NEPAL: EINE CHANCE AUF EINE BESSERE ZUKUNFT?
Mittwoch, 4. März 2020, 15:00 Uhr
von Christine Kahmann | 0 Kommentare

Eindrücke einer Reise mit UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender

Die meisten Menschen verbinden mit Nepal als erstes die atemberaubenden Landschaften des Himalaya-Gebirges. Manche mögen sich auch an das schreckliche Erdbeben erinnern, das vor fast fünf Jahren die Hauptstadt Kathmandu und weite Teile des Landes getroffen hat. Was die Wenigsten jedoch wissen, ist, dass Nepal trotz erschütternder Armut und der permanenten Bedrohung durch Naturkatastrophen viele Fortschritte für Kinder erreicht hat.

Kinderrechte in Nepal: Kinder freuen sich über den Besuch.

UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender trifft Kinder in Nepal
© UNICEF/UNI286229/PRASAD NGAKHUSI

Als ich vor viereinhalb Jahren, fünf Monate nach dem Erdbeben, das erste Mal hierhergekommen bin, haben mich die enorme Widerstandskraft der Menschen, ihr Mut und ihre tiefe Entschlossenheit, eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder zu gestalten, tief bewegt. Bei einem Programmbesuch mit UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender und dem UNICEF-Vorsitzenden Georg Graf Waldersee vor drei Wochen konnte ich sehen: das Land befindet sich im Wandel. Und dieser Wandel beginnt mit den Kindern. 

Kinder proben den Ernstfall

„Als das Erdbeben kam, war ich im Geschäft meiner Eltern und habe gespielt. Wir sind so schnell es ging ins Freie gelaufen“, erzählt Tenjina Thapa Magar (9). Tenjina besucht die Shree Santa Krishna Schule im Distrikt von Bhaktapur. An jenem Samstag, dem 25. April 2015, verloren über 8.900 Menschen ihr Leben – ein Drittel davon Kinder. Das Beben hat die Menschen stark geprägt. Und die Gefahr bleibt bestehen. Ein weiteres, stärkeres Beben kann jederzeit kommen. 

Nepal: Elke Büdenbender klatscht zusammen mit den Kindern auf dem Schulhof.

Tenjina (vorne rechts) hat gelernt, wie sie sich vor einem Erdbeben am besten schützen kann.
© UNICEF/UNI286658/PRASAD NGAKHUSI

In ihrer Schule üben Tenjina und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler regelmäßig, was bei einer nächsten Katastrophe zu tun ist. Und nicht nur das, sie geben das Gelernte auch an ihre Eltern und Geschwister weiter. Die Kinder wissen: das richtige Verhalten während einer Katastrophe kann Leben retten. Deshalb üben sie regelmäßig für den Ernstfall. 

Die Orte, an denen sie sicher sind, haben die Kinder auf einer Karte in grün markiert, die gefährlichen in rot. Ein Notfall-Rucksack mit allem Nötigen für die jeweilige Klasse liegt fertig gepackt im Klassenzimmer. 

Plötzlich heult eine Sirene auf. Tenjina und die anderen Kinder treten nacheinander mit einem Kissen auf dem Kopf auf den Schulhof und hocken sich im Freien auf den Boden. Auch Elke Büdenbender wird dazu angehalten, sich in Sicherheit zu begeben. Einige Kinder helfen einem Verletzten, sich in Sicherheit zu begeben und leisten erste Hilfe. Was zunächst wie ein Theaterstück erscheint, kann schnell bitterer Ernst werden.

Nepal: Jungen proben mit Kissen für den Ernstfall

Gibt es bei euch in Deutschland auch Erdbeben? Die Kinder an der Shree Shanta Krishna Grundschule in Nepal üben für den Ernstfall.
© UNICEF/Kahmann

47.000 Klassenzimmer wurden 2015 zerstört oder schwer beschädigt, darunter auch die Shree Santa Krishna Schule. Nach dem Erdbeben errichtete UNICEF hier und an weiteren 1.800 Orten Notschulen, um zu verhindern, dass Bildung für die Kinder für längere Zeit unterbrochen wird. Seitdem hat UNICEF in Shree Santa Krishna zwei temporäre, katastrophensichere Lernzentren errichtet – hier werden die Kinder zur Schule gehen, bis die neue, erdbebensichere Schule in den nächsten Monaten fertig gebaut ist. Mehr als 900 solcher temporären Zentren unterstützt UNICEF insgesamt.

