3 MYTHEN UND 3 FAKTEN ÜBER DIE MENSTRUATION
Dienstag, 28. Mai 2019, 17:17 Uhr
von Yvonne Laudien | 0 Kommentare

„Auf der roten Welle surfen“, die „Erdbeerwoche“ haben, „Besuch von der roten Lola“ kriegen – all diese Codes umschreiben etwas, was Frauen in der Regel jeden Monat einmal beschäftigt.

Wenn ein Mädchen das erste Mal seine Tage bekommt, ist es vorbereitet: Tampons und Binden kennt es aus dem Badezimmerschrank, der Werbung und der Sexualkunde in der Schule. Die junge Frau weiß, dass sie nicht krank oder verletzt ist, sondern ein natürlicher, biologischer Prozess beginnt. In einem aufgeklärten Umfeld ist die Menstruation ein alltägliches „Happening“, das sich meist problemlos in den Alltag integrieren lässt. Wie angenehm oder unangenehm dieses „Erwachsenwerden“ für ein Mädchen ist, hängt davon ab, wo und in welcher Gesellschaft es heranwächst.

Mythos 1: „Ich muss mich wohl verletzt haben.“

„Ich war in der fünften Klasse, als ich das erste Mal meine Tage bekam. Ich dachte, ich muss mich an irgendetwas geschnitten haben. Ich habe niemandem davon erzählt, bis ich aufgehört habe zu bluten.“ – Genet (16)

Genet hat gelernt ganz offen über Menstruation zu sprechen

Genet geht in die 5. Klasse und lernt in einer Kampagne über Menstruation ganz offen zu sprechen.
© UNICEF/UN064405/Tadesse

Wie Genet aus Äthiopien wurden viele Mädchen vor ihrer ersten Periode nicht darüber informiert, was mit ihrem Körper geschieht, wenn sie in das geschlechtsreife Alter kommen. Eine Studie in Indien zeigte, dass ungefähr die Hälfte aller jugendlicher Mädchen nichts über Regelblutung wissen, bis sie ihre eigene beginnt. Nicht selten ist Scham und Unsicherheit so groß, dass die Mädchen an Selbstbewusstsein verlieren, sich isolieren und folglich die Schule meiden.

Es kommt vor, dass einige Mädchen von ihrer Familie bestraft werden, wenn sie das erste Mal bluten. In Äthiopien kursiert der Irrglaube, dass eine menstruierende Frau keine Jungfrau mehr ist. Die Eltern glauben, dass ihre Tochter Sex hatte oder vergewaltigt wurde.

Mythos 2: „Du bist unrein, wenn du blutest“

Kein Spiegel, kein Trinkwasser, keine Früchte – in Nepal verhindert das ein lokaler, strenger Aberglaube, wenn Mädchen und Frauen menstruieren. Während ihrer Periode werden sie in einigen Ländern als „dreckig“ und „unrein“ angesehen.

Rita steht vor einem Spiegel und bricht damit ein Tabu

Es ist wichtig Tabus und Mythen rund um Menstruation aufzubrechen: In Indien steht Rita vor einem Spiegel und bricht das Tabu, während der Menstruation nicht in den Spiegel zu blicken.
© UNICEF/UN0215343/Vishwanathan

Mythos 3: „Du gehörst verbannt, während du blutest“

Mehr als die Hälfte der Frauen in Nepal treffen ihre Freunde nicht länger, gehen nicht Einkaufen oder zur Arbeit, wenn sie ihre Tage haben. Zum Glück folgen mittlerweile nur noch die wenigsten Familie dem strengen traditionellen Brauch, Mädchen und Frauen während ihrer Periode in unbeheizte Menstruationshütten zu verbannen. Kälte, Rauchvergiftung und Tierangriffe waren Gründe, warum Mädchen und Frauen in der Vergangenheit bei diesem Brauchtum ums Leben kamen.

Nepal: In diesen Hütten werden menstruierende Mädchen und Frauen nach alter nepalesischer Art verbannt

Seit 2005 verboten und oft trotzdem praktiziert: „Chhaupadi“ heißen die Hütten, in die menstruierende Mädchen und Frauen nach alter nepalesischer Art verbannt werden.
© UNICEF Nepal

WEG MIT DEN MYTHEN UND HER MIT DEN FAKTEN!

Fakt 1: Eine sichere Hygiene schafft Selbstbewusstsein

Weltweit haben viele Mädchen und Frauen keinen Zugriff auf erschwingliche Menstruations-Hygieneartikel wie Binden. In Bangladesch beispielsweise benutzen acht von zehn Frauen und Mädchen ein altes Tuch, wenn sie ihre Periode haben.

