MATS HUMMELS IN MALAWI: „JEDES KIND SOLLTE GESUND UND SICHER AUFWACHSEN KÖNNEN.”

23. November 2017 von Claudia Berger 2 Kommentare

Es ist seine erste Reise als UNICEF Botschafter: Mats Hummels besucht Malawi. Heute ruft der Fußballstar beim „RTL-Spendenmarathon“ zu Spenden auf!

Mats Hummels besucht Malawi.

© UNICEF/Claudia Berger

Malawi, das Land im Süden Afrikas, leidet unter extremem Klima, Dürren und Armut. Mats Hummels möchte sich ein eigenes Bild machen: Wie geht es den Kindern, besonders in den ärmeren, ländlichen Regionen? Was sind ihre größten Herausforderungen?

Für den UNICEF-Botschafter wird es ein bewegendes Erlebnis. Er lernt unter anderem die zehnjährige Regina kennen und erfährt, was es bedeutet, täglich ums Überleben kämpfen zu müssen.

Reginas Alltag

In einem kleinen Dorf nahe der Hauptstadt Lilongwe trifft der Fußballstar Regina. Einige Stunden lang begleitet er sie durch ihren Alltag – und erfährt vieles über ihre Sorgen und Nöte… und ihre Wünsche.

Reginas größter Traum ist es, irgendwann einmal Lehrerin zu sein. Ein Traum, der im Moment in weiter Ferne liegt, denn Regina musste die Grundschule bereits in der ersten Klasse verlassen.

Regina und Mats Hummels kommen ins Gespräch.

Zaghaftes Kennenlernen: Regina und Mats Hummels kommen ins Gespräch.
© UNICEF/Claudia Berger

Im Gespräch mit dem fremden Gast ist Regina zunächst schüchtern, doch nach und nach gibt das Mädchen mehr von sich preis. „Meine Mutter starb, als ich gerade angefangen hatte, zur Schule zu gehen“, erzählt sie mit leiser Stimme. „Ich würde sehr gerne wieder zur Schule gehen. Jeden Morgen machen sich meine Freunde hier im  Dorf auf den Weg, nur ich bleibe hier.“

Seit dem Tod ihrer Mutter lebt Regina bei ihrer dementen Großmutter, die mit der Betreuung leider völlig überfordert ist. „Sie verlässt jeden Morgen das Haus und kommt abends zurück – mit nichts in den Händen. Manchmal kommt sie sogar überhaupt nicht nach Hause, und ich bin die Nacht über alleine“, berichtet Regina.

Die beiden wohnen in einer winzigen Hütte, in der sich ein Erwachsener kaum ausstrecken kann. Es gibt kein einziges Möbelstück, Regina schläft auf dem nackten Boden. Die wenigen Habseligkeiten ihrer Großmutter sind an der Decke aufgehängt. Regina besitzt nur, was sie auf dem Leib trägt. In der Hütte gibt es kein Fenster und auch keine Tür.

Regina und Mats spielen Fußball.

Auch wenn der Alltag schwer ist – ein bisschen Fußball spielen möchte auch Regina gerne.
© UNICEF/Claudia Berger

Kampf ums Überleben

Mats Hummels ist bewegt von Reginas Geschichte – im Gespräch erfährt er noch mehr über ihre Situation. Es gibt noch einen Onkel, der manchmal nach Regina schaut. Doch auch er muss hart darum kämpfen, seine eigenen Kinder zu versorgen, und kann sie kaum unterstützen.

„Meine beiden älteren Schwestern haben sehr früh geheiratet und mit sich selbst zu tun. Manchmal besuche ich sie und frage, ob sie mich irgendwie unterstützen können, aber sie sagen mir immer, dass sie selbst genug Probleme hätten. Jetzt verlasse ich mich nur noch auf den guten Willen der Dorfbewohner, um zu überleben”, sagt sie.

Die nächste Wasserstelle ist weit entfernt und ungeschützt – kein sauberes Trinkwasser. Regina muss den schweren Wassereimer über einen langen, beschwerlichen Weg kilometerweit in ihre Hütte schleppen.

Heute hat Regina Hilfe: Mats Hummels trägt den 15 Kilo schweren Eimer für sie von der trüben Wasserstelle durch die Hitze nach Hause – und kommt schnell ins Schwitzen: „Allein das Wasserholen in dieser Hitze war für mich als Leistungssportler schon anstrengend. Es ist Wahnsinn, was Regina täglich leisten muss. Es fehlt ihr einfach an allem, was für uns selbstverständlich ist”, sagt er betroffen.

Heute trägt Mats Hummels Reginas schweren Wassereimer.

Diese Hilfe hat Regina üblicherweise leider nicht – heute jedoch trägt Mats Hummels ihren schweren Wassereimer.
© UNICEF/Claudia Berger

Hoffnung für die Zukunft

Auch wenn ihr letzter Schulbesuch schon zwei Jahre her ist, hat Regina ihren großen Traum noch nicht aufgeben. Richtig lesen und schreiben zu lernen ist ihr großer Wunsch.

