
Fifame Egboele ist 15 Jahre alt und wohnt in Porto Novo, der Hauptstadt Benins. Fifame geht nicht mehr zur Schule, seit ihr Vater gestorben ist. Lange Zeit hat sie auf der Straße Mandarinen verkauft, um zu überleben. Ihr Stiefvater hat sie dann zu einer Gastfamilie ins benachbarte Nigeria geschickt. Als „Vidomégon“ – zu deutsch etwa anvertrautes Kind - sollte Fifame dort gemäß einer alten westafrikanischen Tradition die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen. Ein Jahr lang lebte Fifame in Nigeria. Aber anstatt eine Ausbildung zu erhalten, wurde sie gezwungen, die gesamte Hausarbeit machen. Tag für Tag verbrachte sie mit putzen, Geschirr spülen, Wasser holen. Von acht Uhr am Morgen bis um 11 Uhr in der Nacht musste Fifame schuften mit nur wenigen kurzen Pausen zwischendurch. Oft wurde sie geschlagen. Zu ihren Eltern hatte sie keinen Kontakt mehr. Zu essen bekam Fifame nur die Reste, die bei den Mahlzeiten ihrer Gastfamilie übrig blieben. Eines Tages war ihr Arm so dick angeschwollen, dass sie nicht mehr arbeiten konnte. Aus Angst vor noch mehr Schlägen lief sie fort. Es gelang ihr, in eine Polizeistation zu fliehen. Von dort aus brachte man sie zurück in ihr Heimatland Benin.
Jetzt lernt Fifame Schneiderin
In Benin fand Fifame Zuflucht in dem „Oasis“-Schutzzentrum für Opfer von Kinderhandel in Cotonou, das von UNICEF unterstützt wird. Hier wurde Fifame wieder aufgepäppelt, sie bekam gesundes Essen statt Resten und ihr Arm wurde medizinisch versorgt und gesund gepflegt. Vor allem aber wurde Fifame wieder als Mensch behandelt und nicht als Arbeitssklave. Gleichzeitig suchten die Mitarbeiter des Zentrums nach ihrer Familie. Heute lebt Fifame wieder zu Hause und macht eine Lehre als Schneiderin. Regelmäßig kommt ein Erzieher von Oasis vorbei, fragt, wie es ihr geht und hilft ihr, wenn es Probleme bei der Ausbildung oder in der Familie gibt. Für Fifame ist es wichtig, über ihre Erfahrungen als Opfer des Kinderhandels zu sprechen und andere Kinder und Eltern darüber zu informieren. Auf diese Weise werden es sich Eltern zweimal überlegen, bevor sie ihr Kind als Vidomegon ins Ausland schicken, hofft Fifame.
Kinder von Mitarbeitern des UNICEF-Partners Siemens haben zur Geschichte von Fifame einen Kalender gestalten – hier können Sie ihn bewundern.
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