UNICEF-HEROES – HELDEN FÜR KINDER WELTWEIT
Mittwoch, 8. Februar 2017, 09:45 Uhr
von Silke Fröndhoff | 0 Kommentare

Diese Frau hat mich wirklich beeindruckt: Seema Al Zibdeh ist Kinderschutzexpertin bei UNICEF in Jordanien.

Ich habe sie vor einigen Monaten im Flüchtlingscamp Azraq kennengelernt und möchte sie Ihnen gerne vorstellen. Was mich an ihr so fasziniert hat? Vermutlich war es ihre Entschlossenheit und Kraft, Dinge in die Hand zu nehmen und das Leben von Flüchtlingskindern dauerhaft verändern zu wollen. Das finde ich großartig.

UNICEF-HEROES: Kinderschutzexpertin Seema im Flüchtlingscamp

© UNICEF/DT2016-52105/Silke Fröndhoff

Seema setzt sich für die Rechte der Flüchtlingskinder ein

Seema ist 35 Jahre alt. Sie wurde in Kuwait geboren und zog nach dem Zweiten Golfkrieg (1990-1991) mit ihrer Familie nach Jordanien. Für UNICEF arbeitet sie seit Juli 2013 und sorgt dafür, dass die Rechte der Flüchtlingskinder in den Flüchtlingslagern Azraq- und Emirati-Jordanian-Camp geschützt werden. Beide liegen rund 100 km nordöstlich von der Hauptstadt Amman entfernt.

Kinderschutzexpertin im Flüchtlingscamp Azraq

Im Flüchtlingslager Azraq leben aktuell über 35.000 syrische Flüchtlinge, mehr als die Hälfte sind Kinder. Das Camp wurde Ende April 2014 eröffnet und kann bis zu 100.000 Menschen aufnehmen. UNICEF arbeitet dort mit sieben Partnerorganisationen zusammen.Ich habe mit Seema darüber gesprochen, was sie für UNICEF genau macht, was sie antreibt und was ihre ganz persönlichen Helden sind.

1) Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Ich pendele etwa dreimal die Woche zwischen Azraq und der Hauptstadt Amman. Wenn ich morgens in Azraq eintreffe, setze ich mich zuerst mit den UNICEF-Kollegen zusammen. Wir besprechen, welche Makani-Zentren (Erklärung – siehe unten), Schulen oder kinderfreundliche Orte wir im Flüchtlingscamp besuchen wollen. Ich bin dafür verantwortlich, dass alle geplanten Kinderschutzaktivitäten entsprechend der UNICEF-Kriterien umgesetzt werden. Bei unseren Besuchen prüfen wir, was fehlt und wo wir ansetzen müssen. Wir bringen alle zusammen, die sich um das Thema Kinderschutz kümmern, dazu gehören auch die Eltern und Lehrer, Gemeindevertreter, aber auch die Kinder und Jugendlichen selbst.

2) Was heißt Kinderschutz im Flüchtlingscamp?

Kinder, die alleine aus Syrien geflohen sind und diejenigen, die von ihren Familien in jordanischen Gastgemeinden getrennt wurden, benötigen besonders unsere Unterstützung. Sie werden zuerst im Aufnahmebereich des Flüchtlingscamps registriert. Danach dokumentiert ein Sozialarbeiter die wichtigsten Informationen. Es dauert eine Weile bis die Flüchtlingskinder den Aufnahmebereich wieder verlassen können. Auch währenddessen kümmern wir uns um sie. Zusammen mit unseren Partnern bieten wir z.B. Taekwondo an, bei den Mädchen kommen Zumba-Kurse gut an.

UNICEF-HEROES: Kinderschutzexpertin Seema mit Mädchen aus Azraq

© UNICEF/DT2016-52106/Silke Fröndhoff

Wir setzen uns auch gegen Kinderarbeit in den Camps ein. Sie hat im Azraq-Camp zugenommen. Man sieht zum Beispiel Kinder, die mit Schubkarren Einkäufe für ihre Auftraggeber transportieren. Zusammen mit unseren Partnern sorgen wir für Lernangebote und laden die Kinder ein, in den Makani-Zentren vorbeizuschauen. Dort können sie unter anderem Fußball spielen oder an Sportturnieren teilnehmen. Wir können die Kinder nicht zwingen, nicht mehr zu arbeiten. Aber wir versuchen sie und ihre Eltern davon zu überzeugen, wie wichtig Schule und Bildung ist.

UNICEF-HEROES: Fußballspielen im Makani-Kinderzentrum

© UNICEF/DT2016-52107/Kerstin Schönenborn

Eine weitere Gruppe, die wir in den Blick nehmen sind Mädchen, die früh verheiratet werden. Kinderehen sind für syrische Flüchtlinge nichts Ungewöhnliches, sondern Teil ihrer Kultur. Kinder werden häufig schon mit 14 Jahren verheiratet. Das passiert auch im Flüchtlingslager Azraq, aber die Zahl ist relativ gering. UNICEF klärt zusammen mit seinen Partnern in Schulen und Makani-Zentren über die damit verbundenen Gesundheitsrisiken und die Rechte der Kinder auf.

