GESUNDHEIT IST EIN GESCHENK
Donnerstag, 12. September 2013, 16:33 Uhr
von Kristina Müller | 0 Kommentare

Dicht an dicht sitzen Frauen und Kinder auf langen Bänken und warten geduldig. Es ist ein Durcheinander aus Stimmen, Kinderweinen, Rufen und Farben. Ich bin in einer Gesundheitsstation in Burundi. Nichts erinnert hier an eine Praxis oder ein Krankenhaus, wie wir es kennen.

Burundi Gesundheitszentrum UNICEF

© UNICEF/Kristina Müller

Zusammen mit der UNICEF-Gesundheitsexpertin Sophie besuche ich Gesundheitszentren in den Provinzen Gitega und Muyinga. Immer bietet sich mir ein ähnliches Bild: Frauen und Kinder, die im Vorraum auf eine Behandlung warten, an den Wänden ausgeblichene Poster mit Hinweisen für Personal und Patienten, beengte Verhältnisse.

Medizinische Versorgung?

Für rund 80 Prozent der Bevölkerung ist eine Gesundheitseinrichtung in weniger als 5 Kilometer Entfernung erreichbar. Aber wenn ich mir vorstelle, dass eine hochschwangere Frau oder eine Mutter mit ihrem kranken Kind im Arm fünf Kilometer über Stock und Stein laufen muss, klingt die Zahl gar nicht mehr so verheißungsvoll. Und was erst bedeutet das für die restlichen 20 Prozent der Bevölkerung? Und dennoch, die Gesundheitsstationen sind gut besucht. Das aber stellt das Gesundheitspersonal vor große Herausforderungen. Bis zu 100 Kinder unter fünf Jahren behandelt er täglich, erzählt mir ein Gesundheitshelfer aus Muyinga.

Seit 2006 sind Medikamente und die ärztliche Behandlung für Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen kostenfrei. Ein wichtiger Schritt. Seitdem ist der Anteil der Geburten, die unter qualifizierter Aufsicht stattfinden, deutlich gestiegen – von 34 Prozent auf 60 Prozent. Aber der Druck auf die Gesundheitszentren hat sich erhöht. Es fehlt an Medikamenten und medizinischem Gerät. Die Einrichtungen sind unterbesetzt und die Helfer häufig schlecht ausgebildet. Nicht selten werden Kinder mit Fieber, bei denen der Malariatest negativ ausgefallen ist, nicht weiter behandelt, erfahre ich.

In Ausbildung und Ausstattung investieren

In dicken Patientenbüchern wird jeder Fall festgehalten. Bei allen Kindern unter fünf Jahren werden die häufigsten Krankheiten abgefragt: zum Beispiel Husten und die Anzahl der Atemzüge als Anzeichen für eine mögliche Lungenentzündung, Fieber und ein Test auf Malaria, Durchfallerkrankung und Gewicht sowie der Ernährungs- und Impfstatus. UNICEF schult das Gesundheitspersonal darin, die Untersuchungen nach diesem umfassenden Schema durchzuführen, um eine bessere Behandlung der kleinen Patienten zu garantieren.

In einem anderen Gesundheitszentrum zeigt uns ein Helfer stolz die Geburtsstation. In dem schlichten Raum, in dem die Mütter ihre Kinder zur Welt bringen, steht ein Entbindungsbett von UNICEF. Auch die nötigen Utensilien wie Nabelschnurklemmen, Scheren, hygienischer Bedarf sowie eine Beatmungsmaske für Neugeborene liegen bereit. Die Impfstoffe lagern in einem Kühlschrank. Nicht alle Zentren sind so gut ausgestattet.

Hilfe für Claria

Im Krankenhaus von Gitega lerne ich die 20-jährige Charlotte kennen. Sie sitzt mit ihrer kleinen Tochter Claria im Arm auf einem Bett der Station für mangelernährte Kinder. Aufgrund einer Infektion am Mund konnte das fünf Monate alte Mädchen nicht mehr trinken und muss nun mit therapeutischer Milch gefüttert werden. Vom Bett nebenan schaut mich der zwanzig Monate alte Jean de dieu interessiert an. Er ist seit knapp zwei Wochen hier und hat sich dank einer umfassenden medizinischen Behandlung und Zusatznahrung gut erholt. Schon bald kann er entlassen werden. Dann bekommt er zu Hause von seiner Mutter für einige Zeit weiterhin die nährstoffreiche Erdnusspaste und muss nur noch einmal im Monat zu einem Gesundheitscheck.

Burundi Mangelernährung UNICEF Gesundheit

© UNICEF/Kristina Müller

In den Gesprächen mit den Helfern wird auch hier schnell deutlich, dass das engagierte Personal des Krankenhauses vor ähnlichen Herausforderungen wie die Kollegen in den Gesundheitszentren steht: zu wenig qualifizierte Fachkräfte, Platzmangel und fehlende Ausstattung. Dennoch – ich habe heute ermutigende Beispiele sehen können, wie UNICEF dazu beiträgt, die medizinische Versorgung der Kinder in Burundi zu verbessern.

Um verstärkt gegen die Kindersterblichkeit in Burundi angehen zu können – und Kindern wie Claria und Jean de dieu zu helfen – braucht UNICEF in Burundi weiterhin Ihre Unterstützung. Danke!

Sie interessieren sich für Burundi und die UNICEF-Arbeit in einem der ärmsten Länder der Welt?Lesen Sie hier alle Berichte von meinem Aufenthalt in Burundi.

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