Fotoreportagen

Derselbe Blick, zwei Jahre später

Mittwoch, 12.09.2018, 10:30 Uhr

von Laura Sandgathe  •  9 Kommentare

Sie schauen nicht fragend. Nicht vorwurfsvoll. Nicht ängstlich oder wütend. Diese Augen schauen aufmerksam, aber traurig. Ihr Blick lässt niemanden kalt.

Es sind die Augen des syrischen Mädchens Zahra Mahmoud. Ihr Foto wurde zum UNICEF-Foto des Jahres 2017 gekürt. Aufgenommen hatte es der Fotograf und Pulitzer-Preisträger Muhammed Muheisen, im Jahr 2016. 

Doch um dieses Foto geht es hier nicht. Das Foto, um das es hier geht, ist zwar auch von Muhammed und es zeigt auch Zahra. Aber es ist aus dem Jahr 2018.

UNICEF Foto des Jahres 2017: Zahra 2016 und 2018 in Jordanien

Zwischen diesen beiden Aufnahmen liegen zwei Jahre. Es ist zu sehen, dass Zahra älter geworden ist. Doch der Ausdruck in ihren Augen hat sich kaum verändert.

© UNICEF/Jordanien/Muhammed Muheisen

Leben in der Zeltstadt in Jordanien

Rund zwei Jahre liegen also zwischen diesen beiden Bildern, doch aus Zahras Augen spricht noch immer Traurigkeit. Nicht nur ihr Blick ist nahezu unverändert, auch in vielen Bereichen ihres Lebens scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. 

Noch immer leben Zahra und ihre Familie in einer Zeltstadt in Mafraq in Jordanien. Noch immer geht Zahra nicht zur Schule. Das berichtet uns Muhammed von seinem erneuten Treffen mit der Familie, bei dem viele neue Fotos entstanden sind.

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„Zahra ist dasselbe stille Mädchen, das sie vor zwei Jahren war. Aber sie ist erwachsener geworden“, erzählt Muhammed. Ihre Haut sehe anders aus, rauer und trockener; ihr Gesicht sei schmaler geworden. Zahra rede nicht viel und spiele nicht viel. Die meiste Zeit ihres Tages verbringe sie im Zelt bei ihrer Mutter und ihren Brüdern Mohammed und Abbas. „Ihre Augen sehen heute noch müder aus als damals.“

"Wir mussten unsere Träume begraben"

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Die Situation von Zahras Familie ist schwierig. Der Vater, Hassan Mahmoud, hat wegen Herzproblemen aufgehört zu arbeiten. Die Mutter, Samira Mohya, hatte vor Kurzem eine Fehlgeburt und ist verzweifelt, so erzählt es Muhammed. „Ich sehe meine Kinder aufwachsen, und ich kann nicht viel für sie tun. Wir mussten unsere Träume begraben“, sagt Samira. Zahras Vater Hassan sagt: „Nichts hat sich verändert für uns. Mit jedem Tag werden unsere Sorgen größer.“

Schenken Sie syrischen Flüchtlingskindern Hoffnung

Sieben Jahre Bürgerkrieg in Syrien. Die Kinder und ihre Familien wünschen sich vor allem ein normales Leben – die, die geflüchtet sind genauso wie die, die geblieben sind. Sie können unsere lebenswichtige Nothilfe unterstützen und den Kindern ein Stück Zuversicht schenken.

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Nothilfe Syrienkrise

Seit er Zahra und ihre Familie im Jahr 2015 zum ersten Mal getroffen hat, hält der Fotograf Muhammed Kontakt. Bei seinem letzten Besuch hatte er auch das besondere Geschenk dabei, das Zahra von der fünf Jahre alten Mariella aus Osnabrück bekam: einen Brief, der Zahra eine Freude und neuen Mut machen sollte

Zahra aus Syrien und Mariella aus Deutschland

Zahra aus Syrien und Mariella aus Deutschland.

© Muhammed Muheisen / © privat

Der Brief von Mariella war für Zahra ein Lichtblick in ihrem Alltag. „Ich träume davon, dass jeder zur Schule gehen kann“, sagte sie damals zu Muhammed. Doch dieser Traum ist für Zahra noch immer nicht wahr geworden. 

Es fehlt Geld für die Kinder in Jordanien

Zwar hat UNICEF erreicht, dass 126.000 syrische Flüchtlingskinder in Jordanien zur Schule gehen. Aber derzeit fehlt das Geld, um die Hilfsprojekte im bisherigen Umfang weiterzufinanzieren. Im Jahr 2018 ist erst rund die Hälfte der benötigten Summe zusammengekommen.

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© UNICEF/DT2017-60650/Muheisen

Wenn es keine neuen Spenden gibt, muss bald für 45.000 Kinder die finanzielle Unterstützung im Rahmen des Bildungsprogramms „Hajati“ gestrichen werden. Von diesem Geld bezahlen die Familien Lernmaterial wie Bücher und Stifte, die Schuluniform und den Schulbus für ihre Kinder. UNICEF fürchtet, dass viele dieser Kinder bald nicht mehr zur Schule gehen werden, wenn die finanzielle Unterstützung und Transportangebote fehlen.

Hälfte der Kinderzentren droht die Schließung

Zudem stehen 100 von 227, also knapp die Hälfte der "Makani" genannten Kinderzentren in Jordanien vor der Schließung. Davon wären über 60.000 Kinder betroffen. In den Zentren können Mädchen und Jungen spielen, Sport treiben und lernen und erhalten psychosoziale Hilfe. Auch Zahra besucht derzeit ein Makani.

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Wie alt Zahra heute ist, ist nicht ganz klar. Ihren Registrierungspapieren zufolge ist sie jünger als sechs, doch nach Angaben des Fotografen Muhammed ist sie sieben Jahre alt. Demnach wäre sie so alt wie der Konflikt in Syrien

Zahras Situation steht beispielhaft für die von Millionen Kindern, die aus dem Bürgerkriegsland geflüchtet sind. UNICEF setzt sich seit Jahren für sie ein. Jetzt stehen einige unsere Projekte auf der Kippe – weil das Geld fehlt. 

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Ihre Spende für Zahras Traum: Bildung für jedes Kind

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, syrischen Flüchtlingskindern und anderen bedürftigen Kindern in der Region eine Zukunft zu geben – durch Bildung für jedes Kind. Dann kann Zahras Traum wahr werden und auch sie kann endlich zur Schule gehen. Vielleicht bringt das ihre Augen zum Lächeln.

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