GLÜCKWUNSCH MUZOON! UNICEF-BOTSCHAFTERIN ERHÄLT INTERNATIONALEN FRIEDENSPREIS
Sonntag, 9. Februar 2020, 09:00 Uhr
von Jenifer Stolz | 0 Kommentare

In Dresden wird heute Muzoon Almellehan mit dem 11. Internationalen Friedenspreis ausgezeichnet. Die UNICEF-Botschafterin aus Syrien wird damit für ihren Einsatz für das Recht auf Bildung von Kindern in Krisensituationen geehrt. Der Preis ist eine tolle Auszeichnung für Muzoons Arbeit und ein dringender Appell, das Recht von Kindern auf Bildung endlich weltweit zu verwirklichen.

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Muzoon in einem Klassenzimmer der Yakoua Schule in Bol, Tschad, 2017.
© UNICEF/UN060498/Sokhin

Vom Flüchtlingskind zur Bildungsaktivistin

Muzoon Almellehan lernte ich im Juli 2017 kennen – nur wenige Tage, nachdem sie von UNICEF zur internationalen Botschafterin ernannt worden war. Wir trafen uns in Hamburg. Ich mit dickem Babybauch und Muzoon mit einer großen Aufgabe: Beim G20-Gipfel wollte sie sich bei den Staats- und Regierungschefs für einen besseren Zugang zu Bildung für Kinder im Krieg und auf der Flucht starkmachen.

Hamburg: Muzoon spricht mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Angela Merkel im Gespräch mit Muzoon während des G20-Gipfels in Hamburg.
© UNICEF/DT2017-56241/Marta Arias

Die 21-jährige Muzoon, die in Großbritannien lebt und studiert, kennt das Schicksal entwurzelter Mädchen und Jungen nur zu gut. Als Muzoon in der 9. Klasse war, begann die Bombardierung ihrer Heimatstadt Daraa im Südwesten Syriens. Im Februar 2013 beschlossen ihre Eltern, gemeinsam mit ihr und den drei jüngeren Geschwistern aus ihrer Heimat in das benachbarte Jordanien zu fliehen.

Muzoons größte Angst war, nie wieder zur Schule gehen zu können. Während unseres Treffens in Hamburg erzählte sie mir:

Jordanien: Muzoon und zwei weitere UNICEF-Helfer betrachten ein Bild zum Thema Schulbildung.

Mir war schon als Kind bewusst, dass Bildung der Schlüssel für meine Zukunft war. Bücher waren deshalb auch das einzige, was ich mitnahm, als wir aus Syrien flohen.
 

In den Flüchtlingslagern Jordaniens, in denen Muzoon mit ihrer Familie drei Jahre lebte, begann auch ihr Einsatz für das Recht von Kindern auf Bildung. Im Rahmen der von UNICEF unterstützten Kampagne „Back to school“ setzte sie sich dafür ein, dass vor allem mehr Mädchen die Möglichkeit haben, die Schule zu besuchen. Dafür ging sie im Flüchtlingslager Za’atari von Zelt zu Zelt, um mit den Eltern zu sprechen und sie davon zu überzeugen, dass Bildung für Kinder die einzige Chance ist auf ein besseres Leben.

„Nur mit Bildung haben wir die Chance auf eine friedliche und gute Zukunft“

Wie dringend Muzoons Einsatz für Bildung ist, zeigen aktuelle Zahlen: Weltweit können mehr als 27 Millionen Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren aufgrund von Konflikten nicht zur Schule gehen. Allein in Muzoons Heimat Syrien wurden seit Beginn des Konflikts im Jahr 2011 Tausende Schulen zerstört oder für militärische Zwecke genutzt. Mehr als zwei Millionen Kinder erhalten dadurch keine regelmäßige schulische Ausbildung.

Welche Folgen das nicht nur für die Kinder, sondern auch für die einzelnen Nationen hat, darauf wies Muzoon schon in ihrem Appell an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des G20-Gipfels hin: „Wenn Kinder, die in Konfliktregionen aufwachsen, nicht zur Schule gehen, sind sie einem weitaus höheren Risiko ausgesetzt, früh verheiratet, Opfer von Kinderarbeit oder durch bewaffnete Gruppen zwangsrekrutiert zu werden. Und ohne den Zugang zu Bildung wachsen sie ohne das Wissen und die Fähigkeiten auf, die sie so dringend bräuchten, um einen Beitrag zu leisten für den Frieden und die Entwicklung ihrer Heimatländer.“

New York: Muzoon vor einem der leeren Schulbusse der Aktion 27 Million.

Um auf die 27 Millionen Kinder aufmerksam zu machen, die weltweit aufgrund von Konflikten nicht zur Schule gehen können, fuhren im September 2017 leere Schulbusse durch die Straßen New Yorks.
© UNICEF/UN0121906/Pietrasik

Glaubwürdige und mächtige Stimme im Einsatz für Kinderrechte

Seit ihrer Ernennung als UNICEF-Botschafterin hat Muzoon bei vielen Veranstaltungen und politischen Treffen stellvertretend für die Millionen Kinder gesprochen, die aufgrund von Krisen und Konflikten keine Schule besuchen können, und wiederholt zu einem stärkeren politischen und finanziellen Einsatz aufgerufen, um diesen Kindern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Auf ihren Reisen in verschiedene Konfliktregionen der Welt traf sie immer wieder Kinder, die sich trotz der schwierigen Situation in den Ländern nichts sehnlicher wünschen, als zur Schule zu gehen.

Inzwischen gilt Muzoon weltweit als glaubwürdige und mächtige Stimme im Einsatz für das Recht auf Bildung von Kindern in Krisensituationen.

Internationaler Friedenspreis: Auszeichnung und Appell zugleich

Mit ihrem Engagement für das Recht auf Bildung steht Muzoon stellvertretend für eine Generation junger Menschen, die sich für die Verwirklichung ihrer Rechte einsetzt. Auf der UN-Generalversammlung in New York im September 2019 sagte Muzoon:

New York: Muzoon hält mit Mikrofon eine Rede im Rahmen der UN-Generalversammlung.


Kinder und Jugendliche setzen ein Zeichen. Wir demonstrieren, wir kämpfen und wir setzen uns für uns ein.
 

Muzoons starker Einsatz sollte für die Weltgemeinschaft ein Ansporn sein, die Verwirklichung der Kinderrechte mit größerem Engagement als bisher voranzutreiben. Die Verleihung des Internationalen Friedenspreises an Muzoon ist deshalb nicht nur eine ehrenvolle Auszeichnung, sondern auch ein Appell, das Recht von Kindern auf Bildung endlich weltweit zu verwirklichen.

Congratulations Muzoon and keep going!

Der Internationale Friedenspreis „Dresden-Preis“ wird seit 2010 jährlich in der Dresdner Semperoper vergeben. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird gefördert von der Klaus Tschira Stiftung.

Die bisherigen Preisträger waren unter anderem Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim, der Kriegsfotograf James Nachtwey und der einstige sudanesische Kindersoldat und heutige Friedensaktivist Emmanuel Jal.

Die Preisträgerin des vergangenen Jahres Kim Phuc Phan Thi hält die Laudatio auf Muzoon. Kim Phuc Phan Thi erlitt während des Vietnamkriegs bei einem Napalm-Angriff im Juni 1972 schwere Verbrennungen. Das Foto von ihr, wie sie aus ihrem Dorf flieht, ging um die Welt. Heute spricht sie jedes Jahr vor Tausenden Menschen über Versöhnung, ohne die es keinen Frieden geben kann.

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