© UNICEF Syrien

"Ich wünsche mir, dass Syrien wieder so wird, wie es war"

Saja ist eine beeindruckende junge Frau. Sie wächst in Syrien im Bürgerkrieg auf, verliert bei einer Bombardierung ihre besten Freunde und ihr Bein. Trotzdem strahlt sie voller Lebensmut. 2016 haben wir sie zum ersten Mal getroffen – und jetzt 2021 erneut. 

Montag, 15.03.2021, 09:00 Uhr

von Tim Rohde  •  1 Kommentar

WIEDERSEHEN 2021: "WIR MÜSSEN WEITERMACHEN UND UNSERER LEIDENSCHAFT FOLGEN"

Das hat sich nicht geändert: Saja spielt immer noch Fußball. Als wir sie Anfang 2021 besuchen, zeigt sie uns wieder ein paar Tricks. Fünf Jahre ist unser erstes Treffen jetzt her. Damals war Saja zwölf Jahre alt, heute ist sie 18. Ein wichtiger Lebensabschnitt. 

Bei unserem ersten Treffen hatte Saja uns sehr beeindruckt. Sie erzählte uns ihre Geschichte: Vom Bürgerkrieg in Syrien, von den Bomben, vom Verlust ihrer besten Freunde und ihres Beins. Und von ihrem Traum, Gymnastiklehrerin zu werden. Obwohl Saja so viel durchgemacht, so viel verloren hatte, schaute sie mutig in die Zukunft. 

Wie geht es ihr heute? Sehen Sie es selbst im Video. So viel sei verraten: Ihren Traum, Gymnastiklehrerin zu werden hat sie aufgegeben. Aber irgendwie auch nicht. 

Rückblick 2016: "Es ist ein einziger Kampf, aber was soll ich machen?"

Als wir Saja 2016 interviewen, lächelt sie schüchtern, schildert ihre Gedanken, erzählt ihre Geschichte. Doch hin und wieder gerät ihre Erzählung ins Stocken, und ein Ausdruck in den Augen der Zwölfjährigen verrät, dass sie bisher keine normale Kindheit hatte.

Saja ist seit drei Jahren Flüchtling im eigenen Land. Seit drei Jahren ohne festes Zuhause, von ihrer Heimat getrennt. Sie ist eins von Millionen Kindern, die aufgrund des Krieges keine normale Kindheit erleben dürfen.

Saja hat viel verloren, doch nicht ihre Zuversicht

Saja ist alt genug, um sich an die Zeit vor dem Krieg zu erinnern, an die Normalität und das Glück. "Vor dem Krieg konnten wir einfach nach draußen gehen und wussten, dass es sicher ist. Das Leben war wirklich schön."

Doch der Krieg hat ihr Glück beendet – was Saja zu erzählen hat, sollte aus keinem Kindermund zu hören sein. "Meine Freunde wurden getötet, als wir bombardiert wurden: meine Freundinnen Fatima, Zahra, Cedra und Wala’a. Ich habe mein Bein verloren."

Saja hat im Krieg ein Bein verloren

Saja hat im Krieg ein Bein verloren, doch ihre Lebensfreude hat sie nicht verloren. Sie macht weiter mit ihrem Lieblingssport: Fußball.

© UNICEF Syrien

Wie kann ein zwölfjähriges Mädchen derartige Erlebnisse verarbeiten?

Unverdrossen stellt sich Saja ihrem Schicksal. Sie möchte lernen, zur Schule gehen, in ihre Zukunft investieren – und nimmt dafür viele Hürden. "Meine Schule ist weit weg und es ist sehr anstrengend, bis dahin zu gehen. Es ist ein einziger Kampf, aber was soll ich machen?" Sie lacht. "Ich liebe die Schule."

Saja lernt und will zur Schule gehen
© UNICEF Syrien

Und sie ist dem Sport treu geblieben, trotz ihrer Verletzung. Hier findet sie Abwechslung, ein wenig Normalität und auch Spaß. "Wenn ich Fußball spiele, kommt es mir nicht so vor, dass ich etwas verloren habe."

Saja möchte nicht, dass der Krieg ihr auch noch ihre Zukunft nimmt. Saja möchte endlich wieder zurück zur Normalität: "Ich wünsche mir, dass Syrien wieder so wird, wie es war."

10 Jahre Krieg in Syrien: Wie können wir den Kindern helfen?

Syrien soll wieder so werden, wie es war – diesen Wunsch äußerte Saja 2016. Heute, im März 2021, jährt sich der Beginn des Syrien-Konfliktes zum zehnten Mal. Noch immer gibt es keinen Frieden. Sajas Wunsch ist bislang nicht in Erfüllung gegangen. 

Syrische Jungen und Mädchen wie Saja erleben eine Kindheit im Krieg, inmitten von Gewalt, Verlust, Armut. Wie wird aus dieser Kindheit in Trümmern eine Zukunft? Wir von UNICEF sind an der Seite der syrischen Kinder. Lesen Sie hier, wie wir vor Ort in Syrien und den Nachbarländern helfen. Wenn Sie mögen und können, unterstützen Sie die Kinder auch mit Ihrer Spende. Jeder Beitrag macht einen Unterschied. Vielen Dank!

>> Weiterlesen: Hier gibt es alle Beiträge unserer Blog-Serie aus 2015/2016 mit dem Titel "Kindheit kann nicht warten: Flüchtlingskinder erzählen"

* Dieser Beitrag erschien erstmals nach dem ersten Treffen mit Saja im Jahr 2016. Wir haben ihn für Sie nach dem erneuten Treffen Anfang 2021 aktualisiert.

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