VERLETZUNGEN AN KÖRPER UND SEELE

9. März 2017 von Ninja Charbonneau 2 Kommentare

Majed (13) überlebte die Explosion eines Blindgängers in Aleppo

An einem sonnigen Wintermorgen Mitte Januar waren Majed, 13, und sein Freund Omar, elf, mit ihren Rädern auf dem Weg zu einem kleinen Park in der Nähe ihrer Häuser in Ost-Aleppo.

Sie fanden ein merkwürdiges grünes Metallobjekt, das halb im Sand vergraben war. „Es sah aus wie eine Trinkdose“, erzählt Majed. „Ich bin drauf getreten. Dann ist es explodiert.”

Menschen strömten herbei – zunächst in der Angst, dass ihr Viertel wieder beschossen wurde. Sie stellten fest, dass ein Blindgänger in dem Park explodiert war und die beiden Kinder schwer verwundet hatte.

Majeds Mutter befürchtete einige bange Stunden lang das Schlimmste. „Ich war gerade auf dem Markt, als ich davon gehört habe“, sagt sie, die Augen immer noch voller Sorge.

„Ich hörte, dass die beiden Jungen von einer Bombe verletzt wurden und dass einer von ihnen tot war. Sie sagten, es sei Majed. Es gibt kein schlimmeres Gefühl auf der Welt, das eine Mutter haben kann.“

Majed: „Ich hatte große Schmerzen und mir war schrecklich kalt“

Der 13-jährige Majed erinnert sich sehr genau daran, was passiert ist. „Ich wurde in die Luft geschleudert, aber ich blieb die ganze Zeit bei Bewusstsein. Ich machte mir Sorgen um Omar. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Zwei Männer kamen und haben uns in einem Taxi zum Krankenhaus gefahren.

Ich hatte große Schmerzen und mir war schrecklich kalt. Ich habe mit angesehen, wie Omar fünf Minuten später in dem Auto starb. Diesen Tag werde ich nie vergessen.“
Granatsplitter hatten sich durch Majeds Gesicht und Körper gebohrt. Ein Teil seines Darms musste operativ entfernt werden. Er hatte Glück, dass sein Fuß nicht auch amputiert werden musste.

„Unsere Nachbarschaft ist voll von diesen lebensgefährlichen Dingern“, sagt der Anwohner Abu Mustafa. „Was Omar und Majed zugestoßen ist, kann jederzeit wieder passieren.“

Minen und Blindgänger – eine tödliche Gefahr für Kinder in Aleppo

Nach dem Rückgang der Kämpfe in Aleppo sind viele Familien in völlig zerstörte Viertel zurückgekehrt. Vor allem für Kinder sind Minen und Blindgänger eine große Gefahr: Sie sind neugierig und wollen die Ruinen um sie herum erkunden und in ihnen spielen. Im Dezember wurden an einem einzigen Tag sechs Kinder in Ost-Aleppo durch Blindgänger getötet und viele weitere verletzt.

Syrien: Majed spricht mit derUNICEF-Mitarbeiterin Basma Ourfali

Majed spricht mit unserer UNICEF-Mitarbeiterin Basma Ourfali in Aleppo.
© UNICEF/Syria 2017/Khudr Al-Issa

UNICEF sorgt mit Partnern dafür, dass Kinder und Familien in den am meisten gefährdeten Vierteln über die großen Gefahren von Minen und Blindgängern aufgeklärt werden.

Mitarbeiter und Freiwillige gehen von Tür zu Tür, warnen mit Flyern, Gesprächen und spielerischen Aktionen vor explosiven Überresten und informieren über das richtige Verhalten. Mehr als 60.000 Menschen in Aleppo wurden seit November auf diese Weise sensibilisiert.

Wenn es ihm besser geht, will Majed wieder zur Schule gehen. Vier Schuljahre hat er durch den Krieg bereits verloren. „Als die Kämpfe schlimmer wurden, bin ich nicht mehr zum Unterricht gegangen.

Ich war begeistert, als ich dieses Halbjahr wieder zur Schule konnte, aber momentan brauche ich noch Hilfe beim Gehen und beim Essen.“ Majed erhält mit Unterstützung von UNICEF auch psychosoziale Hilfe und Betreuung, damit er mit seinem Erlebnis besser umgehen kann.

„Ich sage jetzt allen meinen Freunden und Nachbarn, dass sie in keine brach liegenden Parks gehen und niemals mit unbekannten Gegenständen spielen sollen. Es kann sie töten.“

Dieser Blog wurde von unserer UNICEF-Kollegin Basma Ourfali in Aleppo verfasst.

Basma Ourafli (27) ist eigentlich Englischlehrerin in Aleppo. Seit 2015 arbeitet sie als Kommunikationsmitarbeiterin von UNICEF in der umkämpften syrischen Metropole und schreibt über ihre Erlebnisse.

KOMMENTARE

  • anonym
    06. Juni 2017 18:27 Uhr

    @Herbert
    bin auch stolzer Spender. es kann einfach nicht sein dass in sooooo vielen Gebieten noch immer Krieg herrscht und so schreckliche Dinge passieren *seufz* :(

    Liebe Grüße

  • anonym
    17. März 2017 07:22 Uhr

    Lieber Herr Dir. Schneider
    Liebe Unicef Freunde

    Wenn man dieses "Desaster" sieht, BRICHT ES EINEM DAS HERZ. Ich danke allen Unicef Mitarbeitern, die unermüdlich versuchen den armen Menschen etwas Licht in den Schatten zu bringen und bin STOLZ ein kleiner Sponsor sein zu dürfen und animiere meine Freunde ebenfalls zu helfen.
    Ich grüsse HERZLICHST
    Ihr Herbert Mergener

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