5 JAHRE AGENDA 2030: BILDUNG FÜR JEDES KIND
Dienstag, 20. Oktober 2020, 15:38 Uhr
von Jenifer Stolz | 0 Kommentare

Vor fünf Jahren – am 25. September 2015 – verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Jedes der in der Agenda 2030 verankerten 17 nachhaltigen Entwicklungsziele („Sustainable Development Goals“, SDGs) hat eine zentrale Bedeutung für Kinder und ihr Wohl. So haben es sich die Staaten beispielsweise zur Aufgabe gemacht, bis zum Jahr 2030 allen Menschen eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung zu ermöglichen.

Doch warum ist der Zugang zu Bildung so entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft? Welche Fortschritte wurden bei der Verwirklichung dieses Ziels erreicht und welchen Beitrag kann UNICEF gemeinsam mit Partnern in Ländern leisten, die aufgrund von Krisen und Konflikte besonders dringend Unterstützung brauchen?

Irak: Malala Yousafzai fordert mehr Bildung.

„Lasst uns den Kampf aufnehmen gegen Analphabetismus, Armut und Terror und dazu unsere Bücher und Stifte in die Hand nehmen. Sie sind unsere wirksamsten Waffen. Bildung ist die einzige Lösung. Bildung steht am Anfang von allem.“ – Malala Yousafzai, Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin
© UNICEF/UN072060/Abubakar

"Bildung ist die einzige Lösung"

Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung. Dieses Recht ist in Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention und in SDG 4 verankert. Gute und qualitative hochwertige Bildung ermöglicht Kindern ein chancenreiches Aufwachsen und ist der Schlüssel, um Armut zu bekämpfen, Krankheiten vorzubeugen, sozialen Zusammenhalt zu fördern und zur Resilienz und Zukunftsfähigkeit von Gesellschaften beizutragen.

Aktuell haben allerdings weltweit 258 Millionen Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu Bildung. Zum Vergleich: In Deutschland leben etwa 13 Millionen Mädchen und Jungen unter 18 Jahren. Hinzu kommt, dass viele Kinder die Grundschule abschließen, ohne ausreichende Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen erworben zu haben. Gerade in armen Ländern profitieren nur wenige Kinder von frühkindlicher Bildung.

Ohne stärkeres Engagement für die Bildung von Kindern und Jugendlichen werden Schätzungen zufolge in zehn Jahren 420 Millionen Kindern keine schulischen Grundkenntnisse erworben haben und 825 Millionen Kinder die Sekundarstufe nicht erreichen.

Die Covid-19-Pandemie wird die globale Bildungskrise noch verschärfen. Durch die weltweiten Schulschließungen als Maßnahme zur Einschränkung der Covid-19-Pandemie besteht in vielen Regionen der Erde die Gefahr, dass Kinder, deren Schulen geschlossen sind, nicht wieder dorthin zurückkehren.

Irak: Die Gefahr einer verlorenen Generation besteht.

Ohne den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung laufen auch viele Kinder im Irak Gefahr, einer verlorenen Generation anzugehören.
© UNICEF/UN0201009/Sparks

Unsere Vison: Gute Bildung für alle Kinder

Alle Kinder haben das Recht, zur Schule zu gehen und zu lernen, egal wer sie sind, wo sie leben oder aus welcher Familie sie kommen. UNICEF arbeitet daher weltweit in 144 Ländern daran, gemeinsam mit Partnern die SDGs bis 2030 zu erreichen und gezielt darauf hinzuwirken, dass alle Kinder von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter einen gleichberechtigten Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung haben.

Um dieses Ziel zu erreichen, fördert UNICEF starke Bildungssysteme und innovative Lösungen im Bereich der Bildung, damit Kinder gute Lernergebnisse erzielen und Kompetenzen entwickeln, die für ihr weiteres Leben entscheidend sind.

In Notsituationen und fragilen Kontexten haben Kinder besonders häufig keine Möglichkeiten zu lernen. UNICEF setzt sich auch hier für einen besseren Zugang zu Bildung und den Schutz von Kindern ein.

Um eine Welt zu schaffen, in der jedes Kind zur Schule geht, fördert UNICEF Gerechtigkeit und Integration. Dazu gehören gezielte Anstrengungen für Kinder, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit oder Sprache, einer Behinderung oder aufgrund von Armut ausgeschlossen sind sowie für vertriebene Kinder und Kinder, die von Krisen betroffen sind.

Irak: Lernen in einem zerstörten Klassenzimmer in Falludscha.

