Was ist unseren Kindern wichtig?

17. September 2014 von Christian Schneider

Vorsicht, die folgenden Zeilen sind nicht geeignet für Menschen über 18 Jahren, die Kinder für konsumfixierte kleine Tyrannen mit zu hohem Lärmpegel halten, die „Familie“ als historischen Begriff aus dem Alltag verbannt haben und Lehrer als unfähige, kaum ernstzunehmende Verwalter des Bildungsverfalls betrachten.

Aber bitte lesen Sie dann weiter, wenn Sie gerade zerschlagen von einem langen Arbeitstag im Büro oder Betrieb nach Hause kommen, die Kinder genervt aus der Nachmittagsbetreuung zurückkehren und Sie ein wenig Erbauung am Bildschirm suchen. Oder wenn Sie Lehrer sind...

Familie und Freundschaft zählen

Familie und Freundschaft sind das Wichtigste für Kinder, weit vor Geld und Besitz.
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Denn was gut tausend Kinder in der repräsentativen Befragung für den neuen GEOlino-UNICEF-Wertemonitor zu Protokoll geben, kann Eltern, Großeltern und Lehrern Mut machen und stellt ihnen ein sehr gutes Zeugnis aus.

Nun müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie sich hier mit den umfassenden Ergebnissen der Untersuchung befassen – oder diesen kurzen Text zu Ende lesen und sich dann wieder rasch den Kindern widmen. Sei’s drum: Drei Viertel der Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis 14 Jahren finden Familie jedenfalls „total wichtig“.

Und wenn Sie am Ende dieses Tages wieder das Gefühl haben, zwischen Beruf, Haushalt und allen weiteren Verpflichtungen einfach nicht genug Zeit für Ihre Kinder zu haben, lassen Sie sich – repräsentativ – bescheinigen: Kinder in Deutschland sind nicht nur mit der Zeit, die sich ihre Eltern für sie nehmen, überwiegend zufrieden. Sie haben auch großes Verständnis für die Erfordernisse der Arbeitswelt. Sie respektieren, wie Sie das alles im Alltag hinbekommen.

Berufstätige Eltern leiden unter der knappen gemeinsamen Zeit – mehr als ihre Kinder.
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Nur vier Prozent der befragten Kinder finden, dass zu wenig Zeit mit den Eltern da ist. Die Eltern sind mit sich viel kritischer: Jede siebte Mutter und fast jeder dritte Vater sind mit der gemeinsamen Zeit „oft nicht“ oder „gar nicht zufrieden“. Wie so oft sehen Kinder die Dinge aus anderer Perspektive. Und es ist wichtig und kann gut tun, ihnen zuzuhören.

Geld und Besitz – gut zu haben, aber nicht das Wichtigste im Leben

Nun können Sie sich erleichtert in den Sessel sinken lassen. Oder hier in der Kurzzusammenfassung mehr darüber lesen, was Kindern wichtig ist. Und was auf der Rangliste der bedeutenden Dinge weiter unten steht: Geld und Besitz zum Beispiel, diese spielen bei den wichtigen Werten der Kinder mit 21 Prozent nur eine geringe Rolle.

Vertrauen und Zuverlässigkeit, Geborgenheit und Ehrlichkeit, das zählt für die Kinder. Seit unserer letzten Befragung vor vier Jahren haben auch weitere traditionelle Werte wie Bildung, „gute Manieren“ und Toleranz an Bedeutung gewonnen. Das gilt auch für die Lehrer als Vermittler dieser Werte: 2006 fand nur die Hälfte der Kinder Lehrer dafür „wichtig“, heute sind es 80 Prozent.

Lehrerinnen und Lehrer werden als Vermittler von Werten immer wichtiger.
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Am wenigsten trauen die Kinder übrigens das Vorleben oder Vermitteln von Werten den Politikern zu. Diese sollten sich aber ermutigt fühlen: Setzen Sie sich bitte weiter dafür ein, der Familie und der Schule als den wichtigsten Orten für Kinder den bestmöglichen Rahmen zu schaffen. Damit das Wichtigste im Leben dieses neunjährigen Jungen nicht gefährdet wird: „Dass wir eine glückliche Familie sind, nicht streiten und viel zusammen unternehmen.“

Oder schauen Sie zumindest, ob Sie auch Ihren Kindern den größten Wunsch dieses siebenjährigen Mädchens erfüllen können: „Immer genug Gummibärchen. Und dass jeden Tag Weihnachten ist“...

Welche Rolle spielen Familie, Schule und traditionelle Werte bei Ihren Kindern? Sind Sie zufrieden mit der Zeit, die Sie sich für Ihre Kinder nehmen können? Sagen Sie es uns in den Kommentaren.