Kinder im Flüchtlingslager

31. Oktober 2014 von Rudi Tarneden

Nachts hat es gestürmt und geregnet. Knöcheltief sinken die Stiefel in den Matsch zwischen den Zelten. Am Morgen beginnt das Aufräumen.

Männer mit Schaufeln graben kleine Rinnen, damit das Wasser abfließen kann. Die Mütter reinigen die Planen, hängen nasse Kleidungsstücke in den feuchtkalten Wind. Dazwischen stehen fröstelnd Trauben von Kindern. 

Regenfälle verwandeln den Boden in eine Matschwüste. Es wird immer kälter. 
© UNICEF/Tarneden

Das provisorische Flüchtlingslager Khanke liegt etwa eine Stunde Autofahrt westlich von Dohuk. Über 10.000 Menschen sind vor dem Terror des IS hierher geflohen. Es sind vor allem Jesiden aus Sinjar hier, einer Minderheit in Irak, die Anfang August mit äußerster Grausamkeit von der Terror-Miliz attackiert wurde. Auch zwei Monate später steht den Menschen die Angst ins Gesicht geschrieben.

Ein Ort der Hoffnung

„Heute waren fast 400 Kinder hier“, sagt Baidan Madar Khan (25), die zusammen mit ihrem Team im Auftrag von UNICEF das Kinderzentrum im Lager Khanke betreut. Erst erschrickt man etwas, wenn man den hohen Zaun sieht, mit dem das Areal mit den drei weißen Großzelten vom übrigen Lager abgegrenzt ist. Die Erklärung ist aber einfach: Die Kinder würden ohne ihn das Gelände stürmen. So kommen immer genauso viele hinein, wie dort auch betreut werden können.

Der Kontrast zur Welt draußen könnte nicht größer sein. Die Jungen und Mädchen hocken auf dem Boden und zeichnen. Ihre Ruhe und Konzentration sind körperlich spürbar. Im Nachbarzelt wird gesungen. „Die Kinder wollen hier gar nicht mehr weg. Am Anfang haben sie immer über den Krieg gesprochen. Sie haben von ihrer Flucht erzählt, wie auf Autos geschossen wurden oder Väter verletzt wurden“, sagt Baidan Madar Khan.

Was Terror und Krieg in den Kindern auslösen, kann man nicht direkt sehen. Aber es ist trotzdem da. „Am liebsten habe ich mit meiner Puppe gespielt“, sagt zum Beispiel die fünfjährige Sama. „Aber meine Puppe ist bestimmt kaputt. Ich musste sie zu Hause lassen. IS hat alles kaputt gemacht.“

Je öfter die Kinder in das Kinderzentrum kommen, desto mehr verändern sie sich. Sie sprechen über andere Dinge, malen Blumen und bunte Landschaften. Diese Erfahrung motiviert Baidan Madar Khan, die selbst aus Khanke stammt. „Ich freue mich, wenn ich sehe, wie die Kinder sich wieder freuen können und sich nach und nach von den schrecklichen Erinnerungen entfernen.“

Hilfe für den Winter

Jetzt geht es darum, das Lager winterfest zu machen. Das ist überlebenswichtig. UNICEF verteilt dort – wie an vielen anderen Orten in Nordirak in diesen Tagen – Pakete mit warmer Kinderkleidung. Das Kinderzentrum ist als Ort der Hoffnung aber genauso wichtig. Während die Mädchen und Jungen toben, ist im Hintergrund ein leises Grollen zu hören. Einschläge von Raketen, mit denen IS-Stellungen angegriffen werden.

Sie können etwas tun

Unterstützen Sie uns, die Kinder mit warmer Winterkleidung und Decken zu versorgen, damit sie den kalten Winter durchstehen. Ich verspreche Ihnen: Ihre Hilfe kommt an.