Schülerinnen in einem zerstörten Klassenzimmer der Mädchenschule in Falludscha, Irak.
© UNICEF/UN0161149/Anmar

Irak: Ein Bildungssystem in Trümmern

Konflikte und Krisen gefährden nicht nur das Leben von Kindern und Jugendlichen, sie bedrohen auch ihre Zukunft. Denn weltweit können Millionen Kinder und Jugendliche aufgrund von andauernden Konflikten oder globalen Krisen wie der Covid-19-Pandemie nicht zur Schule gehen.

Unter den jahrelangen schweren Kämpfen im Irak haben hunderttausende Mädchen und Jungen sehr gelitten. Viele von ihnen sind mit ihren Familien vor der Gewalt aus dem Land geflohen oder leben als Binnenvertriebene fernab ihrer Heimat. Fast 1,9 Millionen Kinder benötigen dringend humanitäre Hilfe. Dazu kommen tausende syrische Flüchtlinge, die in den Irak geflohen sind.

Der Konflikt, politische Unruhen und mangelnde Investitionen haben im Irak das einstmals beste Bildungssystem der Region zerstört und den Zugang irakischer Kinder zu qualitativ hochwertigem Lernen erheblich eingeschränkt.

Wie in vielen anderen Ländern der Welt sind auch im Irak seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie die Schulen des Landes geschlossen. Mehr als zehn Millionen Schülerinnen und Schüler sind von den Schulschließungen betroffen.

Irak: Aufgrund des Coronavirus müssen viele Kinder Zuhause lernen.

Auch in Bagdad sind die Schulen aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen. Viele Schülerinnen und Schüler müssen daher zuhause lernen.
© UNICEF/UNI314201/Arar/AFP

Fortschritte für Kinder im Irak

Ein gerechter Zugang zu qualitativ hochwertiger und inklusiver Bildung für alle Kinder – vor allem für die am stärksten gefährdeten Mädchen und Jungen – das ist auch im Irak die Vision und das Ziel von UNICEF.

Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, unterstützt UNICEF das irakische Bildungsministerium sowie das Bildungsministerium der Autonomen Region Kurdistans dabei, ein besseres Lernumfeld für Kinder zu schaffen und die Lernergebnisse zu steigern.

Doch nur gemeinsam mit Partnern lassen sich die großen Herausforderungen bei der Umsetzung dieses Ziels überwinden. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich seit vielen Jahren, um den Wiederaufbau des Landes zu fördern und die Bildungssituation zu verbessern.

Irak: In den Schulen können die Kinder endlich wieder lernen.

"Ich lebe in Mossul seit Beginn des Konflikts. Der Tag, an dem unsere neue Schule öffnete, war der schönste Tag überhaupt", sagt die 14-jährige Rafida. "Ich hoffe, dass ich viel lernen werde, so dass ich eines Tages im Bereich der Lasertechnik arbeiten kann."
© UNICEF/UN0285803/Anmar

Zusammen haben UNICEF und das BMZ bisher viele Fortschritte für Kinder erreicht, um zur Stabilisierung und Friedenssicherung im Irak beizutragen. Seit 2015 setzen UNICEF und das BMZ ein gemeinsames Projekt um, das es Kindern ermöglicht, ihr Recht auf Bildung zu verwirklichen und den Zugang zu und die Qualität von Bildung zu verbessern.

Über 813.000 intern vertriebene, geflüchtete, einheimische und andere besonders schutzbedürftige Kinder (davon knapp 365.000 Mädchen) konnten bislang im Rahmen des Projektes erreicht werden – weit mehr als ursprünglich geplant.

Die Partnerschaft zwischen UNICEF und dem BMZ hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass heute 18 Prozent mehr syrische geflüchtete Kinder im Irak eine Grundschulbildung erhalten als noch im Jahr 2015 (Anstieg von 28.790 auf 33.943).

Auch für Kinder von binnenvertriebenen Familien konnten bedeutsame Erfolge erreicht werden: In den vergangenen fünf Jahren ist die Einschulungsrate von intern vertriebenen Kindern von 20 auf 82 Prozent gestiegen.

Wiederaufbau und Bau von Schulen

Der jahrelange Konflikt im Land hat seine Spuren hinterlassen: Zahlreiche Schulen des Iraks wurden beschädigt und mussten saniert werden. Der Wiederaufbau von Schulen und der Bau von neuen Lernorten gehörten somit zu wichtigen Zielen des Projekts.

So wurden 340 neue Klassenzimmer in Schulen eingerichtet und 911 Klassenzimmer saniert, 29.500 Schreibtische repariert und 5.770 neue Schreibtische zur Verfügung gestellt. Für fast 300.000 Kinder – darunter mehr als die Hälfte Mädchen – konnten so neue und bessere Lernorte geschaffen werden.

