DERSELBE BLICK, ZWEI JAHRE SPÄTER

12. September 2018 von Laura Sandgathe 6 Kommentare

Sie schauen nicht fragend. Nicht vorwurfsvoll. Nicht ängstlich oder wütend. Diese Augen schauen aufmerksam, aber traurig. Ihr Blick lässt niemanden kalt.

Es sind die Augen des syrischen Mädchens Zahra Mahmoud. Ihr Foto wurde zum UNICEF-Foto des Jahres 2017 gekürt. Aufgenommen hatte es der Fotograf und Pulitzer-Preisträger Muhammed Muheisen, im Jahr 2016. 

Doch um dieses Foto geht es hier nicht. Das Foto, um das es hier geht, ist zwar auch von Muhammed und es zeigt auch Zahra. Aber es ist aus dem Jahr 2018.

Muhammed Muheisen Fotos von Zahra im Jahr 2016 (l.) und 2018 (r.) 
Zahra im Jahr 2016 auf dem UNICEF-Foto des Jahres (l.) und im Jahr 2018 (r.).

© Muhammed Muheisen, Jordanien (AP/dpa) / UNICEF DT/2018-60653/Muheisen

LEBEN IN DER ZELTSTADT IN JORDANIEN

Rund zwei Jahre liegen also zwischen diesen beiden Bildern, doch aus Zahras Augen spricht noch immer Traurigkeit. Nicht nur ihr Blick ist nahezu unverändert, auch in vielen Bereichen ihres Lebens scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. 

Noch immer leben Zahra und ihre Familie in einer Zeltstadt in Mafraq in Jordanien. Noch immer geht Zahra nicht zur Schule. Das berichtet uns Muhammed von seinem erneuten Treffen mit der Familie, bei dem viele neue Fotos entstanden sind.

Zahra mit ihrem Bruder im Flüchtlingscamp 
© UNICEF DT/2018-60662/Muheisen

„Zahra ist dasselbe stille Mädchen, das sie vor zwei Jahren war. Aber sie ist erwachsener geworden“, erzählt Muhammed. Ihre Haut sehe anders aus, rauer und trockener; ihr Gesicht sei schmaler geworden. Zahra rede nicht viel und spiele nicht viel. Die meiste Zeit ihres Tages verbringe sie im Zelt bei ihrer Mutter und ihren Brüdern Mohammed und Abbas. „Ihre Augen sehen heute noch müder aus als damals.“

"Wir mussten unsere Träume begraben"

Zahra mit ihrer Mutter und einem anderen Kind im Flüchtlingscamp 
© UNICEF DT/2018-60640/Muheisen

Die Situation von Zahras Familie ist schwierig. Der Vater, Hassan Mahmoud, hat wegen Herzproblemen aufgehört zu arbeiten. Die Mutter, Samira Mohya, hatte vor Kurzem eine Fehlgeburt und ist verzweifelt, so erzählt es Muhammed. „Ich sehe meine Kinder aufwachsen, und ich kann nicht viel für sie tun. Wir mussten unsere Träume begraben“, sagt Samira. Zahras Vater Hassan sagt: „Nichts hat sich verändert für uns. Mit jedem Tag werden unsere Sorgen größer.“

Schenken Sie syrischen Flüchtlingskindern Hoffnung

Sieben Jahre Bürgerkrieg in Syrien. Die Kinder und ihre Familien wünschen sich vor allem ein normales Leben – die, die geflüchtet sind genauso wie die, die geblieben sind. Sie können unsere lebenswichtige Nothilfe unterstützen und den Kindern ein Stück Zuversicht schenken.

Euro
Nothilfe Syrienkrise

Seit er Zahra und ihre Familie im Jahr 2015 zum ersten Mal getroffen hat, hält der Fotograf Muhammed Kontakt. Bei seinem letzten Besuch hatte er auch das besondere Geschenk dabei, das Zahra von der fünf Jahre alten Mariella aus Osnabrück bekam: einen Brief, der Zahra eine Freude und neuen Mut machen sollte

Zahra mit Brief von Mariella und Mariella mit Brief von Zahra 
© Muhammed Muheisen / © privat

Der Brief von Mariella war für Zahra ein Lichtblick in ihrem Alltag. „Ich träume davon, dass jeder zur Schule gehen kann“, sagte sie damals zu Muhammed. Doch dieser Traum ist für Zahra noch immer nicht wahr geworden. 

Es fehlt Geld für die Kinder in Jordanien

Zwar hat UNICEF erreicht, dass 126.000 syrische Flüchtlingskinder in Jordanien zur Schule gehen. Aber derzeit fehlt das Geld, um die Hilfsprojekte im bisherigen Umfang weiterzufinanzieren. Im Jahr 2018 ist erst rund die Hälfte der benötigten Summe zusammengekommen.

Jordanien: Zahra mit einem Buch im Flüchtlingscamp 
© UNICEF/DT2017-60650/Muheisen

Wenn es keine neuen Spenden gibt, muss bald für 45.000 Kinder die finanzielle Unterstützung im Rahmen des Bildungsprogramms „Hajati“ gestrichen werden. Von diesem Geld bezahlen die Familien Lernmaterial wie Bücher und Stifte, die Schuluniform und den Schulbus für ihre Kinder. UNICEF fürchtet, dass viele dieser Kinder bald nicht mehr zur Schule gehen werden, wenn die finanzielle Unterstützung und Transportangebote fehlen.

