Selbst in normalen Zeiten überleben viele Kinder diese Zeit nicht: Eins von acht Kindern stirbt im Sahel vor seinem fünften Geburtstag. Die aktuelle Krise kann zu einer noch viel höheren Sterberate führen.

Was hat UNICEF unternommen, als klar wurde, dass eine Krise näher rückt?
Bereits vergangenen Herbst hat UNICEF vor der Verschärfung der Situation gewarnt und damit begonnen, seine Hilfsmaßnahmen auszuweiten. Die Krise ist kein plötzliches Ereignis wie ein Erdbeben. Sie kommt langsam. Wir können Hunderttausende Kinder retten, wenn rechtzeitig die benötigten finanziellen Mittel zusammenkommen.
 
Wo ist die Situation am schlimmsten?
Allein in Niger wird UNICEF und seine Partner dieses Jahr mehr als 330.000 Kinder mit starker Mangelernährung behandeln müssen. Das ist eine sehr hohe Zahl. Aber es gilt natürlich, jedes einzelne Kind in allen acht betroffenen Ländern vor den schlimmen Folgen der Mangelernährung zu schützen.

Welche Folgen hat schwere Mangelernährung für Kinder?

Schwere Mangelernährung ist gerade auch in Krisensituationen eine der häufigsten Todesursachen von Kindern. Sie schwächt die inneren Organe und das Immunsystem. Deshalb treten bei unterernährten Kindern häufig Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung oder Durchfall auf – oft mit tödlichem Ausgang. Die Kinder, die überleben, tragen vielfach bleibende Schäden davon.

Kann man denn eine Katastrophe noch abwenden?
Dank einfacher, aber hocheffizienter Therapiemethoden ist es möglich, den Großteil der insgesamt eine Million von Mangelernährung betroffenen Kinder in der Sahelzone erfolgreich zu behandeln. Diese Möglichkeit bestand vor wenigen Jahren noch nicht.

Wie hilft UNICEF jetzt und langfristig?
Im Moment gilt es, die mangelernährten Kinder mit therapeutischer Zusatznahrung zu behandeln und ihr Leben zu retten. Parallel dazu unterstützt UNICEF Präventivmaßnahmen, um Kinder und Mütter vor zukünftigen Krisen schützen zu können. UNICEF setzt sich dabei besonders für das Stillen, eine reichhaltige Ernährung sowie eine effiziente Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten ein.


Roland Kupka (36) arbeitet seit drei Jahren als Ernährungsspezialist für die Sahel-Länder im UNICEF-Regionalbüro in Dakar (Senegal). Er wuchs im hessischen Fritzlar auf und promovierte in den USA in Ernährungswissenschaften. 

April 2012

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