

Begeistert rennen Hafidz und sein Freund Taufik dem Ball hinterher. Die beiden Elfjährigen spielen auf dem Schulhof der Muhamadiyah-Grundschule in Banda Aceh Schlagball. Sie ist die erste Schule, die UNICEF in der zerstörten Provinz dauerhaft wieder aufgebaut hat - mit Hilfe von Spenden aus Deutschland. Hafidz ist einer der wenigen Schüler der Muhamadiya-Schule, die den Tsunami überlebt haben. Vor dem 26. Dezember 2004 hatte sie noch rund 300 Schüler. Die meisten von ihnen kamen durch die Katastrophe ums Leben - nur 30 überlebten.
Hafidz und Taufik erinnern sich noch gut an den schrecklichen Tag: „Ich war zu Hause, als die Erde bebte“, sagt Hafidz. „Ich konnte meine Eltern nicht finden und hatte große Angst.“ Ein Onkel fand den damals Sechsjährigen - per Moped flohen die beiden ins Gebirge. Nach zwei Tagen kehrten sie nach Banda Aceh zurück, um nach Hafidz’ Eltern zu suchen. Endlich hatten sie Gewissheit: Mutter und Vater hatten überlebt und waren überglücklich, ihren Sohn endlich wiedergefunden zu haben. Wie Hafidz mussten viele der überlebenden Kinder Tage und Wochen der Ungewissheit ertragen. Etliche verloren durch den Tsunami Angehörige und Freunde.
UNICEF hat alles getan, um die Mädchen und Jungen schnell wieder in die Schule zu bringen. Schon vier Wochen nach der Katastrophe waren die meisten in Zelt- und Übergangsschulen untergebracht. Die neue Muhamadiya-Schule eröffnete am 18. September 2006. UNICEF hatte sie als Vorbild für den Wiederaufbau weiterer rund 350 Schulen in der Region geplant. Die zweistöckigen Gebäude sind erdbebensicher konstruiert. Die Muhamadiya-Schule hat zwölf Klassenräume und bietet Platz für insgesamt 400 Kinder. Die Schule verfügt über einen Versammlungsraum, eine kleine Bibliothek und ein Labor, einen Spielplatz sowie einen Speiseraum. Für die Mädchen und Jungen stehen acht getrennte Toiletten mit Waschbecken zur Verfügung. Für den Bau beschäftigte UNICEF ausschließlich lokale Bauunternehmen aus Aceh.
Hafidz ist sehr froh, dass er jetzt in einer richtigen Schule lernen kann. „Zuerst hatten wir Übergangsschulen - dort war es nicht sehr schön“, sagt der Elfjährige. „Jetzt haben wir Klassenräume mit allem, was man zum Lernen braucht. Von UNICEF habe ich auch Hefte und andere Schulsachen erhalten.“ Auch Schulleiterin Ibu Zahirah ist stolz auf die neue Schule. „Ich hätte nie erwartet, dass sie so schön wird - es ist wie ein Traum, der Wirklichkeit wird.“
Nach Schulschluss läuft Hafidz nach Hause: Zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder lebt er in einem kleinen Haus. Der Junge zeigt in Brusthöhe auf die Hauswand - so hoch stand nach dem Tsunami das Wasser. „Viele meiner Freunde sind tot“, sagt der Elfjährige. „Ich danke Gott, dass ich überlebt habe.“ Dann denkt Hafidz wieder an seine Zukunft - und die sieht vielversprechend aus: Bald wird der Junge die sechste Klasse abschließen und mit seinen Freunden in das Nachbargebäude mit den weiterführenden Klassen wechseln. „Mein Lieblingsfach ist Sachunterricht“, sagt Hafidz. „Und später möchte ich Zahnarzt werden!“