Hälfte der Kinderzentren droht die Schließung

Zudem stehen 100 von 227, also knapp die Hälfte der "Makani" genannten Kinderzentren in Jordanien vor der Schließung. Davon wären über 60.000 Kinder betroffen. In den Zentren können Mädchen und Jungen spielen, Sport treiben und lernen und erhalten psychosoziale Hilfe. Auch Zahra besucht derzeit ein Makani.

Zahra schläft im Zelt, ihrem Zuhause im Flüchtlingscamp 
© UNICEF DT/2018-60660/Muheisen

Wie alt Zahra heute ist, ist nicht ganz klar. Ihren Registrierungspapieren zufolge ist sie jünger als sechs, doch nach Angaben des Fotografen Muhammed ist sie sieben Jahre alt. Demnach wäre sie so alt wie der Konflikt in Syrien

Zahras Situation steht beispielhaft für die von Millionen Kindern, die aus dem Bürgerkriegsland geflüchtet sind. UNICEF setzt sich seit Jahren für sie ein. Jetzt stehen einige unsere Projekte auf der Kippe – weil das Geld fehlt. 

Zahra beim Versteckspielen im Flüchtlingscamp 
© UNICEF/DT2018-60663/Muheisen

IHRE SPENDE FÜR ZAHRAS TRAUM: BILDUNG FÜR JEDES KIND

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, syrischen Flüchtlingskindern und anderen bedürftigen Kindern in der Region eine Zukunft zu geben – durch Bildung für jedes Kind. Dann kann Zahras Traum wahr werden und auch sie kann endlich zur Schule gehen. Vielleicht bringt das ihre Augen zum Lächeln.

zwanzig Lesefibeln
300 Schulhefte
eine Schule in der Kiste

KOMMENTARE

  • 14. September 2018 14:02 Uhr

    Liebe Leserinnen und Leser,

    ich freue mich sehr über die vielen Kommentare und das rege Interesse an der Situation der syrischen Kinder. Zahra steht stellvertretend für Millionen Kinder, die aufgrund des Syrien-Konflikts auf der Flucht aufwachsen müssen.

    UNICEF war von Anfang an im Einsatz und wir tun alles was uns möglich ist, um die betroffenen Kinder und ihre Familien zu erreichen. Dabei versuchen wir Strukturen aufzubauen, von denen möglichst viele Kinder profitieren. Auch Zahra und ihre Familie erhalten Unterstützung durch die Programme. Uns ist bewusst, dass wir leider nicht alle Bedürfnisse der Flüchtlingsfamilien decken können. Dass Zahra ein Makani-Zentrum besucht, ist aber ein wichtiges Zeichen der Hoffnung, denn hier kann sie lernen, spielen und bekommt psychosoziale Betreuung.

    Unsere UNICEF-Kollegen in der Region arbeiten unermüdlich daran, die Situation von Zahra – und allen anderen Kindern – zu verbessern. Auf unserer Homepage halten wir Sie darüber auf dem Laufenden. Um Kindern wie Zahra weiter helfen zu können, bitten wir um Spenden. Dabei hilft jeder Beitrag. Wir machen auf unserer Homepage einen Vorschlag, der aber natürlich durch einen anderen Betrag ersetzt werden kann.

    Vielen Dank an alle, die uns bereits unterstützt haben!

    Laura Sandgathe
    UNICEF-Online-Redakteurin

  • 14. September 2018 11:02 Uhr

    Ich persönlich hätte es richtig gefunden, wenn an einer Stelle berichtet würde, dass UNICEF nun dieser Familie direkte Hilfsangebote gibt.
    Es ist gut, dass Zahra eine Makani besuchen kann - aber die Familie bräuchte doch offensichtlich mehr Hilfe.
    Die Eltern des Mädchens benötigen doch dringend eine psycho- soziale Betreuung, der ganzen Familie würde ein allgemeinärztliche Untersuchung gut tun und vermutlich wäre auch eine Überweisung zu einem Frauenarzt und zu einem Zahnarzt angebracht. Und die Kinder würden sich vermutlich über den UNICEF Fußball, Schultafeln und ein Springseil freuen. Haben Sie denn ein Ernährungspacket oder Decken und Winterkleidung bekommen?
    Diese Familie lässt ihr Leid seit Jahren öffentlich dokumentieren und das Kind zeigt doch auch seit zwei Jahren sein Gesicht für UNICEF.
    Ein Kinderbrief aus Deutschland- ja das ist eine rührende und schöne Geste - aber hier wären weitere Hilfsmaßnahmen angebracht.

  • 13. September 2018 15:46 Uhr

    Seit ca. 2 Jahren unterstütze ich UNICEF ebenfalls monatlich und so, wie die obige freundliche Spenderin schreibt, ist das gar nicht meine einzige Aktivität.
    Ich werde fast täglich um Spenden gebeten, und so finde ich die Bitte um 125 Euro zwar sehr verständlich, aber deutlich übergriffig.
    Nun gibt es nochmals einen einmaligen Bonus nach meiner Möglichkeit.
    Dies mit freundlichen Grüßen,
    G.R.

  • 12. September 2018 21:28 Uhr

    Gern gespendet für den besten Zweck... für Kinder und die Chance auf eine bessere Zukunft...
    @ Frau Lienhardt... es geht halt nicht immer... LG

  • 12. September 2018 18:30 Uhr

    Es tut mir von Herzen leid, dass ich Unicef nicht mehr als monatlich
    € 20,00 spenden kann. Ich unterstütze mehrere Institutionen.

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