BERG-KINDERTAG IN ARGENTINIEN
Montag, 28. Oktober 2013, 15:27 Uhr
von Kirsten Leyendecker | 0 Kommentare

100 KILO REIS UND 600 SCHNITZEL

Als ich in Los Zazos ankomme, bin ich voller Staub und durchgerüttelt. Von der Provinzhauptstadt Tucumán bis zu diesem Dorf in den Bergen sind es rund 110 Kilometer. Eine Reise durch feuchten Regenwald, immer weiter die Berge hoch bis auf über 3.000 Meter. Eine Stunde sehe ich nichts, es ist wie in einer Waschküche. Einer aus dem Ältestenrat der indianischen Gemeinde beschreibt es mir nachher so: “Wir denken manchmal, wir würden auf einem anderen Stern leben. Man sieht nichts, die Wolken hüllen einen ein, dann geht man drei Schritte und es ist, also ob ein Vorhang aufgezogen würde.” Und so geht es mir auch. Die Wolken verziehen sich und ich schaue in das Calchaquíes-Tal hinunter.

Argentinien: Blick ins Calchaquíes-Tal. | UNICEF Blog

Auf dem Weg bergauf fühlt es sich an wie in einer Waschküche und man sieht nichts mehr. Wenn sich die Wolken verziehen, hat man den Blick ins Tal.
© UNICEF/Argentinien/2013/Leyendecker

Der Renner auf dem Kinderfest: Rodeoreiten

Die Dörfer sind wie Oasen. Grüne Flecken in der Dürre. In einem dieser Dörfer, Los Zazos, findet in diesem Jahr das Kinderfest der Berge statt. Auf einem großen Sportplatz treffen sich rund 600 Kinder mit ihren Familien. Das Angebot ist groß: Töpfern, Trommeln, Armbänder knüpfen, Bücher lesen, Bilder malen, Schminken, Masken basteln und Weben. Dann Bewegungsangebote: Fußball, Tanzen, Hüpfburgen, Trampolin, Kickern und natürlich Rodeo reiten auf einem elektrischen Bullen. Das ist der Renner unter den Jungs. Sie stehen über eine Stunde an, um dann für wenige Minuten, manchmal nur Sekunden auf dem Rücken zu bleiben.

Ehrenamtliche im Einsatz

Die ganze indianische Gemeinde gestaltet den Tag für die Kinder. Bis vier Uhr morgens haben die Frauen 100 Kilo Reis und Hunderte Schnitzel gebraten. Sie haben bei Firmen angefragt, ob sie Spielzeug spenden. Sie haben dafür gesorgt, dass die Busse die Kinder abholen, und unzählige Luftballons aufgeblasen.

Eduardo Nievas betont, wie wichtig diese Angebote sind. Er ist Kazike und vertritt die indianische Gemeinde. Die Kinder und Jugendlichen brauchen dringend andere Angebote als das Internet und das Fernsehen. UNICEF unterstützt das Fest und arbeitet auch sonst eng mit der indianischen Gemeinde zusammen, zum Beispiel bei der Gesundheitsversorgung.

Ehrenamtliche Gesundheitshelfer wie Nilda gehen von Tür zu Tür und beraten die Familien. Sexualkunde wird außerdem in den Schulen unterrichtet. Nilda bestätigt, dass die Zahl der Schwangerschaften unter den Jugendlichen seitdem zurück gegangen ist.

Am Ende des Tages schaue ich in viele zufriedene und müde Kindergesichter. Von Tomás, sieben Jahre, und Iván, zwölf Jahre, möchte ich wissen, was für sie das Schönste an diesem Tag war: “Alles!”, sagen sie zuerst und dann: “El dibujo – das Malen”.

Und was wäre für Sie das Schönste gewesen? Woran hätten Sie am meisten Spaß gehabt?

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