Im Senegal wird noch immer jedes vierte Mädchen an seinen Genitalien beschnitten. Besonders im Süden und Osten des Landes ist die jahrhundertealte Tradition tief verwurzelt. Unbeschnittene Frauen gelten als unrein und haben kaum Heiratschancen. Die Beschneidung ist für die Mädchen extrem schmerzhaft und oft sogar lebensbedrohlich. Viele leiden ein Leben lang unter Beschwerden. Ein tiefgreifender Wandel gegenüber der Tradition ist nur durch Bildung möglich. UNICEF unterstützt deshalb gemeinsam mit der Organisation TOSTAN spezielle Bildungskurse besonders für Mädchen und Frauen - mit Erfolg: Schon über 1.600 Dörfer, die an dem Programm beteiligt waren, haben feierlich erklärt, ihre Töchter künftig nicht mehr beschneiden zu lassen. Das sind bereits ein Drittel aller betroffenen Dörfer.
Obwohl sie offiziell verboten ist, betrachten viele Eltern im Senegal die Beschneidung ihrer Töchter noch immer als ihre Pflicht. Würde sich eine Familie allein gegen die Tradition entscheiden, würden sie den Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft riskieren. Schon Säuglingen und Kleinkindern, in einigen Regionen auch etwa zehnjährigen Mädchen werden die Klitoris und die inneren Schamlippen entfernt Der Eingriff findet in der Regel ohne Betäubung und mit kaum desinfizierten Messern oder Rasierklingen statt. Häufig kommt es zu Blutvergiftungen und langwierigen Infektionen, die tödlich enden können. Viele Frauen werden unfruchtbar oder leiden später unter Geburtskomplikationen.
Die Beschneidung ist dort besonders verbreitet, wo die Mädchen nicht zur Schule gehen und ihre Rechte kaum kennen. Im Senegal besucht nur jedes zweite Mädchen die Grundschule, nur ein Drittel aller Frauen kann Lesen und Schreiben. Viele werden schon als Heranwachsende verheiratet, obwohl ihr Körper auf eine Schwangerschaft noch längst nicht vorbereitet ist. Mit einem sehr anerkannten, lebensnahen Grundbildungsprogramm gibt die von UNICEF geförderte Organisation TOSTAN Mädchen und Frauen die Chance, ihre Probleme aus eigener Kraft zu lösen. In den Kursen lernen sie Lesen und Schreiben. Doch auch gesundheitliche Fragen und das Thema Menschenrechte haben einen wichtigen Platz. Viele Frauen und Männer erkennen so zum ersten Mal, dass die Beschneidung die Ursache für gesundheitliche Probleme und sogar für den Tod vieler Frauen ist.
In den UNICEF-Projektregionen im Süden und Osten des Senegal sind bis zu 90 Prozent aller Mädchen beschnitten. UNICEF hat sich hier vorgenommen, weitere 400 Dörfer zum Verzicht auf die Beschneidung zu bewegen. Im Zentrum der Mobilisierungskampagne stehen die gemeinsam mit der Partnerorganisation TOSTAN entwickelten Grundbildungs-kurse (TOSTAN bedeutet „Durchbruch“ in der Landessprache Wolof). UNICEF stellt Unterrichtsmaterial zur Verfügung und schult die Kursleiterinnen, meist Frauen aus den Dörfern. In dem zwei Jahre dauernden Kurs vermitteln sie Inhalte wie Gesundheit und Hygiene, Menschenrechte und berufliche Fertigkeiten. Insgesamt sollen 10.000 Menschen erreicht werden - überwiegend Frauen, aber auch Männer. UNICEF hilft, Räume der Gemeinde als Klassenzimmer einzurichten. Morgens finden hier TOSTAN-Kurse für Erwachsene statt, nachmittags kommen die Jugendlichen zum Lernen zusammen. So sind die Heranwachsenden unter sich und können offen über ihre Anliegen diskutieren.
UNICEF hilft beim Aufbau von Komitees, die sich für die Dorfentwicklung engagieren und den Bewusstseinswandel vorantreiben. Die Mitglieder lernen beispielsweise, die Anliegen der Dorfbewohner gegenüber den lokalen Behörden zu vertreten und gemeinsame Entscheidungen herbeizuführen. Religiöse Führer und Dorfälteste erhalten von UNICEF Schulungen über die Gefahren der Beschneidung. Sie erfahren hier auch, dass das Ritual illegal ist und keine religiöse Grundlage hat. Die Dorfkomitees bereiten auch öffentliche Deklarationen mehrerer Nachbardörfer vor, die eine wichtige Signalwirkung haben. UNICEF hilft, die Deklarationen zu organisieren und bekannt zu machen. Die Beiträge in Zeitungen, im Radio und Fernsehen erreichen Tausende Menschen - im Senegal selbst und auch in Nachbarländern. UNICEF unterstützt zudem die Produktion von Radiosendungen sowie Auftritte lokaler Theatergruppen zum Thema Gesundheit und Beschneidung.
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