„Ich habe einen Freund, der mir das Lesen und Schreiben beibringt“, sagt sie. „Ich kann jetzt schon ein bisschen schreiben, aber ich habe immer noch Probleme, Texte auf Englisch zu lesen.“

Hoffnungsvoll fügt sie hinzu: „Wenn ich jemanden finde, der mir mit Schulmaterial und einer Schuluniform hilft, werde ich vielleicht bald wieder zur Schule gehen.“

UNICEF unterstützt die Bildungsbehörden in Malawi dabei, Schulen und Schulkinder auszustatten und die Situation für Kinder wie Regina insgesamt zu verbessern. Dazu gehört beispielsweise, für die Dorfgemeinden Lernmaterial zu beschaffen, Klassenräume, getrennte sanitäre Einrichtungen und Wasserspeicher zu bauen sowie Schulgärten und kleine Bibliotheken einzurichten.

TREFFEN MIT ESTHER, 12

Esther Domoya,12, aus Malawi.

© UNICEF/Claudia Berger

Auch die nächste Begegnung zeigt, welche Bedeutung die Schule für die Zukunft und Perspektive der Kinder in Malawi hat: Mats Hummels trifft die zwölfjährige Esther Domoya.

Mats Hummels und Esther lernen sich kennen.

© UNICEF/Claudia Berger

Das Mädchen besucht die fünfte Klasse der örtlichen Grundschule. Ihre zwei Brüder Pangawawi (9) und Gacien (7) gehen ebenfalls dort zur Schule, die jüngere Schwester Agnes (3) ist zu Hause bei den Eltern.

Esther im Kreise ihrer Familie.

Die 12-jährige Esther im Kreise ihrer Familie – die Schule ist glücklicherweise gar nicht weit weg.
© UNICEF/Claudia Berger

Esther lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf, nicht weit von ihrer Schule entfernt. Durch den kurzen Schulweg verpasst sie kaum eine Schulstunde. Im Gespräch mit dem fremden Gast erzählt sie viel über ihre Leidenschaft für Bildung.

„Ich liebe es, zur Schule zu gehen. Ich finde die Lehrer gut. Die nehmen sich richtig Zeit, uns alles zu erklären. Ich möchte gerne lernen, vor allem Englisch, mein Lieblingsfach. Wenn ich groß bin, möchte ich richtig gut Englisch können“, erklärt Esther motiviert.

Lernen unter Bäumen

Trotz aller Begeisterung fürs Lernen – der Zustand von Esthers Schule stellt ein Problem dar und die Schüler immer wieder vor große Herausforderungen.

„Leider gibt es nicht genug Klassenräume und nicht genug Toiletten”, klagt Esther. „Für die meisten Schüler findet der Unterricht im Freien unter Bäumen statt, und wenn es regnet, müssen wir wieder nach Hause gehen. Dieses Jahr hat es einmal so viel geregnet, dass wir für eine ganze Woche zu Hause bleiben mussten. Das war schrecklich für mich, weil ich so viele Dinge verpasst habe. In dieser Zeit hätte ich so viel lernen können!”

Mangelhafte Sanitäranlagen

Esther kommt jetzt ins Teenagealter. Das Bewusstsein für ihren Körper verändert sich, und sie braucht eine geschützte Privatsphäre. Esther wünscht sich richtige Sanitäranlagen. In ihrer Schule gibt es nur einige wenige Grubenlatrinen – viel zu wenig für die insgesamt 1.354 Schüler.

Die Schule braucht neue Räumlichkeiten.

Hier besteht Nachholbedarf: Esthers Schule braucht dringend neue Räumlichkeiten.
© UNICEF/Claudia Berger

Die meisten Kinder müssen in das umliegende Gebüsch ausweichen, um sich zu erleichtern. Dort sind sie nicht geschützt – ein großes Problem, besonders für die jungen Mädchen. Auch Esther fürchtet sich sehr davor: „Wenn ich ins freie Gelände gehen muss, weil die Latrinen belegt sind, habe ich ständig Angst, dass ich vergewaltigt werde. Meiner Freundin ist das vor einiger Zeit passiert. Ich habe sehr große Angst davor. Dann wäre mein Leben zerstört.“

Eine Vorstellung, die Mats Hummels schaudern lässt: „Die Schüler hier brauchen dringend vernünftige Räumlichkeiten und hygienische Bedingungen, damit sie lernen und gesund bleiben können. Wie wir selbst als Kinder aufgewachsen sind, das wünschen wir anderen Kindern doch ebenso.“

Kein fließendes Wasser

Damit hören die Herausforderungen noch nicht auf, wie Esther berichtet: „Ein weiteres Problem ist, dass wir keine Wasserstelle direkt an der Schule haben. Die Wasserpumpe wurde in der letzten Regenzeit durch Vandalismus zerstört. Wenn wir Durst haben, müssen wir jetzt immer ins nächste Dorf gehen, um dort Wasser zu holen. Dadurch verpassen wir den Unterricht.“

Mats Hummels hört aufmerksam den Schilderungen eines UNICEF-Mitarbeiters zu.

