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SYRIEN: KINDER AUSLÄNDISCHER HERKUNFT SOLLTEN REPATRIIERT WERDEN
Köln/Amman
Montag, 4. November 2019, 17:40 Uhr

STATEMENT VON UNICEF-EXEKUTIVDIREKTORIN HENRIETTA FORE

„Die jüngste Gewalteskalation in Nordost-Syrien zeigt die dringende Notwendigkeit, dass Regierungen ausländische Kinder, die sich dort aufhalten, in ihre Herkunftsländer zurückführen, bevor es zu spät ist. Nationale Regierungen haben jetzt die Verantwortung diese Kinder und ihre Eltern nach Hause zu holen, wo sie angemessen betreut werden und vor Gewalt und Missbrauch geschützt werden können.

Syrien-Konflikt: Ein syrisches Mädchen flieht mit seiner Familie.

In Nordost-Syrien: Ein syrisches Mädchen flieht mit seiner Familie vor der erneuten Eskalation der Gewalt. Die aktuelle Zuspitzung hat die humanitäre Lage in der Region weiter verschärft.
© UNICEF/UNI216300/Souleimain/AFP-Services

Die Lage der Kinder in Syrien 

Unseren Schätzungen zufolge:

  • halten sich rund 28.000 Kinder aus 60 verschiedenen Ländern - rund 20.000 von ihnen aus dem Irak - im Nordosten des Landes auf, die meisten von ihnen in Flüchtlingscamps;
  • sind über 80 Prozent von ihnen unter 12 Jahren und 50 Prozent unter 5 Jahren alt;
  • befinden sich mindestens 250 Jungen in Haft - manche von ihnen sind erst neun Jahre alt. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Die Kinder leben unter Bedingungen, die nicht für Kinder geeignet sind. Sie fragen sich, was mit ihnen passieren wird. Diese Kinder brauchen dringend Schutz und Unterstützung. Unseren Informationen zufolge haben bisher 17 Länder mehr als 650 Kinder repatriiert. Viele von ihnen leben nun mit ihren Familienangehörigen, manche von ihnen auch mit ihren Müttern, die gemeinsam mit ihnen zurückgekehrt sind. Die Kinder leben in Sicherheit, gehen zur Schule und versuchen, ihre Kriegserfahrungen zu verarbeiten. UNICEF unterstützt einige der zurückgekehrten Kinder und hilft ihnen beispielsweise bei der Wiedereingliederung in ihre erweiterten Familien und Gemeinschaften. 

UNICEF begrüßt die Entscheidung dieser Länder. Ihr Einsatz und UNICEFs langjährige Erfahrung bei der Unterstützung von Kindern, Familien und Gemeinschaften in bewaffneten Konflikten zeigen, dass es einen Weg gibt, wo ein Wille ist. 

Doch ist der Einsatz dieser Länder eher eine Ausnahme, als die Regel. Deshalb ist unsere Botschaft an die Regierungen: Das Wohl eines jeden Kindes muss jederzeit im Vordergrund stehen. UNICEF ist tief besorgt über die Sicherheit und das Wohlergehen von Kindern, die unter schwierigsten Bedingungen in Flüchtlingscamps und Inhaftierungszentren leben. Darunter sind auch 40.000 Kinder, die seit der neuen Gewalteskalation in Nordost-Syrien geflohen sind. Viele von ihnen wurden von ihren Familien getrennt oder verletzt. Sie sind besonders gefährdet und müssen dringend geschützt werden.

UNICEF ruft die Mitgliedstaaten und Konfliktparteien erneut dazu auf:

  • sicherzustellen, dass eine Inhaftierung nur als letztes Mittel erfolgt und so kurz wie möglich dauert. Kinder sollten nicht allein, aufgrund des Verdachts von familiären Bindungen zu bewaffneten Gruppen oder der Zugehörigkeit von Familienmitgliedern zu bewaffneten Gruppen, inhaftiert werden. Kinder, denen ein Verbrechen vorgeworfen wird, sollten gemäß internationalen Standards der Jugendgerichtsbarkeit behandelt werden, mit Fokus auf ihrer Rehabilitation und Wiedereingliederung ins alltägliche Leben.
  • gemäß dem Kindeswohlprinzip und internationalen Standards die Wiedereingliederung in ihre Gemeinden und die sichere, würdevolle, freiwillige Rückkehr in ihre Herkunftsländer zu unterstützen. Dabei sollte die Einheit der Familie gewahrt und das Non-Refoulement-Prinzip angewendet werden, welches Rückführungen in Länder untersagt, in denen den Betroffenen Folter oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen.
  • Kindern, die ihre Staatsangehörigen sind oder von Staatsangehörigen geboren wurden, Identitätspapiere auszustellen um zu verhindern, dass die Kinder staatenlos sind.
  • Kinder jederzeit zu schützen. Dies gilt für sowohl für die Konfliktparteien als auch diejenigen, die Einfluss auf sie haben. Angriffe auf die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur, wie Gesundheitszentren, Schulen und Wassernetzwerke müssen unterlassen werden.   
  • humanitären Organisationen uneingeschränkten Zugang zu Kindern und Familien zu ermöglichen, inklusive derer, die sich in Haft befinden.

Wir dürfen die Kinder in Nordost-Syrien und im gesamten Land angesichts des sie umgebenden Krieges nicht allein lassen.”

Syrien Spendenkonto

UNICEF ruft zu Spenden für die vom Konflikt betroffenen Kinder in Syrien auf:

UNICEF, Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN DE57 3702 0500 0000 3000 00
BIC BFSWDE33XXX

Spendenstichwort: Nothilfe Syrien




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Chrisitine Kahmann, UNICEF Deutschland

CHRISTINE KAHMANN

Pressesprecherin - Aktuelle Themen, Nothilfe
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