HUNGERSNOT, ERNÄHRUNGSKRISE, MANGELERNÄHRUNG – WAS IST DAS?

22. Februar 2017 von Ninja Charbonneau 0 Kommentare

Für Teile Südsudans wurde vor wenigen Tagen offiziell eine Hungersnot erklärt.

Auch in anderen Ländern Afrikas wie Nigeria und Somalia sowie im Jemen herrscht eine Hungerkrise. Insgesamt sind laut UNICEF in diesen vier Ländern aktuell 1,4 Millionen Kinder lebensbedrohlich mangelernährt. Was genau bedeutet das und wie können wir diesen Kindern helfen?

Wann spricht man von einer Hungersnot?

Im Alltag sprechen wir von „Hungersnot“, wenn in einer Region viele Menschen nichts mehr zu essen haben. Aber offiziell wird eine Hungersnot von der jeweiligen Regierung eines Landes nach bestimmten Kriterien erklärt. Sie kann sich dabei auf die Einschätzung einer internationalen Arbeitsgruppe nach den sogenannten „IPC-Phasen“ berufen. IPC steht für „Integrated Food Security Phase Classification“.

Auf dieser Skala für Ernährungssicherheit werden fünf Stufen unterschieden, die von Phase eins „Minimal“ über „Strapaziert“ (Englisch: Stressed), „Krise“ (Crisis), „Notsituation“ (Emergency) bis hin zu Phase fünf „Hungersnot“ (Famine) reichen. Da sich der Prozess langsam vollzieht, werden heraufziehende Hungersnöte oftmals erst spät wahrgenommen - wenn es für viele Kinder schon zu spät ist.

Bei einer Hungersnot fehlen mindestens jedem fünften Haushalt nahezu vollständig Lebensmittel und / oder andere lebenswichtige Dinge wie Trinkwasser. Zahlreiche Menschen hungern und sterben. Das ist aktuell in Teilen des Südsudan (Unity State) der Fall. Zu den Kriterien gehört zum Beispiel auch, dass mehr als 15 Prozent der Kinder in einem Gebiet an schwerer akuter Mangelernährung leiden. In einigen Hungergebieten im Südsudan liegt der Anteil dieser Kinder derzeit bei über 30 Prozent.

Aber auch ohne eine offizielle Hungersnot sind Kinder in großer Gefahr: Allein in den vier Ländern Jemen, Nigeria, Somalia und Südsudan droht insgesamt 1,4 Millionen Kindern der Hungertod. Auch in anderen Ländern Afrikas sind durch eine Mischung aus Konflikten, schweren Dürren und Wirtschaftskrisen hunderttausende Kinder lebensbedrohlich mangelernährt.

Leider ist es häufig so, dass eine Krise erst mit der Erklärung einer Hungersnot die nötige Aufmerksamkeit von Medien und Spendern bekommt – wenn es für viele Kinder schon zu spät ist. UNICEF ist auch bei „stillen Krisen“ vor Ort und hilft den Kindern.

2100 Tütchen Mikronährstoff-Pulver
350 Päckchen Erdnusspaste gegen Mangelernährung
acht Babywaagen zur Gewichtskontrolle

Wann gilt ein Kind als mangelernährt?

Als akut mangelernährt gelten Kinder, deren Körpergewicht unter 80 Prozent des für ihr Alter angemessenen Gewichts liegt. Beträgt das Gewicht weniger als 70 Prozent, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung.

Ursache von Mangelernährung ist chronischer Mangel an Nahrungsmitteln, aber auch an Vitaminen und lebenswichtigen Spurenelementen. Mangelernährung hat weit reichende Folgen. Da die Verdauung beeinträchtigt wird, können die Kinder nicht mehr normal essen. Die Nahrung wird nicht richtig vom Körper aufgenommen. Dadurch werden die Kinder ab einem gewissen Punkt immer schwächer. Mangelernährte Kinder sind anfälliger für Krankheiten wie Durchfall, Masern und Lungenentzündung.

Häufiges Kranksein wiederum zehrt ihren Körper weiter aus – ein Teufelskreis. Das Risiko, dass ein schwer mangelernährtes Kind stirbt, ist neunmal so hoch wie bei einem gesunden Kind.

Auch „moderate“, chronische Mangelernährung kann schwere Folgen haben: Wenn ihnen dauerhaft wichtige Nährstoffe fehlen, können die Kinder sich nicht richtig entwickeln und werden in ihrer gesamten geistigen und körperlichen Entwicklung geschädigt.

Wie kann man Kinder vor dem Verhungern retten?

Die gute Nachricht ist: Wird die Mangelernährung rechtzeitig erkannt und behandelt, haben die Kinder sehr gute Chancen, zu überleben und wieder gesund zu werden. UNICEF sorgt in Krisensituationen weltweit dafür, dass der Ernährungszustand von möglichst vielen Kindern überprüft wird – das geht zum Beispiel ganz leicht, indem man mit einem Maßband den Umfang des Oberarms misst. Zeigt das Maßband rot, muss das Kind sofort behandelt werden.

Hungersnot: Ein mangelernährtes Kind in Nigeria

In einem von UNICEF unterstützen Gesundheitszentrum im Nordosten Nigerias  wird der Umfang des Oberarms der mangelernährten Fanne Saleh, 1, gemessen. 
© UNICEF/UN028417/Esiebo

Dafür setzt UNICEF erfolgreich therapeutische Zusatznahrung ein, vor allem angereicherte Spezialmilch und Päckchen mit sehr energiehaltiger Erdnusspaste. Schon nach wenigen Tagen geht es den meisten Kindern damit deutlich besser.