Was passiert, wenn die Wasserpumpe kaputt ist? Mats Hummels hört aufmerksam zu.
© UNICEF/Claudia Berger

Zukunftsvorstellungen

Was wünscht sich Esther am meisten? „In der Schule meiner Träume gibt es genug Klassenräume und genug Toiletten. Die Schule sieht schön aus. Das würde mir helfen, dass meine Berufswünsche später einmal in Erfüllung gehen.“

Fragt man sie nach ihren Plänen für die Zukunft, lächelt Esther und sagt: „Ich will Ärztin werden. Ich möchte den Kranken helfen, und außerdem wird der Job gut bezahlt. Wenn ich gut bezahlt werde, kann ich meiner Familie helfen.“

Wie geht es für Esther weiter?

Esther hat große Wünsche und Träume für die Zukunft – doch die Gegenwart sieht düster aus. Esthers Familie kommt kaum über die Runden. Das kleine Haus ist gemietet. Es gibt kaum Möbel. Esthers Mutter Erube (28) verkauft frittiertes Gebäck, um zum Familienunterhalt beizutragen, der Vater Clement (31) arbeitet als Fahrradkurier und erledigt Taxi- und Paketdienste – wenn es einen Auftrag gibt.

Oft genug ist kein Geld da, dann fällt das Frühstück oder Abendessen für Esther und ihre Geschwister aus. „Wenn ich von der Schule komme, esse ich, helfe meiner Mutter im Haushalt und danach mache ich meine Hausaufgaben.“ Esther findet es ganz selbstverständlich, dass sie mit anpackt. „Das gehört einfach dazu“, erklärt sie schlicht.

Ihr Vater hat nie eine Schule besucht. „Das fehlt mir“, bedauert er, „weil ich viele Dinge nicht kann. Umso wichtiger ist es, dass alle meine Kinder zur Schule gehen.“

Esthers Mutter ist sehr stolz auf ihre Tochter, da sie eine gute Schülerin ist und viel im Haushalt hilft. „Ich ermutige sie immer, wenn sie mal einen Durchhänger hat. Ich weiß, wie wichtig Bildung ist.“

Optimistischer Blick in die Zukunft: Esther möchte Ärztin werden.

Optimistischer Blick in die Zukunft? Esther möchte weiter lernen: „Ich will Ärztin werden!“
© UNICEF/Claudia Berger

SPENDEN SCHAFFEN PERSPEKTIVEN

Mats Hummels haben die Begegnungen mit Regina und Esther beeindruckt. Für ihn steht fest, dass er Kinder wie sie auch weiterhin so gut wie möglich unterstützen möchte.

„Wenn man hier vor Ort ist und die Menschen kennenlernt, sieht man einiges aus einem anderen Blickwinkel. Mir persönlich ist klar geworden, wie sehr diese Kinder ganz einfach auf Unterstützung angewiesen sind. Jede Spende, die hier in solche Bildungsprojekte in Malawi fließt, ist nicht nur eine große Hilfe für diese Kinder. Es ist eine Investition in die Zukunft der ganzen Region!“

Beim heutigen RTL-Spendenmarathon werden Spenden für Kinder in Not gesammelt. Helfen Sie mit!

Claudia Berger mit Mats Hummels in Malawi.

Mit Mats Hummels unterwegs in Malawi: UNICEF-Kollegin Claudia Berger.
© UNICEF Malawi

KOMMENTARE

  • anonym
    29. November 2017 13:31 Uhr

    Liebe Suse,

    vielen Dank für deinen Kommentar und dein Interesse an dem Schicksal von Regina.

    Die Geschichte von Regina macht wirklich betroffen. In Malawi gibt es sehr viele Kinder mit einem ähnlichen Schicksal, oft weil sie ihre Eltern durch Aids verloren haben. UNICEF richtet Anlaufstellen ein und unterstützt diese Mädchen und Jungen, damit sie zur Schule gehen können und medizinisch versorgt werden.

    In den nächsten Tagen bekomme ich weitere Informationen, wie es Regina geht.

    Bitte schau nochmal in den Kommentarbereich.

    Viele Grüße,
    Claudia

  • anonym
    25. November 2017 11:25 Uhr

    Es wäre wichtig, für junge Mädchen wie Regina geeignete Schulinternate, Kinderheime oder Pflegefamilien zu finden.
    So dass sie eben nicht den ganzen Tag alleine, ohne Begleitung im Dorf sind und sich ihnen jeder nähern kann.
    Und noch schlimmer ist, dass dieses Mädchen oftmals ganze Nächte lang alleine in dieser ungesicherten Hütte verbringt.
    Esther erzählt ja, dass die Mädchen kaum in ein Gebüsch oder ein Feld gehen können, ohne Angst vor Vergewaltigungen haben zu müssen! Wie viel Angst muss wohl dann ein schutzloses Kind wie Regina haben!
    Nun ich befürchte, sie wird entweder sehr jung und in ärmste Verhältnisse heiraten - wie ihre Schwestern - oder sie wird sexuelle Ausbeutung oder gar Gewalt erfahren.
    Was hat UNICEF getan? - Wurde wenigstens dieses arme Kind sicher untergebracht?

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