ZU BESUCH BEIM BUNDESPRÄSIDENTEN
Montag, 24. Februar 2020, 10:00 Uhr
von Verena Linde | 0 Kommentare

Das Kindermagazin GEOlino stellt in jeder Ausgabe ein UNICEF-Projekt vor. In Heft 2/2020 erschien ein Bericht über den Besuch von 13 Kindern beim Bundespräsidenten im Schloss Bellevue.

Herzlichen Glückwunsch! Die UN-Kinderrechtskonvention ist 30 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier 13 Kinder und Jugendliche zu sich ins Schloss Bellevue in Berlin eingeladen und mit ihnen über Kinderrechte diskutiert.

Berlin: Die eingeladenen Kinder und Jugendlichen mit Plakaten vor Schloss Bellevue.

Bitte lächeln! Damit Presse, Funk und Fernsehen auch über das Thema Kinderrechte berichten, posieren die Kinder und Jugendlichen auf der Eingangstreppe mit Plakaten.
© GEOlino/Lennard Schwarz

Am 20. November um Punkt elf Uhr steigen 13 Schüler die Treppenstufen zum Schloss Bellevue in Berlin hinauf und klopfen an die hölzerne Flügeltür. Sie alle engagieren sich für UNICEF, etwa im Juniorbeirat oder in Junior-­Teams, die es in ihren Heimatstädten gibt, und haben deshalb eine Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhalten. Die Jüngste ist die zehnjährige Sena aus Bielefeld. Sie steht ganz vorn, als der Bundespräsident die Tür öffnet. „Guten Morgen, hallo!“, begrüßt er die Mädchen und Jungen und schüttelt jedem die Hand. Seine Frau, Elke Büdenbender, tut es ihm gleich. Dann führt das Paar seine Gäste ins Amtszimmer – zum ersten offiziellen Akt des Besuchs.

Berlin: Der Bundespräsident und seine Frau begrüßen ihre Gäste an der Tür zu Schloss Bellevue.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender öffnen die Tür für 13 diskussionsfreudige Gäste. Die Jungen und Mädchen sind heute im Schloss Bellevue in Berlin erschienen, um sich für Kinderrechte starkzumachen.
© GEOlino/Lennard Schwarz

„Ihr seid eingeladen, im Gästebuch zu unterzeichnen, wie andere Staatsgäste auch“, verkündet Frank-Walter Steinmeier. Also nimmt ei­­ner nach dem anderen an dem glänzend gelackten Holztischchen Platz und schreibt seinen Namen in das große Buch. Anschließend versammeln sich alle in der Galerie, einem großen Raum mit mehreren Flügeltüren. Dort ist ein quadratischer Tisch eingedeckt. Na­­mensschilder zeigen an, wo die Kinder und Ju­gendlichen Platz nehmen und vor allem: ihre Meinung sagen dürfen.

Denn heute feiern die Kinderrechte ihren 30. Geburtstag. Der Be­­griff Kinderrechte ist nur die Ab­­kür­zung. Eigentlich heißt das Ganze „Übereinkommen über die Rechte der Kinder“ der Vereinten Nationen. Ein guter Anlass, Mädchen und Jun­­gen selbst zu Wort kommen zu lassen. „Uns in­­­ter­­es­siert, wel­che Erfahrungen Sie schon gemacht haben und was Sie sich wünschen, was mehr ge­­schieht“, fordert Frank-­­Walter Stein­­meier seine Be­­sucher zur Dis­­kussion auf. Tatsächlich siezt er seine jungen Gäste.

Und so bringt jeder sein  Thema auf den Tisch. Der 17-jährige Jess be­­richtet etwa, welche Nachteile er hat, weil seine Eltern kein Deutsch sprechen. „Zum Beispiel können sie mir nicht bei Aufsätzen helfen.“ 

Finja, 14 Jahre, klagt über ihren langen Schulweg mit dem Bus. „Ich wohne in einem kleinen Dorf. Der Bus fährt nur einmal in der Stunde. Das Problem ist, dass ich umsteigen muss. Hat der erste Bus Verspätung, verpasse ich den zweiten. Dann fehlt mir eine ganze Unterrichtsstunde in der Schule. Solche Nachteile haben Stadtkinder nicht.“

Bastian, 17, bringt ein besonders ernstes Thema zur Sprache: Eine Lehrerin hat ihn beleidigt, weil seine Mutter Hartz IV bekommt. Sena wiederum meldet sich schließlich mit dem Stichwort Mobbing zu Wort: „Wie soll man etwas lernen können, wenn man Angst hat, in die Schule zu gehen?“

Berlin: Portrait der 14-jährigen Finja aus Hiddenhausen.

Ich fand es auf­regend, in dieser Runde zu sprechen. Besonders weil ich gesehen habe, dass der Bundespräsident wirklich zuhört und ihn interessiert, was ich zu sagen habe.

Finja, 14 Jahre, aus Hiddenhausen

Berlin: Portrait der zehnjährigen Sena aus Bielefeld

Heute waren viele Themen wichtig. Wenn ich mich allerdings für eines entscheiden müsste, für das ich kämpfen will, ist das Chancengleichheit.

Sena, 10 Jahre, aus Bielefeld

Und dann ist da noch Felix, 17 Jahre, aus Monkey Bay in Malawi, einem Staat im Südosten Afrikas. Auch er engagiert sich in seiner Heimat für UNICEF und ist für eine knappe Woche nach Deutschland gereist, um den Bundespräsidenten zu treffen. „Ich gehe jeden Tag zwei Stunden zu Fuß zur Schule und nach dem Unterricht zwei Stunden zurück. Wir haben wenig Platz und auch zu wenige Lehrer, daher sind die Klassen überfüllt. Ich bin jetzt in der weiterführenden Schule und arbeite noch nebenbei. Viele meiner Freunde, mit denen ich in der Grundschule war, sind nicht mehr dabei. Sie müssen jetzt Geld verdienen.“

Berlin: Portrait des 17-jährigen Felix aus Monkey Bay in Malawi

Wenn ich nach Hause komme, werde ich von meinen Erfah­run­gen hier berichten. Das ist wichtig. Denn Wissen weiterzugeben, bringt Veränderung. Deshalb möchte ich auch Journalist werden.

Felix, 17 Jahre, aus Monkey Bay in Malawi

Nach Felix’ Erzählungen be­­dan­­ken sich der Bundespräsident und die First Lady noch einmal beson­ders bei ihm für seinen Besuch. Die anderen Mädchen und Jungen sind erst einmal still. Aber: Sein Bericht hat sie auch in ihrer Forderung nach Chancengleichheit be­­stärkt – für die Kinder in Deutschland und auf der ganzen Welt. Frank-Walter Steinmeier macht sich Notizen auf seinem Ta­­bletcomputer.

„Ich weiß, die können jetzt nicht einfach alles umsetzen, was wir fordern“, sagt Finja, nachdem sich der Bundespräsident für den Besuch der Schüler bedankt hat. „Aber ich habe gesehen, dass sie mitgeschrieben haben. Und allein, dass sie das jetzt alles gehört haben, bringt etwas.“

Berlin: Die Unterschriften der Kinder und Jugendlichen im Gästebuch des Schloss Bellevues.

Der Besuch hat Spuren hinterlassen - auch im Gästebuch des Bundespräsidenten. Denn dort durften alle unterschreiben.
© GEOlino/Lennard Schwarz

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