BABYS RICHTIG STILLEN: DIE 13 GRÖSSTEN MYTHEN UND WAS DAHINTERSTECKT
Dienstag, 19. November 2019, 09:25 Uhr
von Yvonne Laudien | 0 Kommentare

Was ist das Beste für Ihr Baby? Wenn es ums Stillen geht, hat eine junge Mutter viele Fragen und bekommt ganz verschiedene Antworten, die verwirren können. Wir schauen uns die 13 größten Mythen über das Stillen an und zeigen: Stillen ist wichtig und sollte angenehm sein für Mutter und Baby.

Elternsein ist nicht immer einfach. Bei unserer weltweiten Arbeit für Kinder sammeln wir von UNICEF viel Wissen und Erfahrungen. Diese möchten wir hier, zusammen mit den Tipps von Ärzten und Baby-Experten, an Sie weitergeben. 

Babys richtig stillen: Eine Mutter in Uruguay stillt ihr Baby.

Schon gewusst? Stillen schützt Ihr Baby: Nämlich vor Ohrinfektionen, Durchfall, Lungenentzündungen und anderen Krankheiten im Kindesalter.

1. Mythos: Stillen ist ganz einfach.

Stillen – das bedeutet Zeit, Geduld und Gewöhnung für Mutter und Kind. Babys werden mit einem natürlichen Reflex geboren, der ihnen hilft, die Mutterbrust zu finden. Trotzdem brauchen Mütter am Anfang Hilfe, damit sie ihr Baby richtig an die Brust anlegen. Stillen ist außerdem zeitintensiv. Stillende Frauen brauchen Raum und Unterstützung – ob zuhause oder wieder im Beruf. 

2. Mythos: Stillen tut weh – wunde Brustwarzen sind normal. 

Falsch, Stillen sollte nicht schmerzen! Viele Mütter fühlen sich unwohl in den ersten Wochen, in denen sie lernen richtig zu stillen. Die richtige Stillposition und das korrekte Anlegen des Babys an die Brust können wunde Brustwarzen verhindern.

Sie wollen beim Stillen unterstützt werden? Kein Problem: Stillberater, Hebammen und andere qualifizierte Fachkräfte begleiten Mütter bei den ersten Schritten und darüber hinaus. Sie suchen eine Stillberater in Ihrer Nähe? Sprechen Sie dazu Ihren Frauenarzt oder Kursleiter des Geburtsvorbereitungs-Kurses an. Vielleicht gibt es sogar Stilltreffen in Ihrer Nähe.

Babys richtig stillen: Eine Mutter in Montenegro stillt ihr Baby.

Richtig Stillen will geübt sein. Hebammen und Still-Berater unterstützen junge Mütter dabei. 
© UNICEF/UN040621/

3. Mythos: Die Brustwarzen müssen vor dem Stillen gewaschen werden. 

Es ist nicht nötig und auch nicht gut, die Brustwarzen vor dem Stillen zu säubern. Babys sind an Gerüche und Geräusche ihrer Mutter gewöhnt. Die Brustwarzen produzieren eine Flüssigkeit, die sogar gut für Babys ist. Sie enthält nämlich „gute Bakterien“, die helfen das Immunsystem aufzubauen. 

4. Mythos: Damit die Mutter sich ausruhen kann, müssen Mutter und Baby nach der Geburt getrennt werden.

Das ist ein Mythos. Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen ermutigen nach der Geburt zum Haut-an-Haut-Kontakt – auch „Bonding“ oder „Känguru-Pflege“ genannt. Der Hautkontakt ist wichtig: Er hilft den Babys, beim Stillen die Brust zu finden. Es hilft also beim Stillen, wenn Mutter und Kind diesen Haut-Kontakt direkt nach der Geburt wiederholt erleben können. Sollte die Mutter dazu nicht in der Lage sein, kann auch ein anderes Familienmitglied einspringen.

Babys richtig stillen: Eine Mutter in der Elfenbeinküste hält ihr Neugeborenes warm.

Schon gewusst? Der wiederholte Haut-an-Haut-Kontakt nach der Geburt fördert das Stillen.

