DAS "SCHWACHE GESCHLECHT"? VON WEGEN!
Donnerstag, 10. Oktober 2019, 10:00 Uhr
von Laura Sandgathe | 0 Kommentare

Mädchen sind stark! Den Beweis liefern sie selbst: Zum Weltmädchentag am 11. Oktober haben wir die Geschichten und Statements von sieben starken Mädchen aus aller Welt gesammelt.

Bodoor aus Jordanien: "Nichts kann uns stoppen"

Bodoor (17) lebt im Flüchtlingslager Azraq in Jordanien. Mit ihrer Familie ist sie 2014 vor dem Bürgerkrieg in Syrien hierher geflüchtet und geht seitdem in eine von UNICEF unterstützte Schule. "Für Mädchen in meinem Alter ist es schwierig, wenn sie verheiratet werden, ohne die Schule abzuschließen", sagt Bodoor. "Uns wird gesagt, dass Bildung uns nichts nützt und dass wir ins Haus unseres Ehemannes gehören. Aber ich sage: Das ist falsch. Durch Bildung können wir alles erreichen."

Bodoor hat einen großen Traum: Sie möchte Astronautin werden. Deshalb liest sie jedes Buch über den Weltraum, das sie kriegen kann. Die selbstbewusste junge Frau ist sich sicher, dass sie Erfolg haben wird:

Jordanien: Bodoor: "Mädchen haben die gleichen Rechte"

Ich habe den gleichen Verstand wie ein Junge, kann denken wie er, etwas schaffen und alles sein, was ich will.

Bodoor (17), aus Syrien

» Bodoors ganze Geschichte lesen Sie hier

Farida aus Niger: Als ihr Vater sie verheiraten wollte, holte sie sich Hilfe

Als Faridas Mutter starb entschied ihr Vater, dass seine Tochter heiraten müsse. "Da war ich gerade 16 Jahre alt", erzählt das Mädchen aus Niger. Doch Farida fasst einen mutigen Entschluss und wandte sich an die Verantwortlichen des Kinderschutz-Komitees im Dorf. "Sie haben meinen Vater davon überzeugt, was für Konsequenzen meine frühe Heirat haben könnte. Schlimmstenfalls könnte ich sterben, wenn ich ein Kind bekomme. Mein Vater ließ sich schließlich überzeugen", berichtet Farida.

Niger: Farida (16) konnte ihre eigene Heirat verhindern

© UNICEF/DT2017-58870

"Ich habe wirklich Glück gehabt", freut sich Farida darüber, dass sie so weiter zur Schule gehen kann. "Von den 32 Mädchen in meiner Grundschule sind bereits 28 verheiratet. Keine von ihnen konnte mit der Schule weitermachen."

UNICEF hatte die Mitglieder des Kinderschutz-Komitees zur Bedeutung von Themen wie Bildung, Kinderrechte und Zwangsheirat geschult. So wissen Mädchen wie Farida jetzt über die Folgen einer frühen Heirat Bescheid. "Wir reden auch mit unseren Freundinnen und informieren sie darüber", sagt Farida. So machen die Mädchen sich gegenseitig stark.

» Wie viele Mädchen werden schon im Kindesalter verheiratet, und welche Auswirkungen hat das auf ihr Leben? Antworten auf diese und weitere wichtige Fragen zur Situation von Mädchen weltweit lesen Sie in unserem Beitrag "11 Fakten über Mädchen". 

Victoria aus Uganda: "Ich bin Friseurin, um später Anwältin werden zu können"

Dreadlocks sind ihre Spezialität: Die 19 Jahre alte Victoria ist ausgebildete Friseurin. Doch dieser Beruf ist für sie nur Mittel zum Zweck. Denn Victoria hat einen Traum: Die junge Frau, die aus dem Südsudan nach Uganda kam, möchte Anwältin werden.

2013 war Victoria diesem Traum schon einmal ganz nah. Damals besuchte sie die Universität. Doch dann starb ihre Mutter, und ihr Vater zahlte die Studiengebühren nicht mehr. Victoria musste ihr Studium abbrechen.

Also nahm sie die Sache selbst in die Hand und begann ihre Ausbildung zur Friseurin an einer von UNICEF geförderten Berufsschule. "Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich nun in Salons im Dorf arbeiten kann. An der Berufsschule haben sie uns dazu geraten, Geld zu verdienen, zu sparen und damit die Uni zu bezahlen. Die Ausbildung hat mein Leben verändert", sagt Victoria.

Als Anwältin möchte sie ihre Landsleute aus dem Südsudan vertreten. "Diese Leute machen immer Probleme. Wenn ich Anwältin bin, kann ich ihnen dabei helfen sie zu lösen", scherzt Victoria. 

