Schutz und Unterstützung für geflüchtete Kinder in Deutschland

In den letzten drei Jahren haben etwa 488.000 Kinder und Jugendliche auf der Suche nach Sicherheit, Stabilität und einer besseren Perspektive in Deutschland Asyl beantragt. Viele stammen wie diese syrische Familie aus Bürgerkriegsländern.

Diese Familie aus Syrien sehnt sich nach einem Leben in Sicherheit. Aktuell leben sie in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin.
© UNICEF/DT2016-45762/Ashley Gilbertson/VII Photo

Oft wurde den Jungen und Mädchen bereits vor ihrer Ankunft in Deutschland viel wertvolle Zeit geraubt, weil sie in ihren Heimatländern wegen der unsicheren Situation nicht in die Schule gehen konnten oder weil ihre Flucht lange ungewisse Monate oder gar Jahre dauerte. Viele haben in ihren Heimatländern oder auf der Flucht Schreckliches erlebt. Eine Chance auf eine Kindheit haben sie häufig erst jetzt, hier in Deutschland.    

Geflüchtete Kinder vor Gefahren schützen

Die deutsche Regierung auf allen Ebenen sowie Kommunen, Organisationen und Tausende Freiwillige haben in den vergangenen drei Jahren unter enormen Kraftanstrengungen großartige Arbeit bei der Versorgung der großen Zahl an neu angekommenen geflüchteten und migrierten Menschen geleistet.

Die UNICEF-Studie „Kindheit im Wartezustand“ hat jedoch gezeigt, dass die Bedürfnisse und Rechte der geflüchteten Kinder trotz aller Bemühungen und der stark rückläufigen Zuzugszahlen vielerorts noch nicht im vollen Umfang beachtet werden. Auch ein Jahr nach Veröffentlichung der Studie sind vor allem Mädchen und Jungen, die sich mit ihren Familien in Flüchtlingsunterkünften aufhalten, in einer schwierigen Situation. Sie leben in einer eigentlich nicht für Kinder geeigneten Umgebung – und das oft für viele Monate oder sogar Jahre. Das Zusammenleben mit vielen fremden Menschen auf engem Raum, mangelnde Privatsphäre und fehlende Rückzugsorte, zum Teil problematische hygienische Bedingungen und fehlende Schutzkonzepte haben Auswirkungen auf ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen.

Die teils lange Unterbringung in Flüchtlingsunterkünften kann auch dazu führen, dass der Zugang der Kinder zu Kindergärten und Schulen und die Teilhabe am sozialen Leben der Städte und Gemeinden erschwert sind.

Viele Flüchtlingsunterkünfte sind trostlose Orte, die wenig kindgerecht sind.
© UNICEF/DT2016-45781/Ashley Gilbertson

UNICEF leistet weltweit Hilfe für Kinder in Konflikten und für geflüchtete und migrierte Kinder – vor allem vor Ort in den jeweiligen Herkunftsländern wie Syrien und seinen Nachbarländern, aber auch auf den Flucht- und Migrationsrouten.

Seine langjährige weltweite Erfahrung bei Flüchtlingskrisen und insbesondere die Perspektive der Kinder bringt UNICEF auch in Deutschland ein.

Geflüchtete Kinder schützen: eine gemeinsame Initiative mit der Bundesregierung

2016 haben UNICEF und das Bundesfamilienministerium eine "Initiative zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften" gestartet, um insbesondere Kinder und Jugendliche, aber auch Frauen und Menschen mit Behinderungen und LSBTI* Geflüchtete in den Unterkünften besser zu schützen. Dabei geht es auch darum, ihren Zugang zu Bildungsangeboten und psychosozialer Unterstützung zu verbessern. Die Initiative wird in enger Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden und weiteren Partnern umgesetzt.

Unter dem Dach der Initiative haben die Partner erstmals bundesweit einheitliche Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften entwickelt. Zu den umfassenden Schutzstandards gehört unter anderem, dass alle Einrichtungen Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt ergreifen und alle dort tätigen Menschen entsprechend sensibilisiert werden. Auch die Einrichtung von sogenannten „Kinderfreundlichen Orten“, an denen Kinder Schutz und Halt erfahren und gefördert werden, gehört dazu.

Joudi (11) tanzt bei einem Tag der offenen Tür in der Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Kinder brauchen ein schützendes Umfeld.
© UNICEF/DT2016-45787/Ashley Gilbertson/VII Photo

Seit Beginn der Initiative wurden bundesweit in rund 100 Flüchtlingsunterkünften Koordinatoren und Koordinatorinnen für Gewaltschutz eingestellt, die in enger Abstimmung mit der Leitung der Unterkunft auf die Einrichtungen zugeschnittene Schutzkonzepte erarbeiten und ihre Umsetzung begleiten.

UNICEF schult die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieser Einrichtungen und unterstützt sie bei der Entwicklung der Schutzkonzepte, der Vernetzung untereinander, der Einrichtung von kinderfreundlichen Räumen und der Analyse der erzielten Fortschritte. Zudem engagiert sich UNICEF für eine verbesserte Datenlage zur Situation von geflüchteten Kindern, denn verlässliche Daten und Informationen sind die Voraussetzung dafür, den Kindern wirksam und gezielt zu helfen. Jedes einzelne Mädchen und jeder einzelne Junge hat das Recht auf Schutz, auf eine kindgerechte Umgebung, auf Bildung oder gute Gesundheitsversorgung. Deshalb setzen wir uns auch weiterhin gegenüber Regierung, Politik und Behörden dafür ein, dass die Rechte der geflüchteten und migrierten Kinder in Deutschland umgesetzt werden.

SO HELFEN SIE GEFLÜCHTETEN KINDERN IN DEUTSCHLAND

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Aktuelles zu Flüchtlingskindern

5 Fragen zur Initiative für geflüchtete Kinder

Der frühere Programmkoordinator Detlef Palm berichtet über die Herausforderungen für geflüchtete und migrierte Kinder und die Erfolge der Initiative in Deutschland.

Studie: Flüchtlinkgskinder in Deutschland

In einer neuen Studie stellt UNICEF fest, dass geflüchtete Kinder oftmals sehr lange Zeit in einem Wartezustand verbringen und ihre Rechte oft nur eingeschränkt oder gar nicht gewahrt werden.

Blog-Serie: Kinderrechte sind grenzenlos

Die Situation von Kindern auf der Flucht und in Migration wird oft übersehen. Wir stellen Einzelschicksale aus mehreren Ländern vor, in der Serie "Kinderrechte sind grenzenlos".


Flucht und Migration

Kinder auf der Flucht und in der Migration sollen besser geschützt und gefördert werden. Erfahren Sie mehr über unseren 6-Punkte Plan sowie Programme zur Versorgung und Integration von Mädchen und Jungen.

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