Zudem fehlt über zwei Milliarden Menschen der Zugang zu sanitärer Grundversorgung. In den am wenigsten entwickelten Ländern haben kaum Haushalte Handwaschbecken mit fließend Wasser und Seife. Weltweit haben nur etwa 66 Prozent der Schulen sanitäre Anlagen. Das bedeutet, dass rund 900 Millionen Kinder an ihrer Schule keinen Zugang zu Hygiene haben.

Alita vor der Mädchentoilette in der Schule

Alita ist glücklich über die Mädchentoiletten in ihrer Schule. Getrennte Toiletten sind in vielen Schulen keine Selbstverständlichkeit.
© UNICEF/UN0267946/Akhbar Latif

Fehlendes Wasser und Hygiene erschweren es Mädchen und Frauen ihren Alltag reibungslos zu gestalten, während sie menstruieren. Eine schlechte „Menstruationshygiene“ kann zu Gesundheitsrisiken wie zu Infektionen der Fortpflanzungs- und Harnwege führen.

Faozea will nicht ohne Binde zur Schule gehen.

Ohne Binden möchte Faozea (14) nicht zur Schule gehen, wenn sie ihre Menstruation hat. Dabei ist es ihr großer Traum Lehrerin zu werden.
© UNICEF/UN0122318/Faffin

Fakt 2: Menstruation geht jeden etwas an

Entjungfert, verflucht oder unrein – Stigmatisierung, Mythen und Tabus sind die Folgen von Unwissenheit und einem Mangel an Informationen über den biologischen Prozess der Menstruation. In vielen Schulen, Mädchenclubs und Projekten lernen nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen, was sich hinter dem Monatszyklus der Frau versteckt. Denn Jungen und Männer können im Kampf gegen Tabu wichtige Verbündete sein.

"Ich sollte die Mädchen an meiner Schule nicht hänseln, wenn ich Blutflecken auf ihren Kleidern sehe, sondern sie unterstützen." Solomon (12).

Äthiopien: Solomon besucht einen Mädchen-Club

Äthiopien: Solomon besucht einen Mädchen-Club und lernt viel Wissenswertes über Menstruation.
© UNICEF/UN064424/Tadesse

Schulkurse und Projekte über Menstruation geben Mädchen Mut und Know-How mit ihrer Periode sicher und selbstbewusst umzugehen. Gleichzeitig werden sie dadurch zu Multiplikatorinnen, die ihr Wissen an die Gesellschaft – an Väter, Mütter und Geschwister – weitertragen können.

Junge Mädchen lernen mit Body-Mapping

Indien: Jugendliche Mädchen lernen mit einer Body-Mapping Aktivität mehr über den weiblichen Körper.
© UNICEF/UN0214884/Vishwanathan

Fakt 3: Dank Binde in der Schule

Es ist wichtig, dass Mädchen zur Schule gehen und sich entfalten können – ganz ohne Sorge um hygienische Versorgung. UNICEF unterstützt Mädchen dabei weltweit mit Informationen, sanitären Anlagen und Hygieneartikeln. Wichtig ist dabei auch die Aufklärung und Ausbildung freiwilliger Betreuer. Sie sprechen mit den Mädchen über ihre körperliche Veränderung und ihre Sexualität. Oftmals geht es dabei um vermeidlich banale Dinge, wie Binden und Hygieneartikeln richtig zu benutzen.

Dafür verteilt UNICEF Binden- und Hygiene-Sets oder unterstützt Projekte, in denen Mädchen und Frauen ihre Binden selbst herstellen. Auch Nachhaltigkeit spielt dabei eine Rolle: In Tschad wurden in einer Schule wiederverwendbare Damenbinden verteilt.

"Ich bin glücklich, denn ich muss während meiner Periode nicht mehr zu Hause bleiben. Die Binden aus den Geschäften sind sehr teuer, aber diese hier kann ich wiederverwenden." Halim (15)

Halim zeigt die wiederverwertbare Binde

Halim erklärt, was sie über die neuen, wiederverwertbaren Binden gelernt hat.
© UNICEF/UN0294857/Frank Dejongh

Ganz klar: Frauen und Mädchen sollen sich 365 Tage selbstbewusst, aufgeklärt und wohl in ihrem Körper fühlen dürfen. Um Mythen und Tabus zu beseitigen, spielen wir alle eine Rolle.

Machen wir gemeinsam auf das Thema aufmerksam und unterstützen wir die Mädchen, damit sie ihr junges Leben ohne Scham, mit Würde und Perspektive leben können.

Mädchen beim studieren eines Buches

Warum sollten wir uns schämen? Es ist das Normalste auf der Welt.
© UNICEF/UN0215383/Vishwanathan

KOMMENTAR SCHREIBEN

Herzlich Willkommen im UNICEF-Blog! Für ein faires Miteinander beachten Sie bitte die Verhaltensregeln.
Wir verarbeiten Ihre Daten mit Ihrer Einwilligung gemäß Art. 6 Abs. 1 f DSGVO, damit Sie einen Kommentar hinterlassen können. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
*Pflichtfeld