5. Mythos: Nur leichte Kost für stillende Mutter während der Stillzeit! 

Falsch! Auch stillende Mütter sollten sich ausgewogen ernähren. Babys gewöhnen sich im Mutterleib an die Ernährungs-Gewohnheiten der Mutter. Es gibt keinen Grund, die Ernährung in der Stillzeit zu ändern.

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Baby doch auf eine bestimmte Nahrung reagiert, die Sie zu sich nehmen, fragen Sie am besten Ihren Arzt um Rat.

6. Mythos: Sport verändert den Geschmack der Muttermilch. 

Bewegung ist gesund – auch für stillende Mütter. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Sport den Geschmack der Muttermilch verändert.

7. Mythos: Mütter können nur stillen, wenn sie damit direkt nach der Geburt beginnen.

Nicht ganz! Ja, in der ersten Stunde nach der Geburt ist es am einfachsten, mit dem Stillen zu beginnen. Dann sind die Reflexe des Babys noch am stärksten. Wenn die Mutter das Baby nicht gleich nach der Geburt an die Brust legen kann, sollte sie dies so bald wie möglich tun. Wenn Mütter Hilfe beim Stillen in diesen ersten Stunden brauchen, können sie sich an Stillberater und Hebammen wenden. Darüber hinaus der Tipp: Beim Stillen helfen der häufige Haut-zu-Haut-Kontakt und das wiederholte Anlegen des Babys an die Brust.

Babys richtig stillen: Eine Mutter in Äthiopien stillt ihr Baby.

Schon gewusst? Die Erstmilch, auch Kolostralmilch oder Vormilch genannt, ist reich an Antikörpern. Sie hilft Neugeborenen, ihr Immunsystem aufzubauen.

Schenken Sie Kindern einen guten Start ins Leben

Mütter und Väter weltweit verbindet ein Wunsch: dass ihre Kinder gesund, geborgen und glücklich sind. Doch in Kriegs- und Krisengebieten bedrohen Hunger und Krankheiten das Leben vieler Mädchen und Jungen. UNICEF hilft mit sauberem Wasser, Spezialnahrung und Impfungen. Helfen Sie mit!  

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8. Mythos: Wenn eine Mutter stillt, darf sie keine Babymilch-Produkte verwenden. 

Jeder Mutter entscheidet selbst, ob sie ihr Baby neben Muttermilch auch mit alternativen Milchprodukten füttern möchte. Wichtig dabei: Informieren Sie sich mithilfe von unvoreingenommenen Informationen über Milchprodukte. Neben der Alternative zur Muttermilch sollte die Mutter ihrem Baby weiterhin so oft wie möglich die Brust geben. So läuft die natürliche Milchproduktion weiter.

Nützlicher Tipp: Entwerfen Sie gemeinsam mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Stillberater Ihren individuellen Stillplan. Dieser soll Ihren Bedürfnissen und denen Ihres Babys entsprechen. 

9. Mythos: Viele Mütter produzieren nicht genug Milch für ihr Baby. 

Fast alle Mütter produzieren genug Milch für ihr Baby. Die Muttermilch-Produktion hängt davon ab, wie gut und häufig die Mutter ihr Baby an die Brust legt und wie gut das Baby die Milch aufnehmen kann.

Stillen ist übrigens nicht nur ein Ein-Frau-Job! Damit Mutter und Kind gesund bleiben, brauchen sie Unterstützung z.B. von einem Stillberater. Die beste Mutter ist eine gesunde Mutter: Neben den Babys dürfen die Mütter nicht zu kurz kommen. Auch stillende Frauen müssen gut essen und trinken und im Alltag entlastet werden.

Babys richtig stillen: Eine Mutter in Timor-Leste stillt ihr Baby.