3) Was hat sich im Flüchtlingscamp Azraq seit 2014 geändert?

Alles! Am Anfang war es sehr bedrückend für die Flüchtlinge, in der Wüste leben zu müssen und auch für uns Helfer war der Start nicht einfach.

Das Flüchtlingscamp wirkte trostlos und es dauerte lange bis sich etwas änderte. Aber jetzt ist es viel lebendiger. Es wurden sogar lokale Märkte eröffnet. Mit der Zeit haben sich die Menschen immer mehr angepasst und die meisten versuchen, mit ihrer Situation positiv umzugehen. Die Flüchtlinge nutzen die Angebote im Camp und für die meisten von ihnen hat die Bildung ihrer Kinder Priorität.

4) Was war dein schönstes und was dein traurigstes Erlebnis im Camp?

Eines der schönsten Erlebnisse ist für mich, zu den Abschlussfeiern in den Makani-Zentren zu gehen. Alle Mädchen und Jungen, die dort etwas gelernt haben und einfach wieder Kind sein durften, sind so stolz und glücklich. Sie brennen darauf, uns zu zeigen, was sie in den letzten Monaten alles gemacht haben. Ich bekomme jedes Mal eine richtige Gänsehaut und bin glücklich darüber, dass wir mit unserer Arbeit für die Kinder etwas bewegen können.Es bedrückt mich, wenn ich die Wünsche der Kinder, zum Beispiel nach einem Paar Schuhe, Kleidung oder sogar Nahrungsmitteln nicht erfüllen kann. Ich bin selbst Mutter und kann nachfühlen, was das für sie bedeutet. Dennoch freue ich mich darüber, was wir gemeinsam mit unseren Partnern erreichen können. Im Winter gehört zum Beispiel die Versorgung mit warmer Kleidung dazu.

5) Wer ist dein persönlicher Held oder deine persönliche Heldin?

Meine Mutter ist meine persönliche Heldin. Sie ist eine echte Kämpferin und hat sehr gelitten, da sie als junge Frau zwangsverheiratet wurde. Wenn es mir nicht gut geht, denke ich daran, was sie durchleben musste. Das gibt mir die Kraft, weiterzumachen. Für mich ist meine Familie mein Ein und Alles und ich liebe meine Arbeit für den Kinderschutz. Ich möchte eine starke Kämpferin für die Menschenrechte sein und es war schon immer mein Traum, für die Vereinten Nationen zu arbeiten. Dabei liegen mir die Flüchtlingskinder am Herzen, die ganz besonders benachteiligt sind. Sie über ihre Rechte aufzuklären und etwas für sie zu bewegen, macht mich glücklich.

6) Gibt es etwas, das Du Kindern und Jugendlichen in Deutschland sagen möchtest?

Der Nahe Osten wird aufgrund der Flüchtlingssituation als Krisenregion empfunden, doch die Kinder und Jugendlichen hier haben Träume, genau wie Kinder und Jugendliche überall. Wie alle Kinder spielen sie gern, wollen etwas lernen und etwas erreichen. Sie wünschen sich, dass sich ihre Träume erfüllen. Es ist unsere Aufgabe, sie dabei zu unterstützen.

„Makani – My Space“ für Flüchtlingskinder

UNICEF hat das „Makani-My-Space“-Programm entwickelt, um syrische Flüchtlingskinder und andere benachteiligte Kinder besser zu unterstützen. „Makani“ ist arabisch und heißt auf Deutsch „Mein Ort“. Die Makani-Zentren sind Lernzentren, in denen Kinder auch psychosozial betreut werden. In Jordanien gibt es aktuell 220. In einem Zentrum können etwa 200 Kinder lernen und über 500 Mädchen und Jungen werden psychosozial betreut (Stand: Januar 2017). Die jordanische Regierung erlaubt syrischen Flüchtlingskindern zwar den Zugang zu staatlichen Schulen in den Gemeinden. Aber diese Gastgemeinden haben oft zu wenig Lehrer und keinen Platz, um alle Kinder aufzunehmen.

Das tut UNICEF konkret:

  • UNICEF bildet die Sozialarbeiter in den Makani-Zentren aus und unterstützt die Lehrerausbildung. Die Sozialarbeiter bieten betreute Sport- und Spielaktivitäten an. Sie unterstützen die Kinder so dabei, ihre schrecklichen Kriegserlebnisse besser verarbeiten zu können.
  • UNICEF bildet die Makani-Mitarbeiter auch in so genanntem „Life Skills Training“ aus. Es vermittelt den Kindern und Jugendlichen Selbstbewusstsein, praktische Fertigkeiten und hilft ihnen, ihr Leben trotz aller Schwierigkeiten selbst in die Hand zu nehmen.

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