WIE UNICEF-HILFSGÜTER VON A NACH B KOMMEN

1. August 2018 von Katharina Kesper 3 Kommentare

Impfstoffe, Wasserreinigungstabletten, Erdnusspaste: So funktioniert die UNICEF-Hilfe weltweit

3,46 Milliarden Dollar – das ist der Gegenwert der Hilfsgüter, die UNICEF im letzten Jahr weltweit für Kinder und Familien in Not bereitgestellt hat. Von Impfstoffen über Wasserpumpen und Nahrungsmittel bis hin zu Spielzeug und Schulequipment – wir liefern diese Waren in 150 Länder. 

Wie funktioniert das überhaupt und wo lagern all diese Hilfsgüter?

Südsudan: UNICEF-Helfer trägt Kühlboxen

Für jedes Kind auf der Welt überall im Einsatz.
© UNICEF/UN0219198

Wer verteilt die Hilfsgüter?

2017 erreichte ein großer Anteil der Hilfsgüter 61 Länder und Regionen in akuten Notsituationen. Ganze 553 Millionen Dollar flossen in Hilfspakte für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten: Das ist so viel wie noch nie zuvor.

Das ginge natürlich nicht ohne unser großartiges Team, das unermüdlich und an beinahe jedem Fleck der Welt für Kinder im Einsatz ist. Wir arbeiten dabei oft mit Partnern und Organisationen vor Ort, um von der lokalen Expertise zu profitieren. Zunächst also ein großes DANKE an all unsere UNICEF-Helfer und -Partner.

Welche Hilfsgüter verteilt UNICEF?

Wir beliefern die Länder und Krisenregionen weltweit vor allem mit diesen Top-5-Hilfsgütern:

  • Impfstoffen
  • Spezialnahrung
  • Arzneimittel
  • Wasser und Hygieneprodukte
  • Schul- und Spielsachen

Unser Steckenpferd: Therapeutische Spezialnahrung, die wirkt! Erdnusspaste zum Beispiel hat die Behandlung von mangelernährten Kindern revolutioniert. In 2017 haben wir über 52 Tonnen Erdnusspaste verteilt. Trauriger Rekord: So viel wie noch in keinem Jahr zuvor.

Die Spezialnahrung wurde insbesondere dafür verwendet, um mangelernährte Kinder am Horn von Afrika, im Südsudan oder im Jemen zu versorgen. Dabei setzen wir immer mehr auf die lokale Produktion von Erdnusspaste. Eine erste „Plumpynut“-Fabrik steht zum Beispiel im afrikanischen Niger.

Impfungen sind lebenswichtig! Denn jährlich sterben schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren weltweit an Krankheiten, vor denen sie durch Impfungen geschützt gewesen wären. Wir arbeiten mit Partnern und Herstellern zusammen, um Kindern wichtige Impfstoffe zur Verfügung zu stellen, unabhängig davon, wo sie leben. 2017 ist es uns gelungen, für Länder mit niedrigem Einkommen ein Impfpaket für jeweils 18 Dollar erhältlich zu machen. Das macht es erschwinglich, Kinder gegen vermeidbare Krankheiten zu immunisieren. Wir erreichen so noch mehr Kinder mit wichtigen Impfstoffen. Ganze 2,4 Milliarden Impfdosen wurden 2017 in 102 Länder verschickt. Wir haben damit 45 Prozent der unter Fünfjährigen auf der ganzen Welt erreicht! 

Vorbereitung der Impfflaschen

Spezielle Fläschchen werden gewaschen und sterilisiert, bevor sie mit den Impfstoffen gefüllt werden. Dieser Impfstoff schützt Kinder vor den fünf großen Kinderkrankheiten: Hepatitis B, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. 
© UNICEF/UN0200239/Singh

Wo kommen die Hilfsgüter her?

Wussten Sie, dass das weltweit größte humanitäre Warenlager von UNICEF in Kopenhagen steht? Ein Grund für die Wahl dieses Standorts: der internationale Containerverkehr. Von der dänischen Hauptstadt aus packen und verschicken wir Hilfspakete in verschiedene Länder.

Es gibt ungefähr 100 verschiedene „Kits“, wie wir sie nennen, die dort zusammengestellt werden. Zum Beispiel Hygienekits, Schulkits oder Hebammenkits – für jede Notsituation angepasst und zusammengestellt. Das Lager ist wirklich riesig, hier ein Vergleich: Mit 20.000 Quadratmetern ist das Depot etwa so groß wie drei Fußballfelder! 36.000 Paletten werden dort gelagert. Mehr als 400 Mitarbeiter arbeiten dort.

Das Warenlager ist immer für einen humanitären Notfall gewappnet. Jederzeit könnten bis zu 10.000 Menschen für drei Monate mit überlebenswichtigen Hilfsgütern versorgt werden. Dazu gehören dann zum Beispiel Moskitonetze, Erdnusspaste, Medikamente oder Wasserreinigungstabletten. Und noch eine beeindruckende Zahl: Insgesamt lagern in Kopenhagen rund 850 verschiedene Hilfsgüter.

Kopenhagen: UNICEF-Logistikzentrum

Im Warenlager in Kopenhagen stapeln sich mehrere Tausend Paletten Hilfsgüter.
© UNICEF/UN069234/Guhle

Falls Sie noch nicht ganz erschlagen sind von den großen Zahlen und Mengen, dann noch dies: Lediglich fünf Prozent der weltweit bereitgestellten Hilfsgüter 2017 wurden direkt über Kopenhagen abgewickelt. Das hat mehrere Gründe. Wir optimieren stets die Prozesse − Zulieferer liefern direkt in das Krisengebiet, Hilfsgüter werden lokal produziert und versandt oder kommen aus einem der drei anderen großen Warenlager von UNICEF, die geografisch näher am Krisengebiet liegen. Diese stehen in Panama, Shanghai und Dubai.

