WIE LUKAS 4.200 KILOMETER ZU FUSS ZUM NORDKAP LIEF
Mittwoch, 26. Februar 2020, 11:00 Uhr
von Laura Sandgathe | 0 Kommentare

Es gab da diese Wette um vier Kästen Bier. Aber als sich Lukas Bion im Mai 2019 auf den Weg machte, um zu Fuß von seinem Heimatort in Rheinland-Pfalz zum Nordkap zu wandern, steckte so viel mehr dahinter. Hier erzählt der 28-Jährige, wie er 4.200 Kilometer in 127 Tagen zurücklegte und dabei rund 17.000 Euro für UNICEF-Projekte für Kinder sammelte.

Nordkap-Wanderer Lukas Bion unterwegs in Norwegen

Ein Selfie unterwegs: Lukas Bion auf dem Weg zum Nordkap.
© Lukas Bion

"Es gehört Mut dazu, aus der Tür herauszutreten und loszugehen"

Lukas Bion ist ein verlässlicher Typ. Einer der umsetzt, was er sich vornimmt. So hat er es auch zu Fuß zum Nordkap geschafft. Ausgerüstet mit einem kleinen Zelt, Gaskocher und GPS trat er mutig aus der Tür. 

Nordkap-Wanderer Lukas am Abreisetag mit seiner Familie

Es geht los: Noch ein Erinnerungsfoto mit Familie und Freunden, dann bricht Lukas in Richtung Norden auf.
© Lukas Bion

Die Route führte ihn von Vinningen bei Pirmasens durch Deutschland, ein kleines Stück durch Dänemark und dann lange auf dem europäischen Fernwanderweg durch Norwegen – immer gen Norden, und meist durch wunderschöne Landschaften:

Am 13. Mai 2019 ging Lukas los, am 16. September kam er am Nordkap an. Nur einmal benutzte er die Fähre als Hilfsmittel, um von Frederikshavn in Dänemark nach Oslo in Norwegen zu fahren. Unterwegs schlief er meist im Zelt, zwischendurch übernachtete er in Hütten oder wurde von gastfreundlichen Fremden eingeladen. Doch manchmal traf Lukas tagelang niemanden und kam auch an keinem Supermarkt vorbei. Dann trug er Lebensmittel für 14 Tage im Rucksack mit sich herum, ein Gewicht von etwa 20 Kilo. Wasser trank er aus Bächen und Flüssen.

"Ich habe gelernt, mit wie wenigen Dingen man zurecht kommen kann und vor allem auch glücklich ist. Dass man sich nicht irgendwelche materiellen Werte anschaffen muss, um glücklich zu sein." 

Das klingt großartig. Wir wollten es genauer wissen. Was ist Lukas passiert, als er den Mut hatte, loszugehen und seinen Lebenstraum zu verwirklichen? Welche Rolle spielte UNICEF bei seiner Aktion? Und hat er wirklich nie ans Aufgeben gedacht?

7 FRAGEN AN LUKAS

Lieber Lukas, was ist das für ein Gefühl, nach über vier Monaten und über 4.000 Kilometern zu Fuß am Nordkap zu stehen?

Viele denken, dass das Ankommen am Nordkap der glücklichste Moment gewesen sein muss. Aber stattdessen gab es so viele glücklichste Momente zwischendurch auf meiner Reise. Zum Beispiel, einen Sonnenaufgang zu erleben oder wenn ich unterwegs Freunde oder auch Fremde getroffen habe. 

Aber natürlich war ich sehr glücklich, als ich am Nordkap ankam. Und gleichzeitig traurig, dass die Reise nun zu Ende war. Mir ging es nie nur darum anzukommen, sondern vor allem auch darum, die Strecke zu erleben.

Wie kam es dazu, dass du zu Fuß zum Nordkap gewandert bist?

2006 war ich schon einmal mit meinen Eltern mit dem Wohnmobil dort. Die Landschaft hat mich begeistert, die Weite dort, das Raue der Natur. Und ich wandere sehr gern. So kann ich mehr von der Landschaft mitnehmen – nicht nur die Straße. 

Dann habe ich 2010 mit Freunden um vier Kästen Bier gewettet, dass ich zum Nordkap laufen werde. Doch es war noch eine lange Entwicklung, bis es im Mai 2019 tatsächlich losging. Es gehört Mut dazu, wirklich aus der Tür herauszutreten und loszugehen. 