Nachhaltige Entwicklung fördern, Kinderrechte verwirklichen

Als eines der ersten Länder der Welt hat das kleine Land am Himalaya einen eigenen Aktionsplan entwickelt, um die in der Agenda 2030 verankerten nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen. Damit hat Nepal sich ehrgeizige Ziele gesetzt, um eine gerechtere und zukunftsfähige Gesellschaft zu gestalten.

Besonders wichtig für die Erreichung dieser Ziele ist es, die Verwirklichung der Kinderrechte auf allen Ebenen voranzutreiben.

Denn trotz zahlreicher Fortschritte, fehlen vor allem den ärmsten und am meisten benachteiligten Kindern in Nepal immer noch elementare Dinge wie sauberes Wasser, medizinische Hilfe oder ausreichend Nahrung. Schätzungsweise 770.000 Kinder besuchen keine Schule. Zwei von fünf jungen Frauen wurden bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet und mehr als jedes dritte Kind unter fünf Jahren lebt in Armut.

UNICEF unterstützt die nepalesische Regierung dabei, Kinder zu schützen und sie zu fördern. Besonders wichtig ist es UNICEF dabei, dass die am stärksten benachteiligten Kinder von den Programmen profitieren, vor allem benachteiligte Mädchen und die ärmsten Kinder des Landes.

Gesunde Mütter, gesunde Babys

Eine halbe Stunde entfernt von der Shree Santa Krishna Schule besuchen wir die Gesundheitsstation von Dewabhumi Baluwa, einer Gemeinde im Kavrepalanchowk Distrikt, die besonders hart von den Erdstößen getroffen wurde. Die Gesundheitsstation wurde 2017 mit Unterstützung von UNICEF errichtet. Solarbetrieben, katastrophensicher und ausgestattet mit zwei Behandlungszimmern und einem Kreissaal, bietet sie medizinische Versorgung für rund 4.000 Menschen. 

Nepal: Uma Bishworkarma erzählt von ihrer ehrenamtlichen Hilfe.

Uma Bishworkarma (43) kommt aus der benachteiligten Kaste der Dalit. Seit 15 Jahren ist sie für Kinder im Einsatz.
© UNICEF/UNI286661/PRASAD NGAKHUSI

Uma Bishworkarma, eine ehrenamtliche Gesundheitshelferin, erklärt, dass immer mehr Frauen ihre Kinder hier zur Welt bringen, anstatt wie zuvor in ihrem Zuhause, wo sie größeren Risiken während der Geburt ausgesetzt sind. Seit über 15 Jahren ist sie rund um die Uhr in der Gemeinde und ihrer Umgebung im Einsatz, um Mütter, Schwangere und Kinder in ihrer Gemeinde zu betreuen, Impf- und Ernährungskampagnen zu organisieren und erste Hilfe zu leisten. In sogenannten Müttergruppen berät sie Mütter, wie sie dafür sorgen können, dass ihre Babys gesund aufwachsen. Zudem wirbt Uma dafür, dass sich die werdenden Mütter regelmäßig von einer ausgebildeten Hebamme untersuchen lassen, ihre Babys stillen und ihre Nachsorgetermine wahrnehmen.

„Es macht mich unbeschreiblich glücklich, wenn es Kindern, die krank waren, wieder bessergeht“, erklärt Uma. Ihre Begeisterung ist ansteckend. Und es ist unübersehbar: Gesundheitshelferrinnen, wie Uma, bilden das Rückgrat der medizinischen Versorgung in Gemeinden wie Baluwa. Sie retten Leben und ermöglichen Babys einen sicheren und gesunden Start ins Leben.