Babys aber auch Mütter haben Bedürfnisse. 
© UNICEF/UN0160505/Soares

10. Mythos: Eine Frau darf nicht stillen, wenn sie krank ist. 

Je nach Art der Erkrankung können Mütter auch dann stillen, wenn sie krank sind. In jedem Fall sollten erkrankte Frauen, die stillen, sich richtig medizinisch behandeln lassen, sich ausruhen, essen und viel trinken. Ganz natürlich werden in vielen Fällen dabei auch die Abwehrkräfte des Babys gestärkt. Denn Mütter geben ihre Antikörper, welche sie in ihrer Krankheit bilden, mit der Muttermilch an ihre Babys weiter. 

Frauen sollten im Falle einer Behandlung ihren Arzt darüber informieren, wenn sie stillen. Bestimmte Medikamente sollten stillende Frauen zu einem bestimmen Zeitpunkt, in einer bestimmten Dosierung oder einer alternativen Rezeptur einnehmen. Informieren Sie auch den Kinderarzt über Medikamente, die Sie während der Stillzeit einnehmen.

Babys richtig stillen: Eine Mutter in Mexiko stillt ihr Baby.

Schon gewusst? Stillen schützt auch die Mutter, nämlich vor Diabetes, Brust- und Eierstockkrebs, Herzerkrankungen und Postpartaler Depression.

11. Mythos: Babys, die gestillt werden, sind anhänglich. 

Alle Babys sind unterschiedlich. Einige sind anhänglich, andere nicht – egal, wie ihre Mutter sie füttert. Fakt ist: Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge, z.B. für die Entwicklung ihres Gehirns. Natürlich halten Mütter Babys, die gestillt werden, oft im Arm. Stillen fördert dadurch die Mutter-Kind-Bindung. 

12. Mythos: Es ist schwieriger abzustillen, wenn Frauen länger als ein Jahr stillen. 

Dafür gibt es keine Belege. Andererseits gibt es Belege dafür, dass es positiv für Mutter und Kind ist, wenn die Mutter das Baby bis zum zweiten Lebensjahr stillt. Ganz klar: Alle Mütter und Babys sind unterschiedlich. Es liegt an Mutter und Kind gemeinsam herauszufinden, wie lange die Stillzeit dauern darf. 

13. Mythos: Wenn Mütter wieder in den Job einsteigen, müssen sie ihr Babys abstillen. 

Zurück in den Job trotz Stillen? Das machen viele Mütter. Zum Thema Stillen am Arbeitsplatz gibt es je nach Land unterschiedliche Richtlinien. Je nach Arbeitssituation haben stillende Frauen im Job verschiedene Möglichkeiten: Wenn der Arbeitgeber es erlaubt, kann die Mutter zum Stillen nach Hause fahren. Sie kann aber auch Familie oder Freunde bitten, ihr Baby zum Stillen auf der Arbeit vorbeizubringen. Oder sie pumpt die Muttermilch ab, so dass jemand anderes Ihr Baby füttern kann, während sie arbeitet.

Sollte das alles für Sie nicht möglich sein, können Sie die Muttermilch abpumpen, lagern und Ihrem Baby direkt nach Feierabend füttern. Oder Sie entscheiden sich, Ihrem Kind ab und zu Muttermilchersatz zu füttern. In diesem Fall denken Sie daran: Am besten für Ihr Baby ist es, weiter zu stillen, so oft es Ihnen möglich ist.

STILL-KURS MIT STILLEXPERTIN DR. MICHELE GRISWOLD

Wichtig ist: Keine Stille ums Stillen! Es hilft mit anderen Müttern oder Still-Experten zu reden und sich auszutauschen. Viele Frauen machen ähnliche Erfahrungen und fragen sich dieselben Fragen.

Frau Dr. Michele Griswold ist anerkannte Stillberaterin, Krankenschwester und Stillforscherin. Die häufigsten Fragen zum Stillen beantwortet Sie in diesem Video:

** Dieser Blogbeitrag wurde für Sie übersetzt. Er entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Michele Griswold. Sie ist Stillberaterin, Hebamme und forscht zum Thema Stillen. Dr. Griswold engagiert sich im "Global Breastfeeding Collective" der WHO und UNICEF, das sich bei Regierungen und in der Gesellschaft für mehr Unterstützung für Mütter beim Stillen einsetzt.  

  

   

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