Nordkap-Wanderer Lukas Bion in Hamburg

Da lag noch ein weiter Weg vor ihm: Nach einigen Tagen erreichte Lukas Hamburg.
© Lukas Bion

Warum hast du aus deiner Wanderung einen Spendenlauf für UNICEF gemacht?

Bei einer Reise durch Nepal habe ich große Armut gesehen. Da wollte ich helfen. Es war mir wichtig, mit der Aktion das Kinderhilfswerk UNICEF zu unterstützen, weil Kinder sich nicht so gut wie Erwachsene selbst aus der Armut befreien können. 

Deshalb habe ich vor meiner Wanderung Kontakt zur UNICEF-Gruppe Mainz aufgenommen. Die Ehrenamtlichen dort haben mich unterstützt und mir geholfen, meinen Wunsch in die Tat umzusetzen. Es gab dann Berichte in lokalen Zeitungen, im Fernsehen und bei Facebook. So wurden Menschen auf die Aktion aufmerksam und haben sie mit Spenden unterstützt.

Du hast es durchgezogen und hast am 16. September 2019, nach 127 Tagen, dein Ziel erreicht. Gab es zwischendurch mal einen Moment, in dem du kurz davor warst aufzugeben?

Zwischendurch gab es schon mal ein oder zwei kritische Momente, zum Beispiel als ich gestürzt bin. Und schon in der ersten Nacht hatte ich Hüftschmerzen, weil ich zu viel gelaufen war. Außerdem war es bitterkalt. Ich habe alle Kleidung angezogen, die ich dabei hatte. In meinem Kopf kreisten die Gedanken: "Lukas, du Idiot, was hast du dir dabei gedacht?" 

Aber ich habe nie daran gedacht aufzugeben. Die ganze Wanderung hat sich angefühlt wie ein Rausch. Ich war einfach zufrieden, dass ich auf der Tour war.

Wie haben andere – deine Familie und Freunde, aber auch Fremde – auf deine Aktion reagiert?

Die haben mich natürlich erstmal für verrückt erklärt (lacht). Aber meine Familie und meine Freunde haben mich immer unterstützt. Und auch sonst fanden alle die Aktion gut. Auch auf die Idee, dass ich mit der Wanderung Spenden für UNICEF sammle, haben alle positiv reagiert. Mein Einsatz für UNICEF war unterwegs immer Thema. Dass so viele Leute mich unterstützt und gespendet haben, hat mich sehr motiviert.

Nordkap-Wanderer Lukas Bion: Kleines Zelt in der Landschaft

Lukas' kleines Zelt inmitten der weiten Landschaft Norwegens. Um Gewicht zu sparen, wählte Lukas ein möglichst leichtes Zelt.
© Lukas Bion

Welchen Moment, welches Erlebnis wirst du nie vergessen?

Es gab unterwegs so viele kleine Erlebnisse, Begegnungen und neue Freundschaften, die ich geschlossen habe. Und auch das Gefühl, als ich am Nordkap angekommen bin, werde ich nie vergessen.

Wenn jemand das hier liest und überlegt, eine ähnliche Aktion zu starten: Was würdest du ihm sagen wollen? 

Ganz wichtig: nur leichtes Gepäck mitnehmen. Und im Vorfeld schon eine kürzere Tour über zwei oder drei Wochen machen, als Training. Eine gewisse Grund-Kondition ist wichtig, die kann man sich antrainieren durch Sport. Damit kann es jeder schaffen, zum Nordkap zu wandern. Manche brauchen vielleicht nur etwas länger als andere.

Du findest Lukas Geschichte inspirierend und überlegst, ob du eine ähnliche Aktion auf die Beine stellen könntest? Ganz bestimmt! Denn so eine Spendenaktion funktioniert im Kleinen zum Beispiel zu deinem Geburtstag oder im Großen, wenn du wie Lukas eine persönliche Challenge oder ein Herzensprojekt angehst. Hier liest du, was du für deine eigene Spendenaktion wissen musst.

Lukas hat aus Eindrücken seiner Wanderung ein Video zusammengestellt, in dem sich der gesamte Weg nachvollziehen lässt. Hier können Sie es sich anschauen.

Und wer Lukas folgen möchte: Hier geht es zu seinem Instagram-Account.

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