Ihre Hilfe ist angekommen!

UNICEF-LOGISTIK

Weltweit bekommt jedes dritte Kind Impfstoffe von UNICEF. Auf der Reise zu ihnen muss das Serum ununterbrochen gekühlt werden – im Laderaum von Schiffen, auf Booten, Motorrädern oder Lasteseln, mit denen die wertvolle Fracht endlich jedes einzelne Dorf erreicht.

Auch Millionen Moskitonetze und Hunderttausende Kisten mit Schulmaterial werden jedes Jahr in die entlegensten Gebiete gebracht. Die UNICEF-Logistikexperten sorgen dafür, dass alles heil am richtigen Ort ankommt – in guter Qualität und möglichst günstig.

Ein Interview mit Shanelle Hall, Leiterin der UNICEF-Logistik

Shanelle Hall von UNICEF

© UNICEF/NYHQ2009-1397/Toutounj

Was leistet die Logistik für UNICEF?

Wir wollen das Leben von Kindern auf der ganzen Welt verbessern. Dazu braucht es einen umfassenden Ansatz. Wir arbeiten mit den Herstellern zusammen und entwickeln gemeinsam mit ihnen Lösungen, die genau den Bedürfnissen entsprechen – zum Beispiel Moskitonetze, die vor Malaria schützen, aber auch robust und langlebig sind. Wir drängen die Industrie aber auch dazu, neue Impfstoffe zu entwickeln und diese den Kindern in Entwicklungsländern zugänglich zu machen.

Welche Rolle spielt neue Technologie?

Technologie kann sehr nützlich sein – aber sie muss unter den Bedingungen eines Entwicklungslandes funktionieren.

Gerade SMS-Kommunikation fasst in immer mehr Ländern Fuß. Sie verbessert die Versorgung in entlegenen Regionen ganz erheblich.

In der Demokratischen Republik Kongo testen wir gerade einen neuen Sensor für Kühlräume. Steigt oder fällt die Standardtemperatur von acht Grad, alarmiert der Sensor per SMS automatisch die Verantwortlichen.

Mit Unternehmen und Forschern arbeiten wir an einem Diagnosegerät für Lungenentzündung bei Kindern, das robust und leicht zu bedienen ist. Weil UNICEF große Stückzahlen zusagen kann, wird es speziell nach unseren Bedürfnissen entwickelt.

Wir helfen, aus alten Ölfässern solarbetriebene Computer für Schüler zu machen oder entwickeln neuartige Wasserkanister, die leichter zu tragen sind. Unter unicefinnovation.org kann sich jeder über innovative Projekte informieren.

Was hat Sie während Ihrer Arbeit besonders beeindruckt?

Ich erinnere mich an ein Flüchtlingslager im westlichen Uganda. Jeder zweite dort war ein Kind. UNICEF hatte für die Mädchen und Jungen ein kleines Zentrum eingerichtet. Die meisten kamen barfuß – sie besaßen keine Schuhe. Wir fragten: Was braucht ihr? Die Kinder wünschten sich: Moskitonetze, Schreibhefte und Bleistifte. Von Spielzeug war keine Rede. Ich war sehr bewegt, dass die Mädchen und Jungen genau spürten, dass Schutz vor Krankheiten und Bildung so wichtig für sie ist. Später erfuhr ich, dass hier in den letzten zehn Tagen zwei Flüchtlingskinder an Malaria gestorben waren. Unsere Aufgabe ist es, jedes Kind zu erreichen, und das möglichst effizient. Das ist wunderbar und fasziniert mich jeden Tag aufs Neue.

Über die Interviewpartnerin

Shanelle Hall, 44, ist Systemingenieurin und leitet seit 1998 die Logistik von UNICEF.

Fakten zur Logistik

Das UNICEF-Logistikzentrum im Hafengebiet von Kopenhagen ist mit 20.000 Quadratmetern etwa so groß wie drei Fußballfelder. Hier lagern etwa 800 verschiedene Hilfsgüter: Medikamente, Wasserreinigungs-tabletten, Moskitonetze und vieles mehr. Dazu kommen regionale Warenlager in Panama, Dubai und Shanghai sowie über 350 Lager in den Programmländern. Hier stehen jederzeit Hilfsgüter für den Katastrophenfall bereit.

Das meiste beschafft UNICEF lokal. Impfstoffe werden direkt vom Hersteller aus verschickt. Wo immer möglich, transportiert UNICEF Hilfsgüter per Schiff – das kostet nur ein Zehntel der Flugkosten. Häufig geben Fluggesellschaften UNICEF Rabatt. UNICEF kauft auch für andere große Hilfsorganisationen sowie Regierungen ein, stellt Lagerplatz und Know-how zur Verfügung. Weltweit sind dafür rund 1.100 Mitarbeiter im Einsatz.

Logistik im Wandel

  • Noch 2002 stellt weltweit nur eine einzige Firma spezielle Erdnusspaste für mangelernährte Kinder her. Dabei ist sie hoch wirksam und gut aufzubewahren – und die Nachfrage ist groß. UNICEF hilft, zusätzliche Produktionskapazität aufzubauen und Qualitätsstandards zu etablieren. Heute stellen mehr als 20 Firmen Millionen der kleinen Päckchen her, sieben davon in Afrika. Während der schweren Nahrungskrise in Ostafrika retten sie Hunderttausenden Kindern das Leben.
  • 2002 hat UNICEF für 17 Millionen Dollar Malariamittel sowie antiretrovirale Medikamente gegen HIV eingekauft. Zehn Jahre später ist es bereits das Zehnfache – viele HIV-positive Kinder erhalten erstmals Hilfe.
  • Die Preise für die wichtigsten Impfstoffe sind seit 2008 um etwa drei Viertel gefallen. Das war auch deshalb möglich, weil UNICEF mit den Herstellern verhandelt hat. UNICEF schätzt, dass sich so in den nächsten Jahren weitere 620 Millionen Euro werden einsparen lassen.