AFRIKA: ENTWICKLUNG BEGINNT MIT DEN KINDERN

28. November 2017 von Rudi Tarneden 0 Kommentare

Fast die Hälfte der Bewohner des afrikanischen Kontinents sind Kinder und Jugendliche. Der EU-Afrika-Gipfel in Abidjan muss ihre Chancen in den Blick nehmen.

„Afrika gibt es nicht“, so fasste einmal ein langjähriger Korrespondent seine Erfahrungen auf unserem Nachbarkontinent zusammen. Je näher und intensiver man der vielfältigen Wirklichkeit Afrikas kommt, desto unbrauchbarer sind die verbreiteten Begriffe und Bilder, die darüber kursieren.

Trotzdem – wenn man aus einem Land wie Deutschland kommt, fällt als erstes auf: Afrika ist jung. Fast die Hälfte der Bewohner sind heute Kinder und Jugendliche – so der neue UNICEF-Report "Generation 2030 – Afrika 2.0". Ihre Energie und Kraft sind ein enormes Potenzial – und eine Herausforderung für die Politik.

Afrikas junge Generation mit großem Potenzial

Entwicklung beginnt mit den Kindern: Schulunterricht in einer von UNICEF unterstützen Schule in Somalia.

Schulunterricht in einer von UNICEF unterstützen Schule in Somalia.
© UNICEF/UN060477/Knowles-Coursin

Während wir angesichts unserer stark alternden Bevölkerung nicht wissen, wie wir unseren (im Vergleich zu Afrika extrem hohen) Lebensstandard aufrechterhalten können, birgt dort eine junge Bevölkerung die Chance für Wachstum und Entwicklung, wenn rechtzeitig in ihre Zukunft investiert wird.
So wie in den Industrieländern die Rentensysteme, müssen in Afrika die Bildungs- und Gesundheitssysteme endlich „zukunftsfest“ gemacht werden. Denn bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen zwischen Kapstadt und Kairo um 170 Millionen Mädchen und Jungen zunehmen. Für sie selbst und ihre Heimatländer ist es von entscheidender Bedeutung, ob sie gesund aufwachsen und ihre Fähigkeiten entfalten können.

Bildung für Mädchen und Frauen ist dabei einer der besten Wege, um Armut zu verringern. Frauen, die keinerlei Schulbildung haben, bekommen im Schnitt 6,7 Babys. Frauen, die eine weiterführende Schule besuchen, bekommen nur noch 3,9 Kinder, also etwa halb so viele.

Kinder sind in Afrika oft der einzige Reichtum

Entwicklung beginnt mit den Kindern: Ein Schüler in einer von UNICEF unterstützen Schule.

Heute wissen wir: Gebildete Kinder sind selbstbewusster, werden weniger leicht ausgebeutet und können sich besser vor Krankheiten schützen. 
© UNICEF/UN061099/Knowles-Coursin

Viele Menschen fragen sich – warum bekommen arme Familien eigentlich so viele Kinder? Die Antwort ist ebenso einfach wie kompliziert. Gerade in den ärmsten Ländern und Regionen Afrikas, wo viele Kinder nicht überleben, kommen die meisten Kinder auf die Welt. Sie sind für ihre Eltern die einzige Lebensversicherung, denn auf niemanden sonst können sie sich verlassen, wenn sie einmal krank oder alt sind. Ihr einziger Reichtum sind die Kinder.

Der demografische Wandel auf dem afrikanischen Kontinent muss keine Katastrophe bedeuten, es gibt – so der UNICEF Bericht – auch die Chance für eine „demographische Dividende“: Voraussetzung dafür ist eine Politik, die es ernst meint mit Bildungschancen und Jobs – zusammen mit Investitionen in die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Weichenstellungen hierfür müssen von den afrikanischen Ländern selbst ausgehen – die internationale Entwicklungszusammenarbeit hat die Verantwortung, sie dabei zu unterstützen. Der EU-Afrika-Gipfel ist eine Plattform, darüber auf höchster Ebene zu sprechen.

Wir stehen an einem kritischen Punkt, so die UNICEF-Leiterin für das östliche und südliche Afrika, Leila Pakkala. Werden die Weichen richtig gestellt, könnten Millionen Menschen aus extremer Armut befreit werden, werden Schritte in Richtung Wachstum, Stabilität und Frieden gemacht.

Entwicklung in Afrika beginnt mit Kindern

Konkret heißt das: In den nächsten Jahren müssen in Afrika 4,2 Millionen Gesundheitshelferinnen und -helfer und 5,8 Millionen Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet werden. Mädchen müssen vor Gewalt, Ausbeutung und frühen Ehen geschützt werden.

Entwicklung in Afrika, so der UNICEF-Report, beginnt mit Kindern. Eine einfache Botschaft. Ob wir sie hören, bevor Hoffnungslosigkeit und Instabilität die Oberhand gewinnen, hat weitreichende Folgen.

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