Alexandria aus den USA: Sie macht es wie Greta Thunberg

"Ich habe im letzten Dezember Gretas Rede bei der Klimakonferenz in Katowice gehört. Da wusste ich, was ich zu tun habe." Wie einst Greta Thunberg vor dem schwedischen Parlament, setzte sich die heute 14 Jahre alte Alexandria Villasenor fortan jeden Freitag vor das Hauptgebäude der Vereinten Nationen in New York und demonstrierte für mehr Klimaschutz. 

"Wochenlang war ich allein und wurde ignoriert. Die Menschen gingen vorbei, kaum jemand hat mich angesehen", erzählt sie. Heute protestiert sie gemeinsam mit einer Gruppe Gleichaltriger und merkt: "Ich bin nicht mehr allein."

Mittlerweile ist Alexandria ein bekanntes Gesicht der "fridays for future"-Bewegung. Unter anderem nahm sie im September an der UNICEF-Vorstandssitzung in New York teil und sprach über die bedrohlichen Folgen des Klimawandels für Kinder.

Anwar und Dina aus Jordanien: "Unsere Erfindung gehört in jeden Haushalt"

Das Ziel: Jedes Kind im Flüchtlingslager Za'atari in Jordanien soll seine Hausaufgaben machen können – auch wenn es keinen Strom und damit kein Licht gibt. Mithilfe von Anwars (14) und Dinas (15) Erfindung ist das jetzt möglich. Ihre Lampe, die die Mädchen im "UNICEF Innovation Lab" präsentierten, läuft über eine Powerbank – einen mobilen Akku. 

Weltmädchentag 2019: Jordanien: Dina und Anwar haben eine Lampe erfunden

© UNICEF/UN0206982/Herwig

"Wir hoffen, dass es unsere Idee in jeden Haushalt in Za'atari schafft", sagt Dina. "Mädchen sind von Natur aus erfinderisch", sagt Anwar. "Dina und ich möchten Vorbilder sein für andere Mädchen. Wir möchten zeigen, wie wir mit Kreativität etwas erreichen können."

Fatoumata aus Mali: "Hört mir zu!"

Fatoumata aus Timbuktu in Mali geht gern zur Schule. Ihr Lieblingsfach ist Geschichte. Später möchte auch sie Anwältin werden, wie Victoria aus Uganda. 

In ihrer Familie ist Bildung ein hohes Gut. Ihre Eltern und ihr älterer Bruder sind Lehrer. Doch die 14-Jährige weiß, dass viele Kinder in Mali nicht dieses Glück haben. Über eine Million Kinder im Grundschulalter gehen hier nicht zur Schule. Das ist fast jedes dritte Kind im Land. 

Fatoumata ist sich dieses Problems nicht nur bewusst: Sie geht es an. Als eine von 3.800 Schüler-Botschafterinnen und -Botschaftern, die UNICEF ausgebildet hat. Ihr Ziel ist kein geringeres, als das Recht auf Bildung für jedes Kind in Mali umzusetzen.

Weltmädchentag: Fatoumata aus Mali ermöglicht Kindern den Schulbesuch

Ich bin Schülerin und Lehrerin zugleich.

Fatoumata (14), aus Mali

"Ich besuche die Familien zuhause. Zuerst erzähle ich den Eltern dann immer, dass die staatlichen Schulen kostenlos sind", sagt Fatoumata. Das ist vielen Eltern in Mali nicht bewusst. Fatoumata schätzt, dass sie vor Start des Schuljahrs 2018/2019 mit etwa 50 Familien gesprochen hat. "Ich denke, ich war bei 20 von ihnen erfolgreich."

Paulina aus Tansania: Darum sind wir Mädchen stark

All diese Geschichten lassen keinen Zweifel: Mädchen sind stark! Paulina (16) aus Tansania bringt es auf den Punkt: "Mädchen sind starke Mitglieder der Gemeinschaft. Denn wir sind mutig und wir lieben einander. Wir haben Empathie für andere und arbeiten gut zusammen. Hinzu kommt: Wir sind genial. So können wir Großes erreichen!"

Alles gesagt, oder?

Weltmädchentag: Paulina aus Tansania im Tonstudio

© UNICEF/UNI196993/Jackel

STARKE MÄDCHEN GEZIELT FÖRDERN 

Nur wenn Mädchen ihre Stärke(n) und Talente leben können, statt unterdrückt und ausgeschlossen zu werden, hat unsere Weltgemeinschaft eine Zukunft. Deshalb fördern wir von UNICEF Mädchen ganz gezielt. Machen Sie mit! 

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