Kinder als Akteure des Wandels

In Janakpur, im Südosten Nepals, erklären die Mitgliederinnen und Mitglieder des Balya Gyan Kinder- und Jugendclubs von Shripur, wie sie ihre Gemeinde vor Katastrophen wie Überschwemmungen schützen, die Widerstandskraft ihrer Gemeinden stärken und sich gegen Kinderehen und Benachteiligung von Mädchen einsetzen. Selbstbewusst gestalten und planen sie das Leben in der Gemeinde mit, gehen zur Schule und organisieren regelmäßige Kampagnen, um Eltern klarzumachen, wie wichtig Bildung für die Zukunft ihrer Kinder ist. Denn das ist hier nicht selbstverständlich, vor allem nicht für Mädchen.

Mädchenpower: Mädchen stark machen für die Zukunft

Veränderungen sind möglich. Das lernen wir auch bei einem weiteren Programmbesuch. In einer Gemeinde in Janakpur treffen wir Mädchen, die sich hohe Ziele gesteckt haben: Lehrerin, Architektin oder Modedesignerin – jede von ihnen hat einen Plan für die Zukunft. Vor Kurzem haben sie das von UNICEF initiierte Programm „Rupantaran“ – „Wandel“– abgeschlossen, welches sich gezielt an besonders benachteiligte Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren richtet.

Durch das Programm erlernen die Mädchen praktische Fähigkeiten, beispielsweise wie sie sparen und sich selbstständig machen können, oder wie sie sich gesund ernähren können. Gleichzeitig zielt es darauf ab, das Selbstvertrauen der Mädchen zu fördern, damit sie ein selbstbestimmtes, verantwortungsbewusstes Leben führen können. 

Genau das hat Tanjila (16) vor. Ihr Ziel ist es, zu promovieren. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwägerin lebt sie in dem kleinen Dorf Ratanchowk. Seit ein paar Jahren geht sie wieder zur Schule. Ihr Bruder arbeitet als Reinigungskraft in Kuweit. Wie viele andere junge Männer in der Region, trägt er damit zum Einkommen seiner Familie bei. Es gibt wenig alternative Optionen in dieser bitterarmen Region.

„In unserem Dorf verstehen viele Menschen nicht, wie wichtig es ist, dass auch Mädchen zur Schule gehen“, erklärt Tanjilas Mutter Reshma Kathun. „Tanjila soll so lange zur Schule gehen, wie sie möchte. Bildung ist wichtig für ihre Zukunft.“

Tanjila und die anderen Mädchen sind wichtige Vorbilder in ihren Gemeinden: in ihren Jugendclubs und Familien zeigen sie ihren Altersgenossinnen und Geschwistern, dass jedes Mädchen das Recht auf Chancengleichheit, Bildung und Selbstbestimmung hat – ganz gleich woher sie kommt und ganz gleich, welcher Kaste sie angehört. 

Bisher haben schon mehr als 220.000 Jugendliche an dem Programm teilgenommen. In drei Distrikten in Nepals ärmster Provinz 2 haben die Behörden finanzielle Mittel zur Unterstützung von 336 weiteren „Rupantaran“-Klassen eingeplant.

Bildung macht selbstbewusst

UNICEF unterstützt zudem spezielle Förderkurse, die es Mädchen wie Tanjila ermöglichen, wieder zur Schule zu gehen und einen Abschluss zu machen.

Diese Kurse werden auch von der Bildungsinitiative "Let Us Learn“ ("Lasst uns lernen") gefördert.

Was hat UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender besonders beeindruckt? Erfahren Sie es hier im Video.

Elke Büdenbender ist überzeugt: „Die Mädchen sind Pionierinnen für die Rechte von Kindern und Frauen, sie brauchen viel Mut und Unterstützer wie UNICEF. Sie können ihr Ziel erreichen, und wir dürfen nicht müde werden, sie dabei zu unterstützen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen! Sie, die Mädchen und Jungen sowie ihre vielen Unterstützerinnen und Unterstützer sind der Schlüssel für eine bessere Zukunft.

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