
Der Tsunami traf die indonesische Provinz Aceh und das nördliche Sumatra am härtesten: Über 160.000 Menschen starben oder sind bis heute vermisst, über eine halbe Million wurden obdachlos. Aufgrund des fast 30 Jahre langen Bürgerkrieges lebten in der Region schon vor dem Tsunami Tausende Menschen als Flüchtlinge im eigenen Land - oft unter schwierigsten Bedingungen. Für UNICEF war es sehr wichtig, die Hilfe gerecht zu verteilen und auch diese Menschen zu erreichen.
UNICEF hat den Bereich Trinkwasser und Hygiene koordiniert und so geholfen, Standards der Not- und Wiederaufbauhilfe festzulegen. Das Ergebnis der engen Zusammenarbeit vieler Partner: In den vom Tsunami zerstörten Regionen haben jetzt so gut wie alle Menschen sauberes Trinkwasser. Im vom Konflikt betroffenen Hinterland sind es zwischen 50 und 80 Prozent. UNICEF hat geholfen, über 1.600 Wasseranlagen neu zu bauen oder zu reparieren. Dazu gehören sieben große Wasserwerke, fünf Leitungssysteme sowie Brunnen mit Handpumpen in den Dörfern.
UNICEF hat in Aceh auch geholfen, zwei große Kläranlagen instandzusetzen und zu erweitern. Allein die Anlage in der Provinzhauptstadt Banda Aceh bereitet jetzt die Abwässer von 200.000 Menschen auf. UNICEF hat geholfen, Latrinen für über 220.000 Menschen einzurichten und mehr als 3.700 Experten und junge Freiwillige geschult, damit sie über Hygiene aufklären können. In 2.600 Schulen gibt es für die Kinder jetzt einfache sanitäre Anlagen. 2010 will UNICEF die hygienische Situation auch in den bisher noch nicht versorgten Schulen verbessern. Denn Trinkwasserversorgung und Hygiene sind der beste Schutz vor gefährlichen Krankheiten.
Mit einem großen Programm zum Schutz vor Malaria hat UNICEF rund drei Millionen Kinder und Frauen erreicht. UNICEF hat Moskitonetze verteilt und Gesundheitshelfer in der Behandlung der Fieberkrankheit geschult. Über eine Million Kinder wurden gegen Kinderlähmung geimpft. UNICEF hat auch eine große Masernimpfkampagne für Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren unterstützt. Sie war so wirksam, dass die Regierung nun landesweite Standardimpfungen gegen Masern plant. Die Zahl der Erkrankungen ist dadurch bereits deutlich gesunken. Um der verbreiteten Mangelernährung vorzubeugen, hat UNICEF in den Dörfern 2.400 Freiwillige geschult. Sie klären die Familien über richtige Ernährung für Kinder auf und behandeln akut mangelernährte Kinder mit therapeutischer Spezialmilch.
51 einfache Gesundheitsstationen wurden von UNICEF neu gebaut und ausgestattet oder stehen kurz vor der Übergabe. In den so genannten „Posyandus“ arbeiten Gesundheitshelfer, Hebammen und Freiwillige aus dem Dorf zusammen. Weitere 108 Posyandus sind im Bau. Insgesamt haben fast 600 Krankenhäuser und Gesundheitsstationen von UNICEF medizinischen Bedarf erhalten. UNICEF hat darüber hinaus über 9.100 Hebammen und Gesundheitshelfer geschult - das gesamte Gesundheitspersonal der Projektregion. Die deutlich bessere Versorgung rettet Leben: 2006 starb noch jede dritte Frau, die mit Geburtskomplikationen in eine Gesundheitsstation eingeliefert wurde. 2009 waren es mit acht Prozent bereits deutlich weniger.
Bis heute hat UNICEF in der Provinz Aceh und auf der Insel Nias 291 große, erdbebensichere Schulen für fast 60.000 Kinder komplett neu gebaut. 54 weitere Schulen sind im Bau und werden voraussichtlich 2010 fertiggestellt. 860.000 Kinder haben Hefte, Stifte und weiteres Schulmaterial erhalten. UNICEF hat außerdem über 9.000 Lehrer und Schulleiter in kinderfreundlichen Lehrmethoden fortgebildet. Über 1.300 Mütter und Väter nahmen an Schulungen für Mitglieder von Elternkomitees teil. Das umfassende Bildungsprogramm hat dazu beigetragen, dass in Aceh die Einschulungsraten gestiegen sind und heute deutlich mehr Kinder die Grundschule abschließen als vor dem Tsunami.
UNICEF unterstützt auch insgesamt 282 Kindergärten und hat Spiel- und Lernmaterialien für über 16.000 Kinder bereitgestellt. Viele der Kindergärten befinden sich in einfachen Fertiggebäuden, die UNICEF ursprünglich als Übergangsschulen bereitgestellt hatte. 2008 hat die Regierung bereits rund sechs Millionen Dollar für die wichtige frühkindliche Bildung zur Verfügung gestellt. 2007 waren es erst 279.000 Dollar.
Drei Schwerpunkte waren besonders wichtig: die Betreuung von Kindern ohne Eltern, die psychosoziale Unterstützung für benachteiligte Kinder und der Schutz vor Missbrauch und Ausbeutung. So hat UNICEF unmittelbar nach der Katastrophe 19 Kinderzentren in Zelten oder Containern aufgebaut und dort psychosoziale Unterstützung für rund 73.000 Kinder organisiert. Geschulte Freiwillige kümmerten sich hier um die oft traumatisierten Mädchen und Jungen. Diese einfachen Maßnahmen zeigten Erfolg: Die betreuten Kinder leiden nachweislich weniger unter Stress, Ängsten oder Depressionen. Sechs der Zentren sind bis heute als Beratungsstellen für Familien in Betrieb. In der Provinz Aceh Besar hat UNICEF geholfen, erstmals auch Hilfsangebote für psychische Erkrankungen aufzubauen. Vorher gab es in ganz Aceh so gut wie keine Fachkräfte.
UNICEF hat geholfen, rund 2.500 unbegleitete Kinder mit Angehörigen zusammenzuführen oder Pflegefamilien für sie zu finden. Alle Kinder erhielten in ihrem neuen Zuhause regelmäßig Besuch von Betreuern. Neben diesen akuten Maßnahmen gelang es UNICEF, auch strukturelle Verbesserungen auf den Weg zu bringen: So hat UNICEF 2006 geholfen, ein neues Kinderschutzgesetz zu entwickeln und durchzusetzen. UNICEF hat Polizisten, Sozialarbeiter und Vertreter der lokalen Behörden in der Arbeit mit benachteiligten Kindern geschult. Die Regierung hat sich verpflichtet, allein 1.200 zusätzliche Sozialarbeiter einzustellen. UNICEF hilft, sie auszubilden.
