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„DIE WIEDERERÖFFNUNG VON SCHULEN KANN NICHT WARTEN“
Paris / New York / Köln
Dienstag, 13. Juli 2021, 14:23 Uhr

STATEMENT VON UNICEF-EXEKUTIVDIREKTORIN HENRIETTA FORE UND UNCESCO-GENERALDIREKTORIN AUDREY AZOULAY VOM 12. JULI 2021

„Seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie sind 18 Monate vergangen und noch immer bedeutet dies für Millionen von Kindern, dass ihr Zugang zu Bildung unterbrochen ist. Bis heute sind 156 Millionen Schülerinnen und Schüler aus Grund- und weiterführenden Schulen in 19 Ländern von Schulschließungen betroffen.

Das darf nicht so weitergehen. Schulen sollten zuallerletzt schließen und zuallererst wieder öffnen.

Schulkinder in Mauretanien sitzen mit Masken geschützt im Klassenzimmer.

Endlich wieder Schule! Nach Monaten der Schulschließungen begann für diese Kinder in Mauretanien wieder der Unterricht.
© UNICEF/UNI370446/Pouget

In ihrem Bemühen, die Verbreitung des Virus einzudämmen, haben Regierungen Schulen oft geschlossen und lange geschlossen gehalten, selbst wenn die epidemiologische Lage dies nicht rechtfertigte. Schulschließungen wurden häufig als erste und nicht als letzte Maßnahme ergriffen. In vielen Fällen wurden Schulen geschlossen, während gleichzeitig Bars und Restaurants geöffnet blieben.

Die Nachteile die Kinder und Jugendliche dadurch erleiden, dass sie nicht zur Schule gehen können, können möglicherweise nie wieder ausgeglichen werden. Von Lernverlusten, psychischer Not, Gewalt und Missbrauch bis hin zu verpassten Schulmahlzeiten und Impfungen oder einer eingeschränkten Entwicklung sozialer Fähigkeiten - die Folgen für die Kinder werden sich in ihren schulischen Leistungen und ihrer gesellschaftlichen Teilhabe sowie in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit zeigen. Am stärksten betroffen sind Kinder, denen wenig Ressourcen zur Verfügung stehen und die keine Möglichkeit haben, Fernlernmöglichkeiten zu nutzen, sowie die jüngsten Kinder, die sich in wichtigen Entwicklungsphasen befinden.

Die Folgen für Eltern und Betreuende sind ebenso schwerwiegend. Kinder zu Hause zu versorgen, zwingt Eltern auf der ganzen Welt dazu, ihre Arbeit aufzugeben, insbesondere in Ländern, in denen es keine oder nur eingeschränkte Familienurlaubsregelungen gibt.

Deshalb kann die Wiedereröffnung von Schulen nicht warten. 

Wir können nicht darauf warten, dass die Fallzahlen auf Null zurückgehen. Grund- und weiterführende Schulen gehören nachweislich nicht zu den Haupttreibern einer Ausbreitung. Die Entscheidung, Schulen zu öffnen oder zu schließen, sollte auf einer Risikoanalyse und den epidemiologischen Abwägungen in den jeweiligen Gemeinden beruhen.

Die Wiedereröffnung von Schulen kann nicht darauf warten, bis alle Lehrer*innen und Schulkinder geimpft sind. Angesichts der weltweiten Impfstoffknappheit, die insbesondere Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen betrifft, hat die Impfung von Gesundheitspersonal und besonders gefährdeten Gruppen Priorität. Alle Schulen sollten Kindern so schnell wie möglich Präsenzunterricht ermöglichen, und dies ohne jegliche Hindernisse und ohne dass dafür eine Impfung nötig ist.

Angesichts des globalen Bildungstreffens am 13. Juli fordern wir Entscheidungsträger und Regierungen dringend auf, der sicheren Wiedereröffnung von Schulen Priorität einzuräumen, um eine Generationenkatastrophe zu vermeiden.

Die Schließung von Schulen belastet unsere Zukunft ohne dass es eindeutige Vorteile für die gegenwärtige Lage mit sich bringt. Wir müssen Prioritäten besser setzen. Wir können Schulen auf sichere Weise wiedereröffnen, und das müssen wir auch.“

Chrisitine Kahmann, UNICEF Deutschland

CHRISTINE KAHMANN

Pressesprecherin - Aktuelle Themen, Nothilfe
0221-93650-315 oder 030-275807919
E-Mail: presse(at)unicef.de