Was ist therapeutische Zusatznahrung?

Die therapeutische Zusatznahrung ist so zusammengesetzt, dass schwer mangelernährte Kinder diese Nahrung auch im extrem ausgezehrten Zustand essen, schlucken und verdauen können. Sie enthält zudem lebenswichtige Vitamine und Mineralien, damit die Kinder wieder zu Kräften kommen.

Hungersnot Südsudan: Milch wird zum Verzehr vorbeireitet

Ein Kind erhält Spezialmilch im Südsudan. Diese enthält zudem lebenswichtige Vitamine und Mineralien, damit die Kinder wieder zu Kräften kommen.
© UNICEF/UN053456/Gonzalez Farran

Sehr junge und sehr geschwächte Kinder erhalten therapeutische Spezialmilch, die über einen Nasenschlauch oder mit einem Löffel in kleinen Portionen verabreicht wird. Manche Kinder müssen gleichzeitig zum Beispiel gegen Durchfall oder Malaria behandelt werden.

Wenn es den Kindern etwas besser geht, bekommen sie eine angereicherte Erdnusspaste. Die Erdnusspaste ist in kleinen Portionen verpackt, lange haltbar und kann direkt aus den Päckchen gefüttert werden. Wenn die Kinder nicht in einem kritischen Zustand sind, können die Eltern die Päckchen vom Ernährungszentrum mit nach Hause nehmen und ihre Kinder zu Hause versorgen. Die mangelernährten Mädchen und Jungen erhalten die therapeutische Nahrung in der Regel einige Wochen lang, bis sich ihr Gewicht stabilisiert hat. Während dieser Zeit werden sie weiterhin regelmäßig medizinisch untersucht.

Hungersnot: Ein Baby wird mit Erdnusspaste gefüttert

Die Erdnusspaste ist in kleinen Portionen verpackt, lange haltbar und kann direkt aus den Päckchen gefüttert werden.
© UNICEF/UN034405/Rich

Therapeutische Zusatznahrung sollte nur in Fällen von schwerer Mangelernährung verwendet werden. Sie ist eine Behandlung für stark geschwächte Kinder und kein Ersatz für gesunde Ernährung.

Bringt diese Hilfe überhaupt etwas?

Ja, die Hilfe bringt viel! Es ist frustrierend, dass es überhaupt so weit kommen konnte und eine Hungersnot erklärt werden musste. Die aktuellen Krisen sind vor allem von Menschen gemacht: Im Jemen, in Nigeria, in Somalia und im Südsudan haben Konflikte und Gewalt die ohnehin schon schwierige Situation der ärmsten Familien verschärft, weil sie zum Beispiel ihre Felder nicht bestellen konnten. Wegen der Sicherheitslage haben Helfer auch häufig keinen Zugang zu allen Menschen in Not. Nicht zuletzt ist es schwierig, für Kinder in Ländern Spenden zu sammeln, wenn über ihre Situation wenig berichtet wird.

Hungersnot: Kinder leiden Hunger im Jemen

Gleichzeitig muss die langfristige Hilfe weitergehen, um die Kinder besser vor künftigen Krisen zu schützen. Hier wird gerade ein kleiner Junge im Jemen von einem UNICEF-Helfer untersucht.
© UNICEF/UN050302/Al-Zikri

Die Kinder können nichts für diese Krisen – wir müssen alles tun, zu verhindern, dass sich eine Katastrophe wie 2011 am Horn von Afrika wiederholt. Wir tun bereits sehr viel: Im Südsudan haben wir 2016 beispielsweise 180.000 schwer mangelernährte Kinder unter fünf Jahren behandelt, so viele wie nie zuvor. Aktuell bauen wir die Nothilfe aus und brauchen dafür dringend Unterstützung! 

Gleichzeitig muss die langfristige Hilfe weitergehen, um die Kinder besser vor künftigen Krisen zu schützen. Wussten Sie übrigens, dass die weltweite Kindersterblichkeit in den vergangenen 20 Jahren mehr als halbiert wurde? Flächendeckende Impfungen und auch der Einsatz von therapeutischer Zusatznahrung haben dazu beigetragen. Es gibt also auch Erfolge, auf denen wir aufbauen können.

Hunger in Afrika: UNICEF-Helferin untersucht Kleinkind auf Mangelernährung

UNICEF-Ernährungsexpertin Aishat Abdullahi untersucht den sieben Monate alten Umara, der schwer mangelernährt ist. Mit UNICEF-Erdnusspaste wird er langsam therapiert.
© UNICEF/UN041140/Vittozzi

Wie kann ich helfen?

Schon kleine Beträge können helfen, Leben zu retten: Die vierwöchige Behandlung eines schwer mangelernährten Kindes im südlichen Afrika kostet zum Beispiel durchschnittlich etwa 120 Euro – das sind rund vier Euro pro Tag. Jeder Beitrag zählt!
Die nächsten Tage und Wochen entscheiden über das Leben von Hunderttausenden Kindern. Bitte helfen Sie mit! Sie können einmalig spenden oder als UNICEF-Pate dauerhaft überall dort helfen, wo die Kinder gerade in größter Not sind. Danke!

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