Ohne jeden Zweifel – unsere UNICEF-Helfer in Syrien

30. Dezember 2016 von Simone Morawitz

Viele Menschen, Ereignisse und Geschichten der vergangenen 365 Tage haben uns tief bewegt. Wir schauen zurück auf das UNICEF-Jahr 2016. 

Jeden Tag setzen sie ihr Leben aufs Spiel, um zu helfen. Rund 200 UNICEF-Mitarbeiter sind momentan noch in Syrien – einem der gefährlichsten Orte der Welt. Die Kinder vor Ort brauchen sie dringender denn je: Deshalb halten sie durch, auch im sechsten Kriegswinter.

Was sie in Aleppo und anderen syrischen Städten erlebten und wie sie dank Ihrer Unterstützung helfen konnten, erzählen sie in Augenzeugenberichten aus den vergangenen Monaten, im dritten UNICEF-Jahresrückblick.

Krieg: der „vollständige Verlust von Normalität“


© UNICEF/UN043365/Al-Issa

Hanaa Singer ist Leiterin von UNICEF Syrien (Dezember 2016)

"Der pausenlose Beschuss und die Explosionen waren ohrenbetäubend. Die Kinder haben jedes Mal über mich gelacht, wenn ich vor dem schrecklichen Lärm des Krieges zusammengezuckt bin – kein echtes Lachen, sondern eine Reaktion auf den vollständigen Verlust von Normalität."

Aufgeben kam für Hanaa Singer nie in Frage. "In den vergangenen zwei Jahren bin ich immer wieder nach Aleppo gereist. Was mir davon in Erinnerung bleibt, ist die unglaubliche Widerstandsfähigkeit der Menschen dort", sagt sie. "In Aleppo wird Wasser als Kriegswaffe verwendet. Menschen den Zugang zu Wasser zu verweigern, ist der schnellste Weg, sie in die Knie zu zwingen."

Im August waren in Aleppo zwei Millionen Menschen ohne Zugang zu fließendem Wasser. Gerade für die Kinder war das lebensbedrohlich. Gemeinsam mit den UNICEF-Mitarbeitern und den Partnern kümmert sich Hanaa Singer unter anderem um die Wasserversorgung in besonders vom Krieg betroffenen Gebieten.

UNICEF-Leiterin Hanaa Singer bei einer Trinkwasserlieferung für Kinder und ihre Familien in Syrien.
© UNICEF/UN033883/Al-Issa

"Ich glaube fest daran, dass wir etwas verändern können"


© UNICEF/UN032199/Ourfali

Dr. Esraa Al-Khalaf ist Ernährungsexpertin bei UNICEF Syrien und arbeitet in Aleppo (September 2016)

"Ich muss oft an den elfjährigen Ahmad denken. Ahmad hat Krebs und ist zusammen mit seiner Mutter im Krankenhaus. Durch die Kämpfe ist die Straße zu seinem Zuhause unpassierbar. Ahmad besteht nur aus Haut und Knochen.

Als wir ihn besuchen, ist er sehr neugierig auf eine mitgebrachte Fotokamera, aber zu schwach, um sie in seinen zitternden Händen festzuhalten. Als sie ihm aus der Hand rutscht, ist sein Gesichtsausdruck einfach herzzerreißend. Ich gebe ihm mein Handy und tröste ihn damit, dass es viel bessere Technik hat. Ich liebe das Foto, das er damit von mir macht und sein stolzes Lächeln, als er mir das Handy zurückgibt.

Dr. Esraa aus Kindersicht: Das Foto hat Ahmad im Krankenhaus von ihr mit ihrem Handy gemacht.
© UNICEF/DT2016-49104/Ahmad

In Aleppo zu arbeiten ist ein Akt der Liebe und des Glaubens. Du bleibst nicht in einer der gefährlichsten Städte der Welt, wenn du nicht den Ort, die Menschen und die Kinder liebst. Du bleibst nicht hier, wenn du nicht ernsthaft an die Menschlichkeit glaubst und dich verpflichtet fühlst, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. 

Vielleicht bin ich eine Träumerin, aber ich glaube fest daran, dass wir etwas verändern können."

"Ich will später mal mit dir arbeiten"


© UNICEF Syrien/2016

Mirna Yacoub ist stellvertretende Leiterin von UNICEF Syrien (Oktober 2016)

"Sobald wir in Madaja ausgestiegen waren, begann das Entladen der Hilfsgüter. Das UNICEF-Team steuerte direkt die provisorisch errichtete Klinik an. Die Frauen und Kinder folgten uns und riefen schon von weitem den Namen der UNICEF-Ärztin, die sie bereits aus der Vergangenheit kannten, 'Dr. Rajia! Dr. Rajia!'.

All diese Menschen waren so glücklich, sie wieder zu sehen – voller Hoffnung, sie würde Medizin bringen und vielleicht auch einige Antworten auf ihre drängenden Fragen.

Wir haben zwar weniger schwer unterernährte Menschen getroffen, als bei unserem letzten Besuch hier. Doch dieses Mal war es nicht die körperliche Auszehrung der Menschen, die uns am meisten traf, sondern die Hoffnungslosigkeit. Ärzte berichteten von zwölf Selbstmordversuchen, darunter acht Frauen. […] Eine Gesundheitshelferin vor Ort erzählt uns die traurigen Hintergründe. Eine der Frauen wusste beispielsweise nicht mehr, wie sie ihre fünf Kinder ernähren sollte. […]

Mitten in diesem Leid traf ich ein zehnjähriges Mädchen. Sie war unterernährt und schwach, aber bei dem Anblick von Dr. Rajia lächelte sie herzerwärmend, so erfreut darüber, sie wieder zu sehen. Ich fragte sie nach der Schule und was sie später einmal werden will. Sie sah mich mit ihren großen braunen Augen an und sagte lächelnd: Ich will später mal mit dir arbeiten."

"Alle sind füreinander da"

Basma Ourafli ist in Aleppo aufgewachsen, sie hat hier studiert und gab als Englischlehrerin Kurse. Seit 2015 arbeitet sie für UNICEF (November 2016)


© UNICEF/Syria Aleppo/2016/Khuder Al-Issa

"Aleppo ist meine Heimat. Ich lebe in dem Viertel, in dem ich aufgewachsen bin. Die Frontlinie ist nur 500 Meter entfernt. Trotz des Kriegs um uns herum ist mir bisher das Schlimmste erspart geblieben.

Als ehemalige Englischlehrerin habe ich immer gerne Geschichten von meinen Schülern gehört. Seit ich letztes Jahr zu UNICEF kam, hatte ich die Chance, mit Kindern zu sprechen, denen ich normalerweise im Alltag nie begegnet wäre. Viele der Kinder, die ich getroffen habe, waren dankbar dafür, dass sie mir ihre Erlebnisse erzählen konnten und beschrieben mir, wie sie mit der Realität dieses barbarischen Krieges fertig werden.

In Aleppo zu leben ist extrem belastend. Am Anfang war es für alle Menschen schwer mit der Situation umzugehen. Doch im Laufe der Zeit haben wir uns damit arrangiert. […] Wir haben gelernt, die einfachen Dinge im Leben zu schätzen, die in der Regel als selbstverständlich gelten. Jeder Augenblick wird ausgekostet.

Die positive Seite des Krieges ist, dass die Menschen in Aleppo starke Beziehungen zu ihren Nächsten aufbauen. Alle sind füreinander da."


© UNICEF/Syria Aleppo/2016/Khuder Al-Issa


© UNICEF/Syria Aleppo/2016/Khuder Al-Issa

Danke an alle Helfer aus Deutschland!

Danke an alle UNICEF-Unterstützer! Es sind diese engagierten Menschen, die das Leben für Kinder so viel besser und freundlicher machen.

Der Dank von Hanaa Singer, Leiterin von UNICEF Syrien, richtet sich an Sie!

Als Spender zeigen Sie unseren UNICEF-Kollegen vor Ort, dass sie nicht alleine sind. Diese Hoffnung können Hanaa und ihre Kollegen auch an die Kinder und Familien weitergeben – durch das Verteilen von Hilfsgütern, Medikamenten und dem Bau von Brunnen. DANKE!

VERLÄSSLICH HELFEN AUCH IM NEUEN JAHR

2017 brauchen die syrischen Kinder weiter dringend Hilfe: Tausende Mädchen und Jungen sind weiterhin auf der Flucht, sie erkranken, hungern in Notunterkünften und können nicht zur Schule gehen. Sie verlieren ihre Kindheit.

Selbst unter schwierigen Bedingungen versorgt UNICEF die Familien in Syrien und den Nachbarländern mit Nahrung, warmer Kleidung, Zelten sowie medizinischer und psychosozialer Hilfe.

Sie können mithelfen, dass sich die Kinder auf die UNICEF-Hilfe verlassen können! Danke!