E-Learning für geflüchtete Kinder aus Syrien

Im Jahr 2017 konnte UNICEF im Irak mit Unterstützung des BMZ ein Pilotprojekt für geflüchtete Kinder aus Syrien starten. In Erbil, Dohuk und Sulimaniyah konnten 300 Mädchen und Jungen, die außerhalb der Flüchtlingslager lebten und damit keinen Zugang zu den Schulen der Lager hatten, E-Learning-Zentren besuchen.

Das Besondere an dem Unterricht: Auf Tablets konnten die Schülerinnen und Schüler Kursmaterialien und Tests abrufen sowie ihre Hausaufgaben erledigen, die zuvor von den Lehrerinnen und Lehrern eingestellt wurden.

Der Lehrplan wurde so entwickelt, dass sechs Schuljahre in nur drei Jahren abgeschlossen werden können. Somit konnten die Schülerinnen und Schüler auch Unterricht nachholen, den sie durch ihre Flucht möglicherweise verpasst hatten. Die Abschlusszeugnisse des Programms werden vom syrischen und kurdischen Bildungsministerium anerkannt.

Lernen trotz Covid-19

Auch der Irak ist wie viele andere Länder der Welt von der Covid-19-Pandemie betroffen. Seit Ende Februar sind sämtliche Schulen der Autonomen Region Kurdistan geschlossen. Dadurch können fast 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche der Region nicht mehr zur Schule gehen – darunter schätzungsweise 30.000 schutzbedürftige Kinder, die in Flüchtlingslagern leben.

Um Kinder und Jugendliche weiterhin beim Lernen zu unterstützen, haben das kurdische Bildungsministerium und UNICEF schnell und flexibel auf die veränderte Situation reagiert und einen Fernsehkanal gestartet, auf dem Unterrichtseinheiten für die erste bis zur zwölften Klasse in arabischer, kurdischer (Sorani) und syrischer Sprache gezeigt werden.

Das Programm, das ebenfalls vom BMZ gefördert wird, richtet sich insbesondere an Familien, die keinen Zugang zum Internet haben. Durch das Bildungsprogramm im Fernsehen konnten 373.760 Kinder erreicht werden.

Irak: Gesschlossene Schulen bedeuten Fernunterricht.

Solange Schulen geschlossen bleiben, muss der Zugang zu Fernunterricht sichergestellt werden – auch für die am meisten benachteiligten Kinder.
© UNICEF

Weitere Ergebnisse der Partnerschaft mit der Bundesregierung im Irak auf dem Weg der Agenda 2030

  • Durch Cash-Transfers im Bildungsbereich konnten 15.695 Kinder (7.455 Mädchen) unterstützt werden.
  • Um die Bildungsqualität zu erhöhen wurde der Lehrplan weiterentwickelt und in diesem Schuljahr erstmals in 200 Schulen angewendet.
  • 7.188 Lehrkräften (4.611 weiblich) konnte eine Aus- und/oder Weiterbildung ermöglicht werden.
  • 468.772 Kinder (42 Prozent Mädchen) erhielten Lernmaterialien.
  • 269.465 Kindern (148.123 Mädchen) konnte die Teilnahme an Sport- und Spielaktivitäten sowie an weiteren außerschulischen Aktivitäten ermöglicht werden.
  • 4.162 Kinder (1.967 Mädchen) nahmen an Kinderschutzprogrammen teil und 15.176 Kinder (6.823 Mädchen) erhielten eine psychosoziale Begleitung.

Bildung: Schlüssel für eine bessere Zukunft

Die Fortschritte im Bildungsbereich im Irak zeigen: Starke Partnerschaften sind unerlässlich auf dem Weg zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt. Insbesondere Kinder, für die die Ziele der Agenda 2030 in besonders weiter Ferne liegen – beispielsweise aufgrund der Auswirkungen von Krisen und Konflikten wie im Irak – brauchen gezielte Unterstützung. Bildung ist hierbei ein Schlüssel.

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie verdeutlichen: Dieses Engagement darf nicht nachlassen. Im Gegenteil: Nur, wenn wir mit vereinten Kräften unseren Einsatz für Kinder erhöhen, können drohende Rückschritte und Stagnation bei der Erreichung der SDGs vermieden werden – im Irak und weltweit. Die verbleibenden zehn Jahre zur Umsetzung der SDGs müssen tatkräftig und konsequent zur Dekade des Handelns für Kinderrechte werden.

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