Woher weiß UNICEF, in welchem Land welche Hilfsgüter benötigt werden?

Bevor Hilfsgüter verschickt werden, meldet das betroffene Land oder die Region, die in einer Notsituation ist, ihren Bedarf. Denn die Kollegen vor Ort wissen am besten, wie viele Kinder, wie viele Familien welche Form der Hilfe brauchen. 

Karte mit Überblick über die Kriegs- und Krisengebiete mit dem größten Nothilfebedarf in 2017

Die UNICEF-Karte gibt einen Überblick über die Kriegs- und Krisengebiete mit dem größten Nothilfebedarf im Jahr 2017.
© UNICEF

Gleichzeitig wird geprüft, welche Hilfsgüter lokal beschafft werden können. Nach Möglichkeit fördern wir dann die regionalen Zulieferer, um die Wirtschaft vor Ort nachhaltig zu stärken und nicht zu sehr von externer Hilfe abhängig zu machen. 

Als nächstes folgt die Budgetierung und Planung. Auch wie dringlich eine Lieferung benötigt wird, meldet das jeweilige Länderbüro dem Warenlager in Kopenhagen. Einkauf, Kommunikation und Logistik spielen also eine große Rolle. Wenn die Hilfsgüter ihren Zielort erreichen, werden sie geprüft und inspiziert. Vor Ort werden sie dann gegebenenfalls noch einmal zwischengelagert, meist aber sofort verteilt. Ob die Hilfsgüter ausreichen oder weitere benötigt werden, muss das jeweilige Länderbüro direkt prüfen. 

Verteilung von Hilfsgütern

Dieser Kreislauf zeigt, wie die Verteilung von Hilfsgütern weltweit funktioniert.
© UNICEF

Was kostet die Beschaffung?

Eine „School in a Box“ kostet zum Beispiel 160 Dollar, das entspricht vier Dollar pro Kind, das wir damit erreichen. Natürlich ist das Thema Kostenkalkulation für uns wichtig und wir haben immer das Ziel, die Hilfsgüter preiswert zu beschaffen, um am Ende noch mehr Kinder damit zu erreichen. Ein großer Vorteil für UNICEF: Wir können die Hilfsgüter in Massen einkaufen. Wir sind einer der größten Abnehmer für Hilfsgüter im humanitären Bereich und können dadurch gute Einkaufspreise verhandeln. 

...und Nachhaltigkeit? An die Umwelt denken wir auch!

Unsere Hilfsgüter sind nachhaltig! Wir verwenden zum Beispiel biokompostierbare Beutel für Gesundheits- und Bildungskits, denn uns ist eine „grüne“ Versorgung wichtig. Die Beutel werden bei der Entsorgung Teil des Bodens oder des Wassers und das, ohne Plastikmikropartikel zu hinterlassen. Letztes Jahr haben wir rund 20 Millionen biologisch kompostierbare Taschen in Gesundheits- oder Bildungskits nach Burundi, in die Demokratische Republik Kongo, nach Nigeria und Sierra Leone geschickt.

Burundi: Schuljunge hält neue Schulsachen in kompostierbarem Beutel

Ein Schuljunge aus Burundi hält seine neuen Schulsachen in einem kompostierbaren Beutel. 
© UNICEF Burundi/2017/J.Haro

Das große Ziel: Hilfe für jedes Kind

Unser Ziel ist es, die Bedürfnisse von Kindern in der ganzen Welt zu erfüllen. Das erfordert eine hohe Reaktionsfähigkeit, ein starkes Logistikwissen und weltweit agile und vernetzte Mitarbeiter. Wir sind stolz auf unser Team und ihren unermüdlichen Einsatz weltweit. Und dankbar für jedes Kinderlächeln, dass wir zurückbekommen! 

Aleppo: Junge spielt vor Schule

Ein Junge spielt in einer von UNICEF unterstützen Schule in Aleppo, Syrien.
© UNICEF/UNI198154/Sonoda

WEITERE INFORMATIONEN UND MATERIALIEN

  • Viele Informationen und Fakten zum UNICEF-Warenlager in Kopenhagen können Sie auch in unserem Jahresreport 2017 nachlesen.
  • Auf einen Blick, wo welche Hilfsgüter 2017 am dringendsten benötigt wurden: Interaktive Karte

KOMMENTARE

  • 04. September 2018 09:01 Uhr

    Liebe Frau Gmeiner-Schicker,
    vielen Dank für Ihren Hinweis - Sie haben natürlich völlig Recht, wenn Sie stutzig werden. Hier ist uns ein Fehler unterlaufen, es handelt sich nicht um einen Impfstoff gegen Influenza, sondern gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib). Wir haben dies in der Bildunterschrift richtig gestellt.
    Viele Grüße
    Wiebke Eckau
    UNICEF-Infoservice

  • 03. September 2018 18:06 Uhr

    Ich bin ehrenamtliche Mitarbeiterin der UNICEF-Arbeitsgruppe Stuttgart und kann nur sagen, dass dieser Bericht hervorragend ausgearbeitet und gestaltet ist. Alles ist gut verständlich, so dass ich diese Informationen verständlich an Interessierte rüber bringen kann. Vielen Dank und Gruß
    Christa Bosch

  • 03. September 2018 17:12 Uhr

    Bei den Impfungen fällt mir auf ( ich bin Ärztin) : Influenza- Impfung???? für Kinder ??!!!
    Wo wird das denn geimpft?
    Für eine kompetente Antwort wäre ich dankbar!
    Herzlich, Uli Gmeiner-Schicker

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