Mütter für Mütter-Programm: Eine Betreuerin berät eine HIV-positive Mutter (© UNICEF/NYHQ2009-2633/Pirozzi)

KAMPF GEGEN HIV/AIDS

MÜTTER FÜR MÜTTER

Von Jackline Akinyi Odongo, "Mütter für Mütter"-Programm

Mein Name ist Jackline Akinyi Odongo. Ich komme aus Kenia und habe eine Tochter. Als ich schwanger wurde, ging ich ins Krankenhaus und wurde dort auf das HI-Virus getestet. Ich war geschockt, als ich das Ergebnis erfuhr: Ich trug den Aids-Erreger im Körper. Ich weinte viel und versuchte, alles zu verdrängen.

Ich ging sofort nach Hause und erzählte es meinem Mann. Zu meinem Entsetzen und völligen Überraschung schlug er mich und warf er mich aus dem Haus. Er sorgte dafür, dass das ganze Dorf von meinem Status erfuhr. Ich wusste nicht, wohin und was ich tun sollte. Es war der längste Tag meines Lebens. Plötzlich obdachlos, kam ich bei einem Freund unter. In der Nacht konnte ich nicht schlafen und fragte mich, wie das Virus in mein Leben gekommen ist. Schließlich war ich meinem Mann immer treu gewesen. Ich war erfüllt mit Bitterkeit.

Glücklicherweise ging ich zurück in die Klinik. Ich wurde in das „Mütter für Mütter“-Programm aufgenommen, das von UNICEF unterstützt wird. Hier hießen mich wundervolle Mitarbeiter und ehrenamtliche Betreuerinnen willkommen. Ich wurde in ein Zimmer voller Frauen geschickt. Einige waren schwanger, einige stillten ihr Baby, und sie sahen alle sehr gesund aus. Ich fragte mich, ob ich im falschen Raum war oder mich verlaufen hatte.

Hier erfuhr ich zum ersten Mal, was eine HI-Infektion bedeutet und dass es für Schwangere inzwischen gute Möglichkeiten gibt, ihr Baby vor Ansteckung zu schützen. Ich erfuhr, das HIV nicht das Ende des Lebens sein muss, und das gab mir Hoffnung. Ich traf andere Mütter mit HIV. Ihre Unterstützung gab mir Kraft und ich fühlte mich gut. Ich lernte, wie ich gesund bleiben und mein Baby vor Ansteckung bewahren kann, wenn ich regelmäßig besondere Medikamente nehme. Ich sagte mir, wenn diese Frauen es schaffen, mit dem Virus zu leben und ein gesundes Baby zu haben, kann ich das auch.

Schließlich kam meine Tochter zur Welt. Ich nannte sie Aki Amor. In meiner Sprache heißt das „Ich bin so glücklich“. Die Medikamente hatten gewirkt: Aki Amor war HIV-negativ. Vor Freude sprang ich herum und tanzte.

Mittlerweile arbeite ich auch ehrenamtlich bei „Mütter für Mütter“ mit. Das heißt, ich helfe anderen Müttern, die unter dem Stigma HIV leiden. Die vielleicht nichts von ihrer Ansteckung wissen und das Virus ohne es zu ahnen an ihre Babys weitergeben. Ich sage Ihnen: „Dein Baby kann gesund sein.“ Ich erzähle ihnen meine Geschichte und dass ich das Glück hatte, Medikamente zu bekommen.

Infiziert sein heißt nicht, krank zu sein. Es ist nur ein Virus, das in Deinem Körper steckt. Seit ich von meiner HIV-Infektion weiß, war ich nicht einen Tag krank. Es geht mir gut. Ich freue mich, wenn eine Mutter – oder ein Elternpaar – nach dem Test zu mir kommt. Und ich teile ihr Glück, wenn ihr Kind gesund ist. Dann spüre ich, die Hilfe kommt an, nicht nur bei den Müttern hier, sondern überall da draußen und in der ganzen Welt. Eine Generation ohne Aids ist kein Traum. Gemeinsam können wir ihn wahr machen.

Jackline Akinyi Odongo aus Kenia ist ehrenamtliche Betreuerin beim "Mütter für Mütter"-Programm, das von UNICEF unterstützt wird. Sie arbeitet im Hospital in Kisumu, Nyanza, einer besonders von Aids betroffenen Provinz.