Was würde eigentlich passieren, wenn es UNICEF nicht mehr gäbe?

21. November 2017 von Tim Rohde

UNICEF ist auf der ganzen Welt für Kinder da. Wir arbeiten mit Regierungen und Partnern zusammen, setzen uns dafür ein, dass Mädchen und Jungen gesund und sicher groß werden und ihre Fähigkeiten entfalten können. Das alles seit über 70 Jahren und dank der Unterstützung von Millionen Spendern.


© UNICEF/UNI102232/Sautereau

Kann man sich mittlerweile eine Welt ohne UNICEF vorstellen? Krankheiten, Kindersoldaten, Katastrophen und Krieg – was wäre, wenn es UNICEF plötzlich nicht mehr gäbe?

Diese acht Dinge würden sich (zum Schlechten) ändern.

1. Regelmäßig würden tödliche Krankheiten ausbrechen.

UNICEF versorgt weltweit 45 Prozent der Kinder unter fünf Jahren mit Impfstoffen.

Kein Weg zu weit: UNICEF-Helfer bringen Impfstoffe an jeden erdenklichen Ort. 
© UNICEF/UNI184260/Lucky8 LLC

Allein 2016 haben UNICEF und seine Partner rund 2,5 Milliarden Impfdosen in 100 Ländern verteilt. Dadurch verhindern wir zum Beispiel Krankheiten wie Masern, die ansonsten tödlich verlaufen können – speziell in ärmeren Regionen oder Notsituationen, in denen Kinder besonders anfällig sind.

Das Besondere: Aufgrund des riesigen Umfangs der weltweiten Impfprogramme kann UNICEF Impfstoffe sehr günstig einkaufen. Dadurch können wir viel Geld sparen und mit jedem Euro oder Dollar, der gespendet wird, noch mehr erreichen. Noch nie waren auf der Welt beispielsweise so wenige Kinder an Polio erkrankt wie im vergangenen Jahr.

2. Vom Krieg verwüstete Länder wie Syrien könnten möglicherweise nie wiederaufgebaut werden.

Krieg ist schlimm genug – doch auf die Kinder kommt auch danach noch eine riesige Aufgabe zu, wenn sie älter werden: ihr Land aus den Trümmern wiederaufbauen.


© UNICEF Syrien/Aleppo/2016/Al-Issa

Wenn ganze Generationen ohne sichere Orte zum Lernen und Spielen aufwachsen müssen, haben sie keine Zukunft. Die Kinder können niemals Lehrer, Ärzte oder Ingenieure werden und gemeinsam eine neue friedvolle Gesellschaft erschaffen.

Darum unternimmt UNICEF so viel, um Kindern überall auf der Welt den Zugang zu Bildung zu ermöglichen – ganz besonders in Krisengebieten. 2016 haben wir weltweit 11,7 Millionen Kinder in Notsituationen mit grundlegender Bildung erreicht.

Sogar im umkämpften Syrien haben es unsere Kollegen vor Ort gemeinsam mit Partnern geschafft, viele Kinder wieder in die Schule zu bringen, beispielsweise in Aleppo. Zudem wurden tausende Lehrer geschult und ausgebildet. 

Dieses Mädchen aus Aleppo konnte wegen des Krieges zwei Jahre nicht zur Schule gehen. UNICEF ermöglichte ihr, wieder zu lernen und einen Abschluss zu machen – sogar in ihrer Heimatstadt. 
© UNICEF/UN070696/Al-Issa

3. Nach Naturkatastrophen wären Familien auf sich allein gestellt.

UNICEF ist praktisch immer vor Ort – vor, während und nach Notsituationen. Und auch noch lange nach einer Naturkatastrophe sind Kinder tödlichen Gefahren ausgesetzt.

Als zum Beispiel 2015 Nepal von zwei schweren Erdbeben getroffen wurde, kamen Tausende ums Leben, und unzählige Familien und Kinder verloren mit einem Schlag ihre Lebensgrundlage. Häuser, Wasserstellen, Krankenhäuser, Schulen und Geburtszentren wurden zerstört. 

In einigen Regionen Nepals zerstörten die Erdbeben rund 70 Prozent der Geburtszentren. UNICEF richtete Gesundheitsstationen und Notunterkünfte ein, wo Mütter ihre Babies sicher auf die Welt bringen konnten. 
© UNICEF/UN016490/Shrestha

Ohne schnelles Eingreifen wären diese Familien auf sich allein gestellt gewesen. Mit Krankheiten oder Verletzungen. Und in den chaotischen Zuständen nach der Katastrophe hätten viele Kinder zum Beispiel Opfer von Entführungen und Menschenhandel werden können.

Doch UNICEF war gleich am ersten Tag mit sauberem Wasser, Notunterkünften und Hilfsgütern für die Menschen da. Unsere Kollegen richteten provisorische Krankenhäuser ein. Brachten Familien wieder zusammen, die sich im Chaos verloren hatten. Versorgten die Menschen im Winter mit Kleidung und Heizgeräten.

Und das alles noch lange, nachdem die Erdbebenkatastrophe wieder aus den globalen Schlagzeilen verschwunden war. 

4. Millionen Kinder würden verhungern.

UNICEF ist der weltweit größte Einkäufer von therapeutischer Spezialnahrung.

Gäbe es UNICEF nicht, hätten im vergangenen Jahr Krankenhäuser oder Nothelfer ohne 33.000 Tonnen an therapeutischer Spezialnahrung auskommen müssen. Und viele der drei Millionen Kinder, denen damit geholfen wurde, hätten möglicherweise nicht überlebt.

Eines dieser Kinder ist Khadija. Als sie in ein UNICEF-unterstütztes Krankenhaus in Nigeria eingeliefert wurde, war sie kurz davor, zu verhungern. Ihre Mutter war selbst zu schwach, um sie zu ernähren. Nach 20 Tagen mit therapeutischer Nahrung und Medikamenten ging es Khadija sichtlich besser. Gemeinsam mit ihrer Mutter konnte sie das Krankenhaus verlassen und wieder nach Hause – mit ausreichend Spezialnahrung im Gepäck.  

Khadija aus Nigeria – vor und nach der Behandlung mit therapeutischer Nahrung und Medikamenten
© UNICEF Nigeria/Commins

Und dank UNICEF hat sich insgesamt der Zugang zu therapeutischer Spezialnahrung deutlich erleichtert, denn die Organisation hat dafür gesorgt, dass die Produktion immer weiter in ärmere Länder verlagert wurde – eben dorthin, wo die Nahrung direkt gebraucht wird. UNICEF arbeitet mit verschiedenen Herstellern weltweit zusammen.

Das zeigt Wirkung: Noch nie gab es auf der Welt weniger chronisch mangelernährte Kinder als heute.

5. Kinder, die zum Kämpfen gezwungen wurden, könnten nie wieder ein normales Leben führen.

In Kriegs- und Konfliktgebieten ist eine der Aufgaben unserer Kollegen ganz besonders schwierig: mit bewaffneten Konfliktparteien zu verhandeln und sie dazu zu bewegen, vereinnahmte Kinder und Jugendliche freizulassen.  

Endlich frei – dieser Junge aus Südsudan hat dank UNICEF den Ausstieg geschafft und muss nicht mehr als Soldat kämpfen. „Jetzt lebe ich bei meiner Tante – später möchte ich Arzt werden und Menschen helfen.“
© UNICEF/UN028377/Rich

Ohne diese Kollegen wären möglicherweise die 21.000 Kindersoldaten, die 2016 befreit wurden, immer noch in den Fängen solcher Gruppen.

Und nach der Befreiung ist die Arbeit noch längst nicht getan. UNICEF und seine Partner versuchen, die Familien der Kinder zu finden und die Familien wieder zu vereinen. Und auch die anschließende Wiedereingliederung der Kinder in die Gesellschaft ist ein langer, schwieriger Weg.

Dabei spielt übrigens die Schule eine besondere Rolle. Wir unterstützen die Kinder dabei, sich mit Bildung und gemeinsam mit Klassenkameraden wieder eine Perspektive aufzubauen. Wir helfen ihnen, nach vorne zu schauen.

6. Unzählige Kinder würden ihre Familie nie wiedersehen.

Ob durch Krieg oder Naturkatastrophen – jedes Jahr werden tausende Kinder von ihren Familien getrennt. 

Wiedersehen in Südsudan: Nyayjaw, 8, begrüßt ihre kleine Schwester Nyagua zum ersten Mal. Ihre Mutter hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, ihre verloren geglaubte Tochter wiederzufinden. 
© UNICEF/UN014006/Rich

UNICEF nutzt viele Wege, um vermisste Familienmitglieder wieder aufzuspüren: von mobilen Netzwerken bis hin zu detaillierter, aufwendiger Recherche. Das ist beispielsweise in Konfliktgebieten oder nach Naturkatastrophen eine äußerst schwierige Aufgabe.

Doch es lohnt sich! Der Einsatz unserer Kollegen weltweit hat dazu geführt, dass im vergangenen Jahr 21.000 Kinder ihre Familien wieder in die Arme schließen konnten. 

7. Eine der größten Informationsquellen über Kinder ginge verloren.

Eines haben wir über die Jahre gelernt: Werden Probleme nicht genau erfasst und beziffert, bleiben sie häufig ungelöst. 

Gesundheitsaufklärung über das Handy: In Liberia wurden 2014 Teile der Bevölkerung mobil über die Symptome des Ebola-Virus informiert. UNICEF kooperierte dabei mit der Regierung, um Daten auszuwerten und Botschaften zu verschicken. 
© UNICEF/NYHQ2014-1030/Jallanzo

Je genauer eine Regierung oder eine Behörde weiß, welche Kinder wo nicht zur Schule gehen, krank sind oder zu wenig zu essen haben, desto gezielter kann sie Maßnahmen ergreifen, um diesen Kindern zu helfen. Und je präziser sie immer wieder die entsprechenden Daten erhebt, desto präziser kann sie die Wirkung der Hilfsmaßnahmen beurteilen.

Deshalb nutzen wir neue Technologien und ein riesiges Netzwerk an Partnern, um jene Kinder zu finden und zu identifizieren, die besonders benachteiligt sind. UNICEF ist dadurch eine der weltweit wichtigsten Datenquellen für die Situation von Kindern. Ein paar Beispiele? 

  • Während der Ebola-Krise 2014 nutzte UNICEF SMS-Nachrichten, um Daten zu sammeln, Menschen in Liberia zu informieren und unter anderem der Regierung in Sierra Leone Informationen zur Verfügung zu stellen.
  • In Syrien rekrutierte UNICEF 1.200 engagierte Freiwillige für eine Tür-zu-Tür-Kampagne. Das Ziel: Kinder zu finden, die nicht zur Schule gehen, und ihnen dabei zu helfen, wieder lernen zu können. 
  • UNICEF unterstützte die Bildungsbehörden in Burkina Faso, Lesotho und Papua-Neuguinea dabei, mithilfe von mobilen Apps über den Zugang zu Bildungsangeboten zu informieren.

8. Niemand würde sich so sehr und nachhaltig für die Kinderrechte einsetzen.

Die Kinderrechte sind kein abstraktes Konzept. Sie sind sehr konkret festgeschrieben, in der UN-Konvention über die Rechte des Kindes.

1989 – das Jahr der Kinderrechtskonvention: UNICEF-Botschafterin Audrey Hepburn besucht Kinder in Bangladesch und nimmt sie mit auf eine Spritztour. 
© UNICEF/UNI40131/Isaac

Kaum ein Abkommen wurde weltweit schneller und einhelliger ratifiziert als die Kinderrechtskonvention im Jahr 1989. Sie schreibt jedem Kind das Recht zu, zu überleben, sich gesund und gut zu entwickeln. Egal, wo das Kind lebt oder welchen Hintergrund es hat.

UNICEF ist die einzige Organisation, die in der Kinderrechtskonvention ausdrücklich als Vertreter und Experte für die Kinder und ihre Rechte genannt ist.

Wir sind zwar nicht die einzige Organisation, die sich für Kinder einsetzt. Doch UNICEF kommt international eine besondere Rolle zu. Wir sind der öffentliche Fürsprecher für die Kinderrechte. UNICEF besitzt das Mandat, mit Regierungen und Politikern, mit Behörden und der Öffentlichkeit, mit Menschen und Institutionen in den Austausch zu treten – und sie dazu anzuhalten, die Rechte der Kinder zu achten.

Dies ist unsere Hauptaufgabe. Und wir werden nicht aufhören, denjenigen eine Stimme zu geben, die häufig zu wenig gehört werden: Saja aus Syrien, Mohammed aus Somalia, Medina aus Kenia, David aus der Ukraine … und Millionen anderen Kindern auf der Welt, die unter Krieg, Armut oder Not leiden müssen.

Das sind acht gute Gründe, UNICEF zu unterstützen! Finden Sie nicht auch? 

Anmerkung der Redaktion: Dieser Beitrag ist eine Adaption des Blogs unserer australischen UNICEF-Kollegin Rashini Suriyaarachchi